Kunstturnen
«Es fühlt sich alles so unecht an»

Die 17-jährige Villnacherin Jessica Diacci startet am Samstag in Tokio erstmals an einer Weltmeisterschaft. Am wichtigsten sind für sie souveräne und fehlerfreie Übungen an allen Geräten.

Melanie Wirz
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Jessica Diacci in ihrem Element. az

Jessica Diacci in ihrem Element. az

Solothurner Zeitung

Wenn der Wecker klingelt und Jessica Diacci aufwacht, fragt sie sich häufig, wann denn dieser Traum vorbei ist. Doch was die Villnacherin zurzeit erlebt, ist kein Traum – es ist ihr wahres Leben. Zum ersten Mal in ihrer noch jungen Karriere reiste die 17-Jährige am letzten Freitag mit der Schweizer Delegation an eine Weltmeisterschaft. «Ich kann gar nicht glauben, dass ich in Japan dabei sein darf», sagt die junge Sportlerin mit einem riesigen Lachen im Gesicht und fügt hinzu: «Es fühlt sich alles noch so unecht an.» Ein Traum also, der in Erfüllung geht.

Diacci, die bei der Kutu Obersiggenthal trainiert, hat sich eine genaue Zielsetzung erspart. Am wichtigsten sind für sie souveräne und fehlerfreie Übungen an allen Geräten. Die Erwartungen des Verbands hingegen sind klar: In der Teamwertung, für die alle Teilnehmerinnen ihre eigenen Interessen in den Hintergrund stellen müssen, wird mit Rang 16 ein hohes Ziel angestrebt. Ein Ziel, das die Schweizer Turnerinnen näher an den Traum einer Olympia-Teilnahme bringen soll.

Die Teams, die zu den acht Besten gehören, bekommen eine direkte Fahrkarte nach London. Diejenigen, die auf den Plätzen 9 bis 16 landen, werden im Januar eine weitere Möglichkeit haben, sich für die Sommerspiele zu qualifizieren. «Der 16. Platz ist für uns machbar. Die Chance, uns mit guten Leistungen an der Weltmeisterschaft zu qualifizieren, werden wir auf jeden Fall nutzen. Dafür haben wir in der Vorbereitung hart trainiert», so die Handelsschülerin.

Das Mami servierte im Flugzeug

Diacci will mit ihren Paradedisziplinen dem Balken und dem Bodenturnen gute Noten für das Team holen. Das dürfte ihr auch gelingen. Spätestens seit den Europameisterschaften in diesem Jahr in Berlin gilt sie als souveräne Turnerin, bei der man sich keine Sorge um Stürze machen muss.

Es ist eine grosse Reise, welche die junge Turnerin letzten Freitag antrat – jedoch nicht ohne Support. Ihre Mutter flog mit der ganzen Delegation nach Tokio. «Sie musste mitfliegen, weil sie Flight Attendant ist», schmunzelt Diacci. Berufes wegen flog ihre Mutter also auch wieder zurück. Pünktlich zum Wettkampfbeginn ist sie allerdings wieder vor Ort. «Meine Familie fliegt nach Tokio, um meine Übungen zu sehen und für mich da zu sein», so Diacci. «Und wenn die Wettkämpfe vorbei sind, haben wir sogar noch Zeit, etwas mehr von Tokio zu sehen. Darauf freue ich mich sehr.»