2. Liga
Ein Hauch von Drama – so hitzig verlief das Spitzenduell zwischen Mutschellen und Lenzburg

Samstagabend – Primetime, Sportzentrum Burkertsmatt: Das 2.Liga-Spitzenspiel zwischen dem FC Mutschellen und dem FC Lenzburg steht an. Verlieren will hier keiner, die Partie verspricht viel Dramatik und wird dabei den Erwartungen mehr als gerecht.

Nik Dömer
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Zweitbester Torschütze der Liga: Fidan Tafa verbucht im Schnitt ein Treffer pro Spiel.

Zweitbester Torschütze der Liga: Fidan Tafa verbucht im Schnitt ein Treffer pro Spiel.

Gerry Frei

Es liegt ein Hauch Sensation in der Luft an diesem Samstagabend. Schalke hat soeben Tabellenführer Leipzig mit 3:1 aus dem eigenen Stadion gefegt. Doch grosse Fussball-Bühnen - wie die Bundesliga - interessieren in Widen beim Sportzentrum Burkertsmatt zurzeit niemanden.

Zumindest in diesem Moment nicht. Schliesslich steht auf dem idyllischen Platz umgeben von viel Natur ein regionales Spitzenspiel in der 2.Liga an. Gastgeber und Ligazweiter FC Mutschellen trifft auf den Leader aus Lenzburg. Rund 200 Zuschauer stehen ausgerüstet mit Bier und Wurst in der Hand auf der Tribüne und sind heiss auf etwas Zauber aus der besten Amateurliga des Kanton Aargau.

Es ist angerichtet: Beim Sportzentrum Burkertsmatt kämpfen Lenzburg und Mutschellen um die Tabellenspitze.

Es ist angerichtet: Beim Sportzentrum Burkertsmatt kämpfen Lenzburg und Mutschellen um die Tabellenspitze.

chmedia

«Fidan braucht wenig Chancen»

Heiss ist vor allem auch die Lenzburger Nummer 21 auf der Neuner-Position Fidan Tafa. Der 30-jährige Kosovare ballert sich durch die Liga. Mit sieben Treffer in sieben Partien ist er zweitbester Torschütze der aktuellen Spielzeit. «Fidan ist immer anspielbar und braucht wenig Chancen», lobt ihn sein Coach Emilio Munera.

Es verwundert also keinen, dass eben dieser Tafa loslegt wie die Feuerwehr. Bereits nach einer Minute zwingt er Mutschellen-Goalie Fabian Riesen per Kopfball zu einer Riesenparade.

Lenzburg dominiert in der Startphase das Geschehen, doch plötzlich droht das Momentum zu kippen. Aus dem Nichts geht Mutschellen per Kopfballtor in Führung – vermeintlich. Der Linienrichter will ein Offside gesehen haben. Die Gastgeber haben nur wenig Verständnis für diese Entscheidung.

Lenzburg erwischt den besseren Start in die Partie.

Lenzburg erwischt den besseren Start in die Partie.

Gerry Frei

Der Schiedsrichter sorgt anschliessend mit seinen Entscheidungen immer wieder für Kopfschütteln, was ihm alle Beteiligten auch lautstark zu Wissen geben.

Man merkt, es geht um viel in dieser Partie. Lenzburg könnte sich mit 5 Punkte Vorsprung an der Spitze absetzen. Ein Traumszenario der Gäste, dass durch Tafa in der 27. Minute näher rückt. Geschickt lässt er sich im Zweikampf mit Keeper Riesen fallen und holt einen Elfer raus. Dass ihn der Knipser mit seiner Verfassung gleich selber verwertet, fast schon selbstverständlich.

Kochende Gemüter

Führung für Lenzburg, auch Sportchef Carmine Viceconte freuts: «Fidan erhält von mir eine gute Torprämie, darum trifft er so oft», scherzt er am Spielfeldrand.

Lange hat er allerdings nicht zu Lachen. Knapp eine Minute vor dem Pausentee sorgt Kevin Kempter für den etwas glücklichen Ausgleich. Er profitiert nach einem individuellen Fehler in Lenzburgs Verteidigung.

Für die Gäste ist der Fall klar, Kempter soll im Abseits gestanden haben, doch der Schiri hält an seiner Meinung fest.

