Stromausfall im Brügglifeld

FC-Aarau-Präsident Schmid: «Manipulation kann ich ausschliessen – 100'000 Franken Schaden»

Aarau-Präsident Alfred Schmid wäre enttäuscht, würde das Spiel gegen den FC Zürich nicht wiederholt. (Archiv)

Aarau-Präsident Alfred Schmid wäre enttäuscht, würde das Spiel gegen den FC Zürich nicht wiederholt. (Archiv)

Alfred Schmid, der Präsident des FC Aarau, sagt im Interview, warum der FC Aarau keine Schuld an den Stromausfällen im Brügglifeld trägt – und wie er auf eine Forfait-Niederlage reagieren würde.

Alfred Schmid, sind Sie verärgert? Sind Sie frustriert?

Alfred Schmid: Mir tut es vor allem leid für die angereisten Fans. Die Stimmung im Stadion Brügglifeld vor dem Anpfiff war ausgezeichnet. Dann passiert etwas völlig Unvorhergesehenes. Etwas, das nun wirklich überall passieren kann. Unlängst gab es auch in Zürich einen grösseren Stromausfall. Teile der Stadt waren während mehrerer Stunden ohne Strom.

Noch einmal: Sind Sie verärgert? Sind Sie frustriert?

Ein wenig schon. Der FC Aarau hat einen riesigen Aufwand betrieben. Statt einem Fussballfest haben wir jetzt aber viele Probleme und vor allem viel Arbeit. Und das für nichts. Das Ganze geht auch ins Geld. Der finanzielle Schaden ist für unsere Verhältnisse sehr gross.

Wie gross ist der finanzielle Schaden für den FC Aarau?

Der Schaden beträgt in etwa rund 100'000 Franken. Da sind einerseits die Kosten für die Sicherheit, anderseits die Personalkosten des FC Aarau. Ausserdem haben wir uns gleich nach dem Abbruch entschieden, den Stehplatz-Zuschauern die Tickets zurückzuvergüten. Das sind rund 2600 Zuschauer, die im Durchschnitt 20 Franken bezahlen. Dieses Geld werden wir zurückzahlen.

Lichterlöschen beim FC Aarau:

Lichterlöschen beim FC Aarau Match

Der Moment, in dem die Scheinwerfer im Brügglifeld zum zweiten Mal ihren Dienst einstellten.

Das ist bitter. Sie haben also allen Grund, verärgert zu sein. Kommt hinzu, dass sich der FC Aarau mit den zwei Stromausfällen im Spiel gegen den FC Zürich im Brügglifeld zum Gespött der Fussballschweiz gemacht hat. Und Sie als Präsident sind mittendrin und müssen die Suppe auslöffeln.

Das sehe ich nicht so dramatisch wie Sie. Noch einmal: Ein solcher Stromausfall kann wirklich jederzeit und überall passieren. Wenn man unter Zeitdruck steht und innert einer halben Stunde die Stromversorgung gewährleisten muss, ist es schwierig, eine Reparatur erfolgreich durchzuführen.

Aber Sie geben zu, dass die Vorfälle vor und während des Spiels gegen den FC Zürich peinlich sind.

Nein, das sehe ich auch nicht so wie Sie. Ich habe Ihnen schon mal gesagt, dass ein solcher Stromausfall überall passieren kann. Ich erinnere an das Spiel zwischen St. Gallen und Basel im März 2002. Da gab es im Espenmoos ebenfalls einen Stromausfall. Und das Spiel wurde wiederholt. Wichtig ist, dass man bei solch unvorhersehbaren Vorfällen gut organisiert ist. Der FC Aarau war das. Ich muss der Polizei und der Securitas ein Kränzchen winden. Sie haben trotz der Dunkelheit sehr gute Arbeit geleistet und dafür gesorgt, dass niemand zu Schaden gekommen ist. Es gab keine Schlägereien und auch keine verletzten Personen.

Die Stromausfälle im Brügglifeld hautnah miterlebt:

Die Stromausfälle im Brügglifeld hautnah miterlebt

Kurz vor Anpfiff der Partie FC Aarau - FC Zürich geht im Brügglifeld das Licht aus. Es ist stockfinster. Nach rund 30 Minuten sind alle Scheinwerfer wieder an – doch nicht für lange.

Haben Sie eine Erklärung für die Stromausfälle? Was ist passiert?

Fachleute werden das in den nächsten Tagen genau untersuchen. Sie werden überprüfen, warum es eine Überlastung der Sicherungen in der Trafostation im Brügglifeld gab. Für mich ist wichtig, zu sagen, dass der FC Aarau und seine Mitarbeiter keinen Zutritt zu dieser Trafostation haben. Da hat mit Ausnahme der Leute vom zuständigen Elektrizitätswerk niemand Zutritt. Weil das so ist, kann ich auch jegliche Manipulation ausschliessen.

Ist es tatsächlich so, dass Sie als gelernter Elektriker beim ersten Stromausfall als Retter in der Not in Erscheinung traten?

