Challenge League
Für Aaraus Ersatzgoalie Deana bietet sich die Chance zur Wende

Nach dem Platzverweis für Aaraus Torhüter Ulisse Pelloni steht dessen Ersatzmann Steven Deana am Samstag in Chiasso auf dem Prüfstand.

Ruedi Kuhn
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Steven Deana will sich beim FC Aarau nicht mit der Ersatzrolle begnügen.

Steven Deana will sich beim FC Aarau nicht mit der Ersatzrolle begnügen.

Mario Heller

Mal ganz ehrlich, Steven Deana: Haben Sie sich vor der Saison wirklich Hoffnungen gemacht, Stammtorhüter des FC Aarau zu werden? War nicht klar, dass Ulisse Pelloni als Nummer eins gesetzt ist?

Deana ist perplex. «Ich kann diese Fragen nicht verstehen», sagt der 25-Jährige energisch. «Natürlich will ich die Nummer eins sein. Natürlich will ich spielen. Ich bin doch nicht vom FC Sion ins Brügglifeld gekommen, um auf der Ersatzbank zu sitzen.»

Deana kennt keine Halbheiten

Klare Worte. Deana kennt keine Halbheiten. Packt er etwas an, dann richtig. «Ich bin ein sehr ehrgeiziger Mensch und gebe immer Vollgas», sagt er. «Das Spiel in Chiasso ist eine grosse Chance. Für den FC Aarau, weil er den Wiederaufstieg anstrebt und deshalb endlich den ersten Saisonsieg schaffen will. Und für mich, weil ich zeigen möchte, was in mir steckt.»

Vielleicht schafft der Super-League-Absteiger beim überraschenden Leader Chiasso tatsächlich den Turnaround. Nach den Unentschieden gegen Wohlen (1:1) und den FC Wil (0:0) und der blamablen 2:3-Niederlage im Heimspiel gegen Biel steht die Mannschaft von Trainer Livio Bordoli unter Zugzwang.

Für Deana könnte die Partie im Tessin zum Wendepunkt werden. Beim Saisonstart sass der 1,89 Meter grosse und 85 Kilogramm schwere Modellathlet noch auf der Ersatzbank. Torhüter-Trainer Swen König hat nach Absprache mit Cheftrainer Livio Bordoli entschieden, dass Ulisse Pelloni fürs Erste die Nummer eins ist. «Dieser Entscheid tat weh», erklärt Deana. «Aber es ist klar, dass ich das akzeptiere. Aber es ist auch klar, dass ich jederzeit mit einem Einsatz rechne. Ja, ich brenne sogar darauf.»

Auf Augenhöhe mit Pelloni

Deana reagiert auf den Entscheid von Bordoli und König gelassen, ja sogar cool, weist aber gleichzeitig mit Nachdruck darauf hin, dass er während der Vorbereitung den Eindruck hatte, dass er sich mit Pelloni ein Duell auf Augenhöhe liefere. Das Talent hat Deana von Vater Bruno, der beim FC Schaffhausen gespielt hat.

«Ich entschied mich schon als Achtjähriger, Torhüter zu werden», erinnert sich Deana. «Eines Tages schnappte ich mir die Handschuhe und das Goalie-Trikot meines Vaters, ging beim FC Wetzikon ins Junioren-Training und stellte mich gleich selbst ins Tor. Von diesem Augenblick an war klar, dass ich Torhüter bin und Torhüter bleibe.»

Für Deana stand schon frühzeitig fest, dass er Profi werden und Karriere machen will. «Als Bub nahm ich mir Oliver Kahn zum Vorbild», sagt er. «In der Zeit als Junior habe ich den Torhüter von Bayern München sogar richtiggehend vergöttert. Sein grenzenloser Siegeswillen und seine ganz spezielle Ausstrahlung machten auf mich einen grossen Eindruck. Während meiner Karriere», fügt Deana hinzu, «habe ich mir Kahns Einstellung immer wieder vor Augen geführt. Wer so vom Erfolg besessen ist, kann es weit bringen.»

Emotionen beim FC Sion

Steven Deana ist in Schaffhausen geboren und in Wetzikon aufgewachsen. Nach der Schule absolvierte er eine dreijährige Lehre. Die Ausbildung zum Logistik-Assistenten kam einer netten Erfahrung gleich, aber viel wichtiger war der Fussball. Nach der Juniorenzeit in Wetzikon wechselte er zu Winterthur, GC und Vaduz. Von 2010 bis 2015 spielte er für den FC Sion. Bei den Wallisern hat er einen Vertrag bis 2019. Die Aarauer haben ihn für eine Saison ausgeliehen. «An Spannung und Emotionen hat es beim FC Sion nie gefehlt», blickt er lächelnd zurück.

«Schliesslich habe ich während der vergangenen fünf Jahre weit mehr als zwanzig Trainer kommen und gehen sehen.» In der vergangenen Saison war Deana beim Cupsieger hinter dem unantastbaren Andris Vanins die Nummer zwei. Von dieser Rolle hat er genug. Mehr als genug.

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