Regio League
«Es ist schwierig, das Team bei Laune zu halten»: So steht es um die Aargauer Spitzenvereine nach dem Unterbruch

Seit Mittwoch ist für die beiden besten Aargauer Eishockey-Teams klar, dass die Saison vorübergehend unterbrochen wird. Auch ein normales Eistraining ist den Mannschaften untersagt. Doch einfach Abwarten ist für beide Vereine keine Option.

Nik Dömer
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Ein normales Training ist den Argovia Stars derzeit untersagt.

Ein normales Training ist den Argovia Stars derzeit untersagt.

Severin Bigler

Die Lichter in der Keba sowie in der Kunsteisbahn Oberwynental werden vorübergehend gelöscht. Denn seit Mittwoch ist klar, dass die beiden Aargauer Amateurvereine Argovia Stars und Red Lions Reinach aus der 1. Liga weder Spiele noch einen normalen Trainingsbetrieb bestreiten dürfen. Kontaktsportarten auf Amateurstufe sind in der gesamten Schweiz untersagt.

Kontaktsport auf Amateurstufe ist vorübergehend in der Schweiz untersagt.

Kontaktsport auf Amateurstufe ist vorübergehend in der Schweiz untersagt.

Andy Müller

Unmut bei Reinach hält sich in Grenzen

«Die ganze Situation ist demoralisierend. Ich denke, wir werden wohl kaum vor Januar wieder ein normales Training abhalten können. Dafür sind die Zahlen einfach zu hoch», betont Raphael Zahner.

Der Coach der Red Lions Reinach kam am Wochenende mit seiner Mannschaft gerade aus einer 10-tägigen Quarantäne. Doch die Freude darüber hielt nur kurz, denn wenige Tage später untersagte der Bundesrat Kontaktsportarten auf Amateurstufe: «Auch wenn wir gerade turbulente Zeiten hinter uns haben, hält sich der Unmut in Grenzen. Ich merke, die meisten Jungs im Team haben gerade andere Sorgen als Eishockey.»

Raphael Zahner befand sich bis vergangenes Wochenende mit seiner Mannschaft in Quarantäne.

Raphael Zahner befand sich bis vergangenes Wochenende mit seiner Mannschaft in Quarantäne.

Andy Müller

Nun hofft Zahner auf klare Kommunikation von Seiten des Verbands: «Die Teams brauchen Planungssicherheiten. Wir müssen jetzt schauen, dass die Liga nicht kaputt geht. Es gab bereits Mannschaften, die keine vernünftige Vorbereitung machen konnten. Ich hoffe, dass es im Falle eines Abbruchs zu keiner Wertung kommt. Das wäre nicht fair.»

Generell rechnet der Coach nicht mehr damit, dass die Saison regulär zu Ende gebracht werden kann. «Ich hoffe einfach, dass wir noch ein paar Spiele vor der Sommerpause absolvieren können. Schlussendlich ist Eishockey spielen unsere Passion. Es wäre enorm bitter, wenn uns bereits jetzt 10 Monate Sommerpause bevorstehen.»

Abwarten und Tee trinken ist für die Red Lions jedoch keine Option. Im Gegenteil, da die Eishalle in Reinach bis auf weiteres offen bleibt, möchte der Trainer mit seiner Mannschaft in kleinen Gruppen mit maximal 15 Personen aufs Eis und dort ausschliesslich Skills-Training absolvieren. Sprich, den Kontakt vermeiden.

Grosse Leere bei den Argovia Stars

Gleiches haben auch die Argovia Stars vor. Allerdings ist in Aarau noch unklar, ob die Keba offen bleibt. «Ich möchte noch gar nicht daran denken, was wir machen werden, wenn wir gar nicht mehr in die Halle gehen dürfen. Als Hockeyspieler ist es einfach schwierig, wenn der Kontakt zum Eis fehlt», erklärt Roger Gerber.

Für den Trainer der Argovia Stars gilt es nun, die Enttäuschung über den Saison-Unterbruch so schnell wie möglich zu verdauen: «Ich bin ein sehr positiv denkender Mensch, vielleicht war ich etwas zu optimistisch. Ich habe bis zuletzt gehofft, dass es irgendwie weitergeht.»

Stars-Coach Roger Gerber war bis zuletzt optimistisch, dass weitergespielt werden kann.

Stars-Coach Roger Gerber war bis zuletzt optimistisch, dass weitergespielt werden kann.

Severin Bigler

Nun breche alles von 100 auf 0 zusammen: «Das ist extrem. Wir sind pro Woche bis zu fünf Tage auf dem Eis. Insbesondere in dieser verzwickten Saison haben wir sehr viel Effort geleistet und konnten uns dafür sportlich auch belohnen. Dieses erarbeitete Momentum geht nun verloren. Ehrlich gesagt, verursacht das bei mir und meinem Team schon eine grosse Leere. Es ist schwierig, das Team bei Laune zu halten.»

Dennoch möchte Gerber auch betonen, dass er durchaus Verständnis für die verschärften Massnahmen hat: «Es ist uns allen klar, dass es gerade Wichtigeres als Eishockey gibt. Aber wenn man als Amateursportler viel investiert und dann plötzlich keine Wettkämpfe bestreiten darf, dann ist ein gewisse Enttäuschung ganz normal.»

Gerber hofft darauf, dass die Saison zu Beginn des nächsten Jahres irgendwie zu Ende gebracht werden kann. Als Zweitplatzierter hat er und sein Team auch allen Grund dazu, einem Restart bei entspannter Corona-Lage entgegenzufiebern.