Judo
Europameisterin mit «falschem» Dialekt

Stephanie Egger aus Brugg ist die beste U23-Kämpferin Europas. Nun hat sie gute Chancen auf eine Nomination zum «Aargauer Sportler des Jahres». Judo

Rainer Sommerhalder
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U23-Europameisterin Steffanie Egger aus Brugg

U23-Europameisterin Steffanie Egger aus Brugg

Brugg ist das Mekka des Judosports. Das wissen wir nicht erst seit dem letzten Wochenende, als die Brugger Mannschaft zum achten Mal seit dem Jahr 2000 den Schweizer Titel gewann. Hochüberlegen, ohne einzige Niederlage im Final notabene. Dank dem nationalen Stützpunkt in der Mülimatt darf der Aargau nun sogar behaupten, das allererste EM-Gold der Kategorie U23 in der Geschichte des Schweizer Judoverbandes gewonnen zu haben. Die einzigen Abstriche muss sich Neo-Aargauerin und Neo-Europameisterin Stephanie Egger beim Dialekt gefallen lassen. «Die kommt ja aus dem Ostblock», sagt ein Kollege, als er die 22-Jährige aus dem St. Galler Rheintal beim Interview hört. Rassismus im Kleinformat.

In Berneck, wo sie aufgewachsen ist, wohnt die grösste Schweizer Judohoffnung der Frauen allerdings schon lange nicht mehr. Mit 15 Jahren zog sie aus, um in Magglingen ihre Karriere zu lancieren. Dort trainierte Egger im nationalen Leistungszentrum zusammen mit Sergej Aschwanden und anderen. In Biel schloss sie im Frühjahr auch erfolgreich das Gymnasium ab. Seit dem Juni wohnt sie in Brugg, zügelte quasi als Zugabe zum Leistungsportzentrum in den Aargau. In Zukunft möchte sich die kräftige Frau als Judo-Profi versuchen. «Dank der Unterstützung durch die Eltern und die Sporthilfe sowie den Erfolgsprämien des Verbandes kann ich mir das knapp leisten», sagt die «Aargauer Ostschweizerin». Ein EM-Titel hilft diesbezüglich natürlich mit.

Europameisterin wurde Egger Ende November in Sarajewo in der Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm. Betreut hat sie übrigens der U23-Nationaltrainer und langjährige Brugger Teamkämpfer Ran Grünenfelder. In den Final kämpfte sich Egger mit drei knappen Erfolgen gegen eine polnische, lettische und türkische Kontrahentin. Im Duell um Gold gegen die Deutsche Laura Vargas agierte die Schweizerin von Beginn weg sehr offensiv und liess ihrer Gegnerin keine Chance. Mit einer wunderschönen Ippon-Wertung legte Stephanie Egger Vargas «flach» und holte den Titel.

Der Erfolg ist umso bemerkenswerter, weil die 22-Jährige erst in diesem Jahr nach einer 20-monatigen Verletzungspause ihr Comeback feierte. Sie hat zweifellos das Potenzial, um weitere internationale Siege folgen zu lassen. Und sollte es mit der grossen Sportkarriere trotzdem nicht klappen, so sorgt Stephanie Egger bereits vor. Damit der Alltag nicht zu eintönig wird, belegt sie Kurse für ein Fernstudium in Psychologie. In diese Richtung soll es später beruflich auch gehen. Vorerst aber will Stephanie Egger mit handfesten Argumenten überzeugen.

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