NLA-Handball
Im Nebenjob serviert er Burger: Der Kanadier Justin Larouche ist einer der Besten beim TV Endingen

Der kanadische Neuzuzug Justin Larouche wurde auf Anhieb zum Leistungsträger und Topskorer des TV Endingen. Nur auf den Handball fokussieren will Larouche aber nicht. Weshalb er in Zürich in einem Burgerrestaurant arbeitet und was er an der Schweiz am meisten schätzt.

Frederic Härri
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48 Tore in zehn Spielen: Justin Larouche (l.) fügt sich blendend ein beim TV Endingen.

48 Tore in zehn Spielen: Justin Larouche (l.) fügt sich blendend ein beim TV Endingen.

Alexander Wagner

Justin Larouche atmet einmal tief durch, als er an das erste Training bei seinem neuen Klub zurückdenkt. Jeder Lauf schmerzte, bei den Sprints hängten ihn gar die beiden Goalies ab. «Das hat an meinem Ego gekratzt», sagt er und lacht. Larouche hatte zwei Monate Lockdown in Frankreich hinter sich, die Intensität war er sich nicht mehr gewohnt.

Inzwischen ist das Fitness-Defizit aufgeholt, und Larouche, der kanadische Neuzuzug aus der zweiten französischen Liga, einer der Besten beim TV Endingen. 48 Tore warf der 25-Jährige in zehn NLA-Spielen, seit dem ersten Spieltag an trägt er das Trikot des Topskorers. Er wird es auch am Samstag gegen die Kadetten Schaffhausen (Anpfiff: 19 Uhr) anbehalten. Das Leibchen, das den Linkshänder optisch von den Kollegen abhebt, mache ihn stolz, sagt Larouche. «Von mir aus darf es aber auch jeder andere im Team tragen.»

Arbeiten gehen und den Sport auch mal vergessen

Larouche ist gewissermassen ein Exot, als erster Kanadier im Schweizer Handball ja fast schon zwangsläufig. Für etwas Besonderes hält er sich deswegen nicht. Larouche will dazu gehören und tut viel dafür – nicht nur auf dem Spielfeld. Frisurentechnisch (rasierte Seiten, das lange Haupthaar zum Dutt gebunden) fügt er sich bereits gut ins hippe Umfeld seiner neuen Wahlheimat Baden ein.

Und im noch etwas hipperen Zürich serviert Larouche seit kurzem frittierte Speisen in einem Burgerrestaurant. Der Job hilft ihm, sich gedanklich auch mal vom Handball zu lösen, wie er sagt. Einfach herumsitzen und auf die Trainings zu warten, ist nichts für ihn. «In Kanada gehört es dazu, dass man hart arbeitet. Ich will es gar nicht anders.»

Im Sommer noch im T-Shirt: Justin Larouche bei einem Treffen mit der AZ im August.

Im Sommer noch im T-Shirt: Justin Larouche bei einem Treffen mit der AZ im August.

Sandra Ardizzone

Fragt man Larouche nach der Schweiz, beginnt er zu erzählen. Das Leben hier gebe ihm viel, sagt er. Er schwärmt von der Natur («wie in Kanada, nur kleiner»), dem Mountainbiken im Sommer, davon, wie er einmal mit Christian Riechsteiner und Milomir Radovanovic auf einem Gummiboot die Limmat runter ist. Sich treiben lassen, drei, vier Stunden lang. Auch das Snowboarden im Winter kann er kaum abwarten. Larouche braucht die Bewegung. Es hilft ihm auch, das Heimweh und die Sehnsucht nach der Familie in Québec zu lindern.

Und ja, auch das mit dem Deutsch komme langsam, meint Larouche. Zweimal pro Woche nimmt er Unterricht. «Inzwischen», sagt Larouche, «reicht es auch für einen Schwatz mit der Kassiererin im Supermarkt.»

Das Heimspiel des TV Endingen gegen Kadetten Schaffhausen wird am Samstag, 14. November, um 19 Uhr angepfiffen. Verfolgen Sie das Spiel in unserem Livestream.

HSC Suhr Aarau gegen Wacker Thun ohne seinen Topskorer

Nach dem Derbysieg beim TV Endingen am Mittwoch geht es für den HSC Suhr Aarau gleich mit dem nächsten Auswärtsspiel weiter. Am Samstag (Anpfiff: 17 Uhr) treffen die Aargauer auf den Tabellensiebten Wacker Thun. Das Hinspiel konnte der HSC deutlich mit 29:14 für sich entscheiden. Dieses Mal muss Trainer Misha Kaufmann aber auf seinen portugiesischen Topskorer Diogo Oliveira verzichten, der sich gegen Endingen eine Verletzung am linken Sprunggelenk zugezogen hat. Fraglich ist auch der Einsatz von Oliveiras Landsmann João Ferraz. (frh)