Challenge League
Ist das die neue Realität? Aarau spielt 0:0 gegen biederes Rapperswil-Jona - und hat noch Glück

Zum Abschluss des ersten Saisonviertels gastierte der Aufsteiger im Brügglifeld. Ein Gegentor hat der FC Aarau dieses Mal verhindert - dank Goalie Steven Deana. Doch in der Offensive trat Aarau harmlos wie selten auf.

Sebastian Wendel (Text) und Patrick Haller (Ticker)
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Trainer Marinko Jurendic gibt Anweisungen an der Seitenlinie.

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Das wäre der Super-Gau gewesen: In der letzten Minute der Nachspielzeit, die Uhr zeigte etwas mehr als 95 Minuten an, laufen plötzlich zwei Spieler von Rapperswil-Jona in den Aarau-Strafraum laufen. Salanovic passt auf Kubli, doch dem misslingt total freistehend die Ballannahme, so dass Aarau-Goalie Deana mit den Füssen klären kann. Die letzte und grösste Torchance des Spiels, ja man muss von einer sogenannten "Hundertprozentigen" sprechen, ist vergeben. Es bleibt beim 0:0.

Man will sich nicht ausmalen, was nach einer Niederlage gegen den biederen Aufsteiger im Brügglifeld losgewesen wäre. Doch auch so hagelt es nach dem Schlusspfiff laute Pfiffe für die Mannschaft des FC Aarau. Die Zuschauer, offiziell sind 2600 gekommen, erwarten einfach mehr - verständlich. Das Heimteam hat sich in den 95 Minuten vor der Rappi-Chance zum Luckypunch nämlich keine einzige Möglichkeit herausgespielt, bei der der Ball entweder knapp am Tor vorbeigeflogen ist oder Rappi-Goalie Yanz besonders gefordert gewesen wäre.

Immerhin: Abgesehen von der letzten Spielminute hat der FC Aarau dieses Mal defensiv nichts zugelassen. Anders als am Mittwoch in Chiasso, als die Tessiner gut und gerne höher als 1:0 hätten gewinnen können. Und in den letzten 20 Minuten der Partie gegen Rapperswil-Jona ist in den FCA-Reihen so etwas wie ein Aufbäumen zu spüren. Einige Spieler, allen voran Neuzugang Gianluca Frontino, versuchen, etwas zu erzwingen, fassen sich ein Herz für einen Weitschuss oder provozieren Fouls vor der Strafraumgrenze. Grundlegende Dinge, die man in Chiasso vermisst hat.

Die erste Halbzeit und der Beginn der zweiten waren mit Blick auf das Angriffsspiel zum Vergessen. Der Sicherheit zuliebe hat der FCA in den ersten 70 Minuten gefühlt mehr Bälle nach hinten denn nach vorne, also in Richtung gegnerisches Tor, gespielt. Wie soll so ein Tor fallen? Rapperswil-Jona stand zwar tief, Räume waren trotzdem da, der FC Aarau hätte sie nur sehen und den Mut haben müssen, sie auch zu bespielen. Dass nach den vielen Wechseln im Team die Automatismen noch fehlen - klar. Mehr Ideenreichtum und Mut zum Risiko darf man trotzdem erwarten.

Man kann es auch so sehen, auch wenns weh tut: Als Fan muss man sich in der aktuellen Zeit damit begnügen, wenn der FC Aarau gegen das mit einigen Halbprofis gespickte Rapperswil-Jona eine akzeptable zweite Halbzeit abliefert und gegen den Aufsteiger dank Goalie Steven Deana ohne Gegentor bleibt.

Nach der Verpflichtung von Spielmacher Frontino vor einer Woche hat FCA-Trainer Marinko Jurendic hat nun das Spielermaterial beisammen, das er sich gewünscht hat. Der Funke muss jetzt schnellstmöglich vom Trainerstaff auf die Mannschaft überspringen. Heisst: Im Heimspiel am Freitag gegen Xamax muss der FCA an den letzten 20 Minuten gegen Rapperswil-Jona anknüpfen. Einen erneuten Rückfall in frühere Zeiten, so geschehen in Chiasso, können sich der Trainer und seine Mannschaft eigentlich nicht mehr leisten.