Schwimmen
Federico Salghetti-Drioli darf an die Junioren-WM und hat ein klares Ziel: «Ich will in die Top 16»

WM-Premiere für den Aargauer Federico Salghetti-Drioli vom Schwimmklub Aarefisch. An der Junioren-WM im Open Water in Israel darf sich der 17-Jährige mit den Besten seines Jahrganges messen.

Natasha Hähni
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Nachwuchstalent Federico Salghetti-Drioli wurde dieses Jahr erstmals für die Junioren-Freiwasser-WM über 10 km selektioniert.

Nachwuchstalent Federico Salghetti-Drioli wurde dieses Jahr erstmals für die Junioren-Freiwasser-WM über 10 km selektioniert.

Sandra Ardizzone

Wenn andere 17-Jährige am Wochenende einen draufmachen, ist er schon lange im Bett. Wenn sie am Morgen darauf ausschlafen, trainiert er bereits im Schwimmbecken. Doch während Gleichaltrige nächste Woche die Schulbank drücken werden, wird dieser junge Mann in Israel die Schweiz vertreten.

Federico Salghetti-Drioli wurde dieses Jahr erstmals für die Open-Water Juniorenweltmeisterschaft selektioniert. In der Hafenstadt Eilat wird er sich vom 6. bis 8. September über 10 Kilometer im Roten Meer mit den besten Schwimmern seines Jahrganges messen. Sein Ziel? «Ich will in die Top 16.»

Ganz schön ehrgeizig, wenn man bedenkt, dass der Buchser des Schwimmklubs Aarefisch gar nicht mit einer Nominierung gerechnet hat. «Dieses Jahr war mein Ziel, einfach vorne dabei zu sein. Dass es jetzt bereits mit der WM geklappt hat, ist immer noch ein bisschen surreal für mich», erzählt er mit einem Strahlen im Gesicht. Den Bescheid erhielt er kurz nach der EM in Malta.

Was neben der Vorfreude aber auch ein weiteres Mal ein Verzicht auf Urlaub bedeutete. «Ich denke, ich habe seit rund vier Jahren keine Ferien mehr gemacht», so Salghetti-Drioli. Ein Problem hat er damit aber nicht, im Gegenteil: «Wenn ich eine Woche Ferien machen würde, würde ich mich wie ein Sack Kartoffeln fühlen», witzelt das Nachwuchstalent.

Adrenalinkick und Technik

Eine gute Einstellung, in Israel wird er nämlich 10 Kilometer auf Zeit schwimmen – und das im Meer. Wie das durchzuhalten ist, weiss nicht mal er genau: «Ich denke, es ist der Adrenalinkick, der einen weitermachen lässt.» Das und viel Technik. «Auf so langen Strecken benutzen wir die Beine erst auf dem letzten Kilometer, sonst würden wir zu viel Energie brauchen», erklärt er.

Eine Technik, die dem Kantischüler gelegen kommt. Im Gespräch mit der AZ geht er nämlich an Krücken. «Gestern ist mir mein Roller aufs Knie gefallen. Heute muss ich es röntgen. Bis Dienstag ist das aber wieder in Ordnung», ist sich der bald 18-Jährige sicher.

Federico Salghetti-Drioli Der 17-jährige Federico Salghetti aus Buchs reist im September an die Junioren-WM in Israel, wo er im Langstreckenschwimmen (10km) antreten wird. Fotografiert im Schwimmbad Schachen in Aarau.

Federico Salghetti-Drioli Der 17-jährige Federico Salghetti aus Buchs reist im September an die Junioren-WM in Israel, wo er im Langstreckenschwimmen (10km) antreten wird. Fotografiert im Schwimmbad Schachen in Aarau.

Sandra Ardizzone

Dann soll es nämlich losgehen Richtung Israel. Die Vorfreude ist Salghetti-Drioli ins Gesicht geschrieben. «Am meisten freue ich mich auf den Moment, wenn mein Name aufgerufen wird und ich mit dem Schweizer Dress nach vorne laufen darf. Dann verspüre ich enorm viel Stolz.»

Seine Familie wird ihn dieses Mal nicht begleiten können. «In Malta waren aber alle dabei. Meine Familie unterstützt mich, seit ich vor zehn Jahren angefangen habe.» Eine teure Angelegenheit.

Nach eigenen Angaben kostet die Leidenschaft des Nachwuchstalents rund 15 000 Franken im Jahr. Kosten, die die Familie selber übernimmt. «Je besser man in diesem Sport ist, desto teurer wird es.» 2022 will Salghetti-Drioli an den Olympischen Spielen Tokio im Open Water antreten. Aus diesem Grund ist er ständig auf der Suche nach Sponsoren.

Mit gebrochener Nase ins Ziel

Was fasziniert das Jungtalent eigentlich an Wettkämpfen in Naturgewässern? «Die Stimmung an Open-Water- Rennen ist einfach viel entspannter. Die Leute sind freundlicher. Am Pool laufen alle mit Kopfhörern herum und sind fokussiert auf das Rennen.» Die lockere Stimmung gelte aber nur, solange man nicht im Wasser ist.

Anders als im Schwimmbecken gibt es in Naturgewässern nämlich keine Bahnen und somit Körperkontakt, wie Salghetti-Drioli im vergangenen Jahr am eigenen Leib erfahren musste: «An einem Rennen in Italien hat mir ein Konkurrent mit seinem Ellbogen die Nase gebrochen. Das hat dann ziemlich geblutet.»

Aufhören kam für den ambitionierten Schwimmer aber nicht infrage. Sein Ehrgeiz hat Salghetti-Drioli an den Schweizer Meisterschaften letzte Woche bereits drei Goldmedaillen eingebracht und wird ihn an seiner ersten WM bestimmt auch weit bringen.