Ringen
Freiamt schüttelt Willisau wach und gewinnt den Habfinal-Hinkampf

Die Aargauer rissen den Favoriten in den ersten drei Kämpfen mit einer 10:1-Führung aus den Meisterträumen und gewannen schlussendlich verdient, aber dennoch knapp mit 19:17.

Wolfgang Rytz
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Der für Freiamt ringende Andrej Malzew (links) hat den Willisauer Samuel Scherrer im letzten Kampf sicher im Griff.

Der für Freiamt ringende Andrej Malzew (links) hat den Willisauer Samuel Scherrer im letzten Kampf sicher im Griff.

Wolfgang Rytz

Nach dem Warnschuss drei Wochen zuvor in Willisau schaltete Freiamt im Halbfinal-Hinkampf nochmals einen Gang höher. Thomas Wild zerzauste zum Auftakt Timon Zeder 15:0. Dann revanchierte sich Pascal Gurtner gegen Dominik Bossert für die überraschende Niederlage in der Qualifikation. Zwar wankte das Schwingerass. Aber nach der frühen zweiten Verwarnung legte er den Schalter um und sorgte mit zwei Standwürfen für die Differenz und lange Gesichter im Gästelager. Das Freiämter Startfeuerwerk ergänzte Michael Bucher. Der abgehungerte Freistilspezialist dominierte Lukas Bossert im 61er-Greco-Kampf.

Kampfmaschine ohne Wirkung

Nach drei Kämpfen lag der ungeschlagene Meisterschaftsfavorit 1:10 hinten. Willisau wankte, fiel aber nicht. Die Internationalen Marco Riesen, Jonas Bossert und Stefan Reichmuth gaben mit vorzeitigen Siegen Gegensteuer. Freiamts Überraschungscoup bis 80 kg Freistil verpuffte wirkungslos. Sandro Vollenweider, einst gefürchtet als Kampfmaschine, fehlte die Wettkampfpraxis. Er verlor gegen Reichmuth 0:17. So verflüchtigte sich Freiamts 12:6-Pausenführung. Im vorletzten Mattenduell agierte Nico Küng zu passiv.

Das vielgepriesene Talent agierte zu verhalten und verlor 2:6. Schon fast wundersam hatte Willisau vom sechsten bis zum neunten Einzelkampf von 6:12 auf 16:16 ausgeglichen. Die Hoffnungen der Gäste ruhten vor dem abschliessenden Kampf auf Samuel Scherrer. Der 17-jährige Freistilringer traf bis 74 kg Greco auf Nationaltrainer Andrej Malzew. Freiamts Cheftrainer Thomas Murer setzt zwar vermehrt auf Eigengewächse. Aber nach der schweren Knieverletzung von Nicola Küng sah er sich gezwungen, auf den 41-jährigen Ukrainer zurückzugreifen.

Gemischte Gefühle

Der Osteuropäer, ein ehemaliger internationaler Greco-Ringer, bearbeitete den Willisauer Junioren mit aller Konsequenz. Das Luzerner Lager jaulte mehrmals auf, als Malzew Scherrer mit unzimperlichen Griffen attackierte. Der Jungspund bemühte sich um Kampftempo, doch der Oldie diktierte die Gangart. Nur die Gnade des Kampfrichtertrios verhinderte einen vorzeitigen Sieg von Malzews. Nach fünf Minuten und einer 11:0-Führung war die Batterie des Ukrainers leer. Scherrer begrenzte die Punkteniederlage mit verzweifeltem Einsatz. Somit kam Willisau mit einer 17:19-Mannschaftsniederlage gnädig davon.

Freiamts Trainer Murer sprach anschliessend von «gemischten Gefühlen». Sein Team habe einen höheren Sieg verpasst. Auf der Gegenseite zeigte sich Willisaus Präsident Pius Roos keineswegs geknickt: «Da ist noch nichts verloren.»