Kunstturnen
Fischer und Hegi sind die zwei grossen Abwesenden

Am Mittwoch 15. April startet die EM der Kunstturner im franzöischen Montpellier. Die beiden Aargauer Lucas Fischer und Oliver Hegi werden dabei allerdings fehlen.

Fabio Baranzini
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Oliver Hegi wird die EM verpassen.

Oliver Hegi wird die EM verpassen.

KEYSTONE

In der Schweizer Kunstturnszene sind die Aargauer Spitzenturner eine feste Grösse. In der Vergangenheit haben vor allem Lucas Fischer (EM-Silber am Barren 2013) und Oliver Hegi (EM-Vierter am Reck 2014) bewiesen, dass sie selbst mit der absoluten Weltspitze mithalten können. Doch beim heute beginnenden Gipfeltreffen der europäischen Kunstturner in Montpellier ist keiner der beiden mit dabei.

Bei Lucas Fischer ist es – wie in den letzten Jahren allzu oft – eine Verletzung, die dem 24-jährigen Barrenspezialisten aus Möriken einen Strich durch die Rechnung macht. Fischer kämpft noch immer mit den Folgen der komplizierten Knorpeloperation am Knie, der er sich vor rund einem Jahr unterziehen musste.

«Ich kann am Barren zwar bereits wieder alle Übungen turnen, die ich vor meiner Verletzung drauf hatte, aber mein Knie hält der Belastung bei der Landung eines normalen Abgangs noch nicht stand», sagt Fischer. Bereits vor gut einem Monat war daher klar, dass er auf die EM verzichten muss.

Zu grosser Rückstand

«Natürlich ist es nicht einfach, dass ich wieder einen Grossanlass verpasse, aber es ist besser so. Wenn ich langfristig gesund sein will, muss ich einen perfekten Aufbau absolvieren und dafür kam die EM schlicht zu früh.» Wann Lucas Fischer seinen ersten Wettkampf nach der Verletzungspause bestreiten wird, ist noch nicht entschieden.

Die Gespräche mit dem Arzt im Verlauf der nächsten Wochen sollen diesbezüglich Klarheit schaffen. Dafür zeichnet sich immer klarer ab, dass Fischer in Zukunft nur noch am Barren turnen wird. «Es ist noch nicht in Stein gemeisselt, aber ich tendiere dazu, künftig nur noch am Barren anzutreten. Ich habe vier Jahre lang an keinem anderen Gerät mehr trainiert und die Weltspitze ist derart stark, dass ich diesen Rückstand wohl kaum mehr aufholen kann», erklärt Fischer.

Im Gegensatz zu Fischer nahm der 22-jährige Oliver Hegi an den internen Qualifikations-Wettkämpfen für die EM teil. Dass er sich trotzdem nicht für die Titelkämpfe qualifizieren konnte, mag im ersten Moment überraschen, gehört der Reckspezialist aus Schafisheim doch zu den erfahrensten Turnern im Schweizer Team.

Hegi hadert nicht

Doch für seine Nicht-Selektion gibt es einen einfachen Grund: Hegi hatte mit Schulterproblemen – ein kleiner Anriss in der Bizepssehne – zu kämpfen und konnte deswegen mehrere Wochen nur sehr reduziert trainieren. Entsprechend lief es ihm bei den Qualifikationswettkämpfen nicht nach Wunsch. «Wenn ich ehrlich bin, habe ich damit gerechnet, dass es nicht für die EM reicht. Am Barren und am Reck konnte ich nur gerade zwei Wochen trainieren», so Hegi. Einzig am Pferd hatte er sich Chancen ausgerechnet, doch auch in dieser Disziplin hat es nicht gereicht.

Dass er nach diesen Leistungen nicht für die EM selektioniert wurde, ist für Hegi verständlich. «Der Entscheid des Verbandes ist absolut richtig. Ich hätte es nicht fair gefunden, wenn ich nach diesen Leistungen in der Qualifikation aufgeboten worden wäre, nur weil ich an der letzten EM Vierter geworden bin», sagt Hegi.

Genau wie für Lucas Fischer steht auch für Oliver Hegi eine längere Aufbauphase an. Bei Hegi jedoch nicht wegen der Verletzung – er kann bereits wieder schmerzfrei trainieren – sondern wegen den Maturaprüfungen, die er im Mai absolvieren wird. «Während der Prüfungsphase werde ich keine Wettkämpfe bestreiten, aber intensiv an neuen Übungen arbeiten. Ich konzentriere mich voll auf die WM-Qualifikationswettkämpfe im September», so Hegi. Und wer weiss, vielleicht gehört dann ja auch Lucas Fischer wieder zu seinen Konkurrenten.

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