Als er dann nur wenige Sekunden später nach einem groben Foul zur Halbzeit bittet, ohne dass der Freistoss noch ausgeführt werden darf, erhitzen sich die Gemüter zusätzlich. Mutschellen-Trainer Sergio Colacino kriegt sich für kurze Zeit nicht mehr ein und sieht dafür die gelbe Karte. «Schickt doch zum Spitzenspiel auch einen Spitzenschiedsrichter», poltert ein aufgebrachter Zuschauer am Spielfeldrand.

Hart umkämpfte Partie: Lenzburg und Mutschellen schenken sich Nichts.

Hart umkämpfte Partie: Lenzburg und Mutschellen schenken sich Nichts.

Gerry Frei

Spieler geraten aneinander

Es sind Worte, die auch Hannes Hurter registriert. Der AFV-Geschäftsführer lässt sich diesen Leckerbissen am heutigen Abend nicht entgehen. «Ich verstehe das nicht als Kritik, zu einem Spitzenkampf gehören Emotionen. Wichtig ist, dass sich nach der Partie alle wieder beruhigen.»

Und tatsächlich. Der Pausentee hat die Situation etwas beruhigt – zumindest vorerst. Die Lenzburger wollen nun der Partie den Stempel aufdrücken, allerdings hält die Equipe von Colacino wacker dagegen. Allen voran Torhüter Riesen, der so langsam aber sicher zum Matchwinner avanciert.

Nach gut 70 Minuten merkt man den Gästen an, dass die Konzentration nachlässt. Immer mehr einfache Ballverluste und Ungenauigkeiten im Abschluss schleichen sich ein. Zudem machen mittlerweile drei Aluminiumtreffer dem Leader das Leben schwer.

Das merkt natürlich auch das aufsässige Heimteam, dass nun vermehrt über die Seitenlinie mit weiten Bällen zu brandgefährlichen Chancen kommt. Aber auch Lenzburger-Netzhüter Michel Schneider präsentiert sich von seiner besten Seite. Daran kann auch der eingewechselte Mittelfeld-Spieler Gianluca aus dem Hause Sforza nichts ändern.

Mutschellen übernimmt in den letzten Minuten das Spieldiktat.

Mutschellen übernimmt in den letzten Minuten das Spieldiktat.

Gerry Frei

Und so kommt es, dass es am Ende nur noch kurz in der 83. Minute so richtig laut wird. Nach einem Foulspiel geraten die Spieler aneinander. Mit der Konsequenz, dass Lenzburg-Spieler Nedim Keranovic mit Gelb-Rot vom Platz fliegt.

Anschliessend ist die Luft raus aus dem Spiel, das viel Tempo und attraktiven Offensiv-Fussball geboten hat.

Trainer Munera nimmt den Punkt gerne mit. «Wir wollten ungeschlagen bleiben im September, mit vier Siegen und diesem Unentschieden bin ich insgesamt sehr zufrieden.»

Emilio Munera ist zufrieden mit der Partie.

Emilio Munera ist zufrieden mit der Partie.

GERRY FREI

Den Aufstieg in die 2. Liga Interregional möchte er dennoch nicht als Ziel definieren. «Wir wollen sicherlich vorne mitspielen, wenn es am Ende für den Aufstieg reicht, umso besser.»

«Vielleicht sollte man öfters auf eine Schiedsrichterin setzen»

Auf der anderen Seite zeigt sich auch Colacino sehr erfreut: «Lenzburg ist die Topmannschaft in diesem Jahr. Ich bin froh, dass wir hier einen Punkt mitnehmen und an der Spitze dranbleiben.»

Angesprochen auf die Auseinandersetzung mit dem Schiedsrichter zeigt er sich versöhnlich: «Wir hatten bisher immer gute Schiris, auch heute. Dieses Spiel hätte aber durchaus ein bisschen ruhiger sein dürfen.»

Es sei halt schwierig eine solch emotionale Partie zu leiten, betont der Trainer. «Fehler machen alle. Die Kunst ist es, die Situation dann jeweils zu beruhigen», so Colacino. «Wir hatten letzte Woche eine Frau als Spielleiterin, die hatte das Geschehen perfekt im Griff. Vielleicht sollte man öfters auf eine Schiedsrichterin setzen.»

Und so endet ein emotionaler und packender Abend mit einem gerechten Resultat und zwei zufriedenen Trainern. Anstatt einem Hauch Sensation gab es am Ende ein Hauch Drama. Der Reiz des Regionalfussballs geht dadurch aber bestimmt nicht verloren.

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