Ski alpin

Ein Lenzburger mit Marco Büchel auf dem Klo

Christian Häusermann an den Ski-WM 2015 in Vail/Beaver Creek

Christian Häusermann an den Ski-WM 2015 in Vail/Beaver Creek

An der Ski-WM in Beaver Creek können sich die Athleten auf einen Aargauer verlassen. Der Lenzburger Christian Häusermann lebt seit 20 Jahren in Colorado und hilft an den Skirennen.

Wenn sich Christian Häusermann an die mehr als zwanzig Jahre zurückerinnert, in denen er nun schon für den Skiweltcup oder die Skiweltmeisterschaften in Vail und Beaver Creek tätig ist, kommt ihm sofort eine Geschichte in den Sinn. Als der Lenzburger 2002 für das Team Liechtenstein zuständig war und Marco Büchel auf Rang zwei fuhr, musste Häusermann dafür sorgen, dass Büchel zur Dopingkontrolle erscheint. Häusermann informierte den Liechtensteiner und dieser verkniff sich das Geschäft, weil er zuerst zur Siegerehrung musste.

Auf dem Podest litt Büchel ob dem stetig steigenden Druck und blickte verzweifelt immer wieder zu Häusermann. «Kaum war die Zeremonie fertig, rannten wir los», sagt Häusermann, der auch an der im Moment stattfindenden Ski-WM in Vail und Beaver Creek als Helfer im Einsatz steht. «Wenn immer ich Marco irgendwo treffe, spielt er die leidende Geste nach», sagt Häusermann. «Dann lachen wir.»

Angefangen hat alles 1993. Häusermann war in St. Moritz als Skilehrer tätig, als er Berufskollegen aus den USA traf. Diese rieten ihm, doch einmal eine Saison nach Vail zu kommen, um dort den Skisport zu lehren. «Ich war nie ein Fan der Schule, aber ich dachte mir, das wäre eine super Gelegenheit, um Englisch zu lernen», sagt Häusermann. Er packte seine Koffer und verbrachte den Winter 1994 in Colorado als Skilehrer. Ein paar Brocken Englisch und viele Handgesten mussten reichen, um zu unterrichten.

«Will es hier versuchen»

Nach der Saison reiste er Heim nach Lenzburg. Doch schon bald kam das Kribbeln, es noch einmal zu tun. Und so reiste er auch im nächsten Winter wieder nach Vail. «Dann hat es mich gepackt und ich sagte mir, ich will es hier versuchen.» Er wanderte aus und arbeitete im Winter als Skilehrer und im Sommer als Bauunternehmer. Diese beiden Tätigkeiten sind bis heute geblieben

Mit den Organisatoren des Skiweltcups kam er schon früh in Kontakt. «Schliesslich arbeitet hier im Tal, vom Banker bis zum Bauarbeiter, fast jeder als freiwilliger Helfer für die Skirennen», sagt er. Und weil es im Skisport viele Teams aus dem deutsprachigen Alpenraum gibt, war er der perfekte Mann für den Job des Übersetzers.

Häusermann sagte zu und sein Englisch wurde immer besser. Mittlerweile fehlen im sogar manchmal die schweizerdeutschen Wörter, wenn er erzählt. Seit ein paar Jahren ist er Doppelbürger und beteiligt sich am politischen Leben in der USA. «Schliesslich war ich in Lenzburg früher auch in der Politik aktiv», sagt er.

Einmal im Jahr in der Heimat

Mindestens einmal im Jahr fliegt er zurück in die alte Heimat. Am liebsten für das Jugendfest. «Da treffe ich dann alte Freunde.» Seine Familie wohnt noch heute im Aargau. Er besitzt ein Haus ein paar Dörfer von Vail entfernt, wo die Preise etwas günstiger sind als im Luxusort. Die Villen kennt er nur von seinem Job als Bauunternehmer: «Einmal durften wir ein Anwesen mit einer Gebäudefläche von 800 Quadratmetern bauen.»

Über die Jahre wurde auch seine Aufgabe im Betreuerstab der Organisatoren immer wichtiger. Heute führt er ein Team mit 30 Leuten, das sich um die Athleten kümmert. Dafür hat Häusermann auch vier Aargauer rekrutiert, die extra für die Ski-WM nach Beaver Creek flogen, um freiwillig für den Anlass zu arbeiten.

Keine aktive Karriere

Noch immer führen sie die Athleten zu den Dopingkontrollen oder helfen bei Übersetzungen. «Bei den grossen Skinationen ist das mittlerweile kein Problem mehr. Da sprechen fast alle Englisch. Doch gerade an einer Ski-WM hat es auch Exotenteams dabei und die sind auf unsere Hilfe angewiesen», sagt Häusermann.

Als sich der heute 52-Jährige in Lenzburg in jungen Jahren einem Skiklub anschloss, waren die Flachländer an den Rennen in den Bergen auch eher Exoten. «Zu Beginn bin ich mit einem von meiner Mutter gestrickten Pullover gefahren. Ein Renndress konnte ich mir erst viel später leisten.» Als er dann einmal in einer Abfahrt stürzte und die Ärzte den Anzug für die Behandlung aufschneiden wollten, sagte er: «Ihr könnt alles mit mir machen, aber der Anzug bleibt ganz.» Die 300 Franken, die er gekostet hat, waren für ihn ein Vermögen.

Zur grossen Skikarriere hat es ihm nie gereicht. Dafür zum Skilehrer und zum Betreuer der Profis an den Rennen in Vail und Beaver Creek.

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