Das ist übertrieben. Ich habe in den vergangenen zehn Jahren als Präsident die Infrastruktur im Brügglifeld kennen lernen dürfen. Und das ist auch der Grund, warum ich beim ersten Stromausfall zufällig nahe bei den elektrischen Installationen war und dem Pikett-Monteur von der IBA helfen konnte. Zusammen haben wir Messungen vom Strom durchgeführt. Und dann kamen wir zum Schluss, dass in der Trafostation ein gröberer Fehler vorliegt. Der Mann von der IBA hat sofort reagiert und zwei Kollegen von der Hochspannung avisiert. Sie hatten Zutritt zur Trafostation und konnten den Schaden beheben. Aber leider nur für kurze Zeit.

Blackout im Brügglifeld – Reaktionen von Club-Verantwortlichen, Schiedsrichtern und Fussballfans.

Blackout im Brügglifeld – Reaktionen von Club-Verantwortlichen, Schiedsrichtern und Fussballfans.

(14.3.2017)

Was dachten Sie nach dem zweiten Stromausfall und dem folgenden Abbruch des Spiels? Was ging Ihnen durch den Kopf?

Ich war enttäuscht. Ich begriff aber sofort, dass jetzt die Sicherheit aller Anwesenden im Brügglifeld im Vordergrund stand. So gesehen konnte ich den Abbruch nachvollziehen, ja sogar unterstützen. Mir tut es leid für alle Anwesenden.

Waren Sie erstaunt, wie ruhig sich die Fans des FC Aarau und des FC Zürich verhielten?

Da muss ich vor allem den angereisten Fans des FC Zürich ein Kompliment machen. Dass sie trotz der Enttäuschung des Spielabbruchs den Anweisungen der Polizei und Securitas Folge geleistet haben, ist grossartig. Auch unsere Fans, die bis 21.15 Uhr im Stadion ausharren mussten, verhielten sich sehr gut.

Die Bilder zum Stromausfall im Brügglifeld:

Sie haben die Rückvergütung der Stehplatz-Tickets schon erwähnt. Das ist sehr grosszügig vom FC Aarau, denn das müssten Sie eigentlich nicht.

Ich finde diese Entscheidung insofern richtig, als dass wenn man für etwas bezahlt, auch eine Leistung bekommt. Aber es steht natürlich jedem frei, das Geld einzufordern. Wir danken im Voraus allen, die das Geld nicht zurückfordern.

Nun liegt der Fall in den Händen der Swiss Football League: Wie läuft das ganze Verfahren ab?

Die Liga wird den Rapport des Schiedsrichters analysieren. Dann muss auch der FC Aarau eine Stellungnahme abgeben. Erst dann wird die Liga entscheiden.

Wann rechnen Sie mit dem Entscheid der Liga?

So, wie es jetzt aussieht, gehe ich davon aus, dass der Entscheid erst Anfang nächster Woche fallen wird.

Wie wird die Liga entscheiden?

Es gibt nur zwei Möglichkeiten. Entweder gibt es ein Wiederholungsspiel oder es gibt eine 0:3-Forfait-Niederlage.

Was denken Sie?

Ich glaube, dass die Liga auf ein Wiederholungsspiel entscheiden wird. Einfach deshalb, weil ein solches Szenario jedem Fussballklub passieren kann. Man kann doch den FC Aarau für einen solchen Vorfall nicht verantwortlich machen. Der FC Aarau und der FC Zürich wollen Fussball spielen. Und das nicht nur 27 Sekunden. Ich bin der Meinung, dass ein Fussballspiel sportlich und nicht durch höhere Gewalt entschieden werden muss.

Wie würden Sie auf eine Forfait-Niederlage reagieren?

Ich wäre enttäuscht. Und es wäre gegenüber der Meisterschaft unverständlich. Es wäre eine Wettbewerbsverzerrung.

Sind die leidigen Vorfälle im Brügglifeld nicht auch ein Beleg dafür, wie dringend notwendig das neue Stadion ist?

Natürlich. Das Brügglifeld hat eine veraltete Infrastruktur. Spiele in diesem Stadion zu organisieren, ist schwierig und mit einem Mehraufwand verbunden. Für die Zukunft des FC Aarau gibt es deshalb nur eines: Ein neues Stadion!

«Ein solcher Stromausfall kann überall passieren: Unlängst gab es auch in Zürich einen. Teile der Stadt waren während mehrerer Stunden ohne Strom.»

Alfred Schmid, FCA-Präsident

«Ein solcher Stromausfall kann überall passieren: Unlängst gab es auch in Zürich einen. Teile der Stadt waren während mehrerer Stunden ohne Strom.»

Gibt es News zum Baubeginn?

Nein. Bis jetzt habe ich nichts Konkretes gehört. Der Verwaltungsrat hält sich aber stets auf dem neusten Stand. Ich bin trotzdem überzeugt, dass wir im Frühling 2018 den Spatenstich erleben werden.

Würden Sie darauf eine Wette eingehen?

Nein. Ich bin kein Wettfreak. Das Thema ist ausserdem viel zu ernst, um eine Wette einzugehen.

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Autor

Ruedi Kuhn

Ruedi Kuhn

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