FC Aarau
Gesperrter Captain – die Chance für Burkis Schattenmänner

Der FC Aarau muss am Montag in Lausanne auf seinen Denker und Lenker verzichten. Captain Sandro Burki ist gesperrt – wer ersetzt ihn?

Ruedi Kuhn
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Michael Perrier, Sven Lüscher und Carlinhos (v.l.) könnten Sandro Burki ersetzen. Doch wer darf?Chris Iseli

Michael Perrier, Sven Lüscher und Carlinhos (v.l.) könnten Sandro Burki ersetzen. Doch wer darf?Chris Iseli

Marco Schällibaum sitzt in seinem kleinen Büro im Brügglifeld. Der Trainer des FC Aarau schaut auf seinen Laptop. Er hat ein Problem. Er grübelt. Mit Captain Sandro Burki ist am nächsten Montag im Spitzenspiel der Challenge League in Lausanne ausgerechnet der Denker und Lenker der Mannschaft gesperrt. «Sandro wird uns fehlen», erklärt Schällibaum. «Als zentraler Mittelfeldspieler ist er für den Zusammenhalt der Mannschaft ein wichtiger Spieler. Seine Leistungen in der Rückrunde sind dank den Erfolgen des Teams während der vergangenen Wochen besser geworden. Auf dem Rasen ist er so etwas wie mein verlängerter Arm. Ich vertraue ihm voll und ganz.»

Und neben dem Spielfeld? Schällibaum zögert keine Sekunde. «Seine Arbeit als Captain macht Sandro vorbildlich», erklärt der Trainer. «Man spürt, dass er dieses Amt seit Jahren ausübt. Er ist pflichtbewusst und hat die Organisation innerhalb des Teams voll im Griff.» Wer aber ersetzt Burki am Montag im Fernsehspiel im weiten Rund des Stade Olympique? Schällibaum lässt sich nur bedingt in die Karten schauen. «Ich habe drei Varianten», sagte er Mitte dieser Woche. «Zwei liegen für mich auf der Hand. Die dritte Variante ist neu. Diese muss ich in den Trainingseinheiten erst einmal probieren.» Und welches sind die drei Varianten? «Das werde ich mit Sicherheit nicht verraten. Darüber spreche ich nicht in der Öffentlichkeit», fügt er hinzu.

Na dann: Beginnen wir an dieser Stelle mit dem grossen Rätselraten! Versetzen wir uns in die Rolle des Trainers: Wer tritt in der Partie gegen den Leader in die Fussstapfen von Burki? Wer nimmt das Heft in der defensiven Aufbaureihe in die Hand? Wer schlüpft in die zentrale Position des Dirigenten vor der Verteidigung?

  • Variante 1: Michael Perrier. Das ist die logische Variante! Der 27-Jährige wechselte im Sommer des vergangenen Jahres für eine Ablösesumme von 80 000 Franken von Sion zum FC Aarau. Er kam mit grossen Vorschusslorbeeren ins Brügglifeld. Perrier ist ein Wadenbeisser, ein kleines Raubein sogar. Er spielte im Verlauf seiner Karriere meist als «Scheibenwischer» vor der Viererabwehrkette, ist also eine typische Nummer 6. Bis jetzt kam Perrier nicht richtig auf Touren. Zur Verunsicherung hat der inzwischen entlassene Trainer Livio Bordoli beigetragen. Er setzte Perrier in der Vorrunde im offensiven Mittelfeld, also in der Position hinter den Spitzen ein. Damit erwies der Trainer dem Spieler einen Bärendienst. Perrier ist alles andere als eine Nummer 10. Perrier ist kein Kreativspieler. Perrier ist ein Wühler, ein Zerstörer. Bekommt erin Lausanne wieder einmal eine Chance von Beginn an?
  • Variante 2: Sven Lüscher. Das ist die romantische Variante! Schliesslich ist Lüscher innerhalb der Mannschaft der engste Vertraute von Sandro Burki. Sentimentalitäten haben im Fussball allerdings keinen Platz. Lüscher ist nicht in Form. Es fehlt ihm an Schnelligkeit, an Power und – nicht zuletzt – an Gefährlichkeit. Früher waren seine ruhenden Bälle gefürchtet. Heute nicht mehr! Vielleicht braucht der 32-Jährige nur ein Erfolgserlebnis, um wieder durchstarten zu können. Ist Lüscher der Mann, der den FC Aarau in Lausanne anstelle von Burki dirigiert?
  • Variante 3: Carlinhos. Das ist die offensive Variante! Der Brasilianer zeigte im Test gegen die Young Boys (1:5) am vorletzten Donnerstag vielversprechende Ansätze. Im Spiel nach vorne setzt der technische starke Dribbelkünstler zweifellos Akzente. Defensiv aber lässt Carlinhos viele Wünsche offen. Er verrichtet zu wenig Drecksarbeit und verliert zu viele Zweikämpfe. Die Rolle als Teamplayer ist ihm fremd. Zählt Carlinhos in Lausanne trotzdem zur Startformation?
Mats Hammerich

Mats Hammerich

Chris Iseli

Bleibt die Variante mit Überraschungseffekt: Vielleicht zaubert Schällibaum einen Spieler aus dem Hut, den keiner erwartet. Es ist Mats Hammerich!

Das 18-jährige Talent trainiert seit kurzer Zeit mit der ersten Mannschaft. Mats Hammerich für Burki im zentralen, defensiven Mittelfeld?

Zugegeben: eine verrückte Variante! Aber warum soll Schällibaum nach dem tollen Rückrundenstart mit dem Gewinn von 17 Punkten aus sieben Spielen nicht mal was riskieren?

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