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Freiämter Ringer in Rücklage: Kommt jetzt der Schulterschluss mit Thalheim?

Trotz des Endes der Medaillenserie für die Ringerstaffel Freiamt sieht Präsident Ralf Bucher keinen Grund, die Vereinsphilosophie zu ändern. Auch in Zukunft soll der Erfolg mit eigenen Ringern angestrebt werden.

Wolfgang Rytz
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Michael Bucher am Boden: Die Freiämter gehen dieses Jahr leer aus.

Michael Bucher am Boden: Die Freiämter gehen dieses Jahr leer aus.

foto-net / Alexander Wagner

Die Ringerstaffel (RS) Freiamt hat in diesem Jahr den Einbruch erlebt, der sich in den letzten zwei bis drei Jahren ankündigte. Deshalb muss sich die Vereinsführung den Vorwurf gefallen lassen, die Zeichen der Zeit nicht erkannt zu haben.

Nebst den Abgängen der Teamstützen Ivan Kron und Reto Bucher fiel Sandro Vollenweider durch eine Kreuzbandoperation lange aus. Weil sich im Sommer auch noch Nico und Christoph Küng schwerwiegend verletzten, war das Ende der 22-jährigen Medaillenserie absehbar.

Trainer Murer unter Druck gesetzt

Dennoch gab Präsident Ralf Bucher vor Saisonbeginn das verwegene Saisonziel «Finalteilnahme» bekannt.

Entsprechend befand sich Trainerneuling Thomas Murer schnell unter Erfolgszwang. Wohl stand die Halbfinalqualifikation nie in Gefahr. Schattdorf und Brunnen waren erneut zu schwach besetzt, um Freiamt in Bedrängnis zu bringen.

Trotzdem zog sich die Schlinge um Murer vor dem Halbfinal zu. Im Umfeld wurde Kritik laut. Präsident Bucher sah sich gezwungen, dem Trainer den Rücken zu stärken.

Die zu krasse Verjüngung der Nationalliga-A-Mannschaft war offensichtlich. Der neue Trainer bezahlte Lehrgeld. Dem Team fehlte nebst der Ausgeglichenheit vor allem die Erfahrung und eine Leaderfigur.

Hokuspokus ohne Ertrag

Trainer und Präsident bekamen vor dem Halbfinal kalte Füsse und griffen tief in die Trickkiste. Aus Schweden flogen sie Dennis Vollenweider ein, reaktivierten «Oldie» Reto Gisler und holten den gealterten bulgarischen Topringer Kiril Sheytanov aus Martigny.

Doch dieser Hokuspokus bewirkte gegen die reife Hergiswiler Meistermannschaft überhaupt nichts, weil Trainer Murer diese Überraschungsformation nicht genügend gut einstellen konnte.

Für den zweiten Halbfinal und den Kampf um Bronze gegen Willisau setzte Freiamt wieder auf sein überdurchschnittlich junges Kader. Dieses war in den letzten drei Kämpfen sichtbar überfordert und verfehlte einen Medaillengewinn haushoch.

«Das ist für uns eine grosse Chance», lautet Ralf Buchers überraschender Kommentar. Der Verein und seine Anhänger seien in den letzten Jahren verwöhnt worden.

Es brauche eine neue Begeisterung. «Eine Bronzemedaille muss wieder als Erfolg gefeiert werden», gibt Trainer Thomas Murer bereits die Vorgabe für nächste Saison.

Neuer Anlauf mit Thalheim

Mit dem Aufstieg von Thalheim rückt die inneraargauische Zusammenarbeit wieder in den Fokus. Diese funktionierte in den letzten Jahren nicht, obwohl beide Vereine profitieren könnten. «An uns lag es bisher nicht. Aber wir nehmen einen neuen Anlauf», verspricht Ralf Bucher.

Thalheim Marc Kirchhofer könnte Freiamt in den oberen Gewichtsklassen wertvoll unterstützen. Im Gegenzug haben die Freiämter genügend Ringer in den mittleren Gewichten, um den NLB-Aufsteiger effizient zu verstärken.

«Aber unsere Philosophie, primär auf die eigenen Kräfte zu setzen, werden wir nicht aufgeben», kündigt Bucher an.

Doch die «Problemzonen» des Vereins, sprich die Lücken in den unteren und oberen Gewichtsklassen, verlangen zumindest eine Korrektur des Transferverhaltens, sonst könnte die Freiämter Medaillenlosigkeit länger als «geplant» andauern.