Ski Freestyle
Die vierte Schraube muss noch warten

Dimitri Isler aus Tennwil gehört zu den besten Skiakrobaten der Welt. Mit dem fehlen der Lambert-Brüder Christopher und Thomas in dieser Saison, rutschen Isler und sein Teamkollege Mischa Gasser nach an die Spitze der Schweizer Ski-Freestyler.

Irene Müller
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Der 21-jährige Skiakrobat Dimitri Isler ist neu die Nummer 2 der Schweiz.

Der 21-jährige Skiakrobat Dimitri Isler ist neu die Nummer 2 der Schweiz.

Irene Müller

Er macht drei Saltos und drei Schrauben in einem Sprung. Trotzdem hat er immer noch jedes Mal ein Kribbeln im Bauch, wenn er zehn Meter hoch durch die Luft wirbelt. Was für andere ein einmaliges Adrenalin-Erlebnis ist, ist Dimitri Islers Beruf. Und der 21-Jährige ist darin einer der Besten der Welt. Vor allem innerhalb der Schweizer Landesgrenzen gehört Isler zu den absoluten Topathleten in der Skiakrobatik. Denn das erfolgreiche Schweizer Brüderpaar Christopher und Thomas Lambert glänzt diese Saison im Aerials-Zirkus durch Absenz. Christopher Lambert ist verletzt und Thomas hat sich vom Spitzensport verabschiedet.

Neues Schweizer Spitzenkader

«Nun schaut der ganze Verband auf uns», sagt der letztjährige Europacup-Gesamtsieger Dimitri Isler zum Druck, der jetzt plötzlich auf ihm liegt. Die ganzen Hoffnungen für Schweizer Topplatzierungen im Weltcup werden diesen Winter in ihn und seinen nur zwei Jahre älteren Teamkollegen Mischa Gasser gesetzt. Der Solothurner Gasser war bei den Olympischen Spielen mit dabei, wogegen Isler die Qualifikation für Sotschi leider verpasst hatte. «Klar gurkt es mich an, dass ich es nicht geschafft habe. Aber neidisch bin ich deswegen nicht auf Mischa. Ich freue mich, wenn es ihm gut läuft.»

Die beiden Spitzenathleten trainieren das ganze Jahr über zusammen und sind gute Freunde geworden. Da es aber übertrieben wäre, eine ganze Schanzenanlage für zwei Freestyler zu buchen, trainieren oft auch ein Engländer, Weissrussen, Kanadier und Australier am selben Ort. So stehen die beiden Schweizer bereits im Training immer im internationalen Vergleich, welcher wichtig ist. «In der Schweiz kann man relativ schnell weit nach vorne kommen. Aber im Weltcup ist das Niveau schon riesig», sagt Isler.

Es ist die dritte Saison, in welcher er im Weltcup mitmischen kann. Letztes Jahr hat es einmal für eine Top-20-Platzierung gereicht. Ob er das in dieser Saison steigern kann? «Eines meiner grössten Ziele für diese Saison sind die Weltmeisterschaften in Österreich ab Mitte Januar. Empfehlen muss ich mich jedoch zuerst noch mit guten Sprüngen im Training in Finnland», erklärt er. «Ich stecke aber meine Ziele generell immer eher hoch, um mich noch mehr zu motivieren. Deshalb strebe ich an der WM einen Top-12-Platz an. Aber die Luft bei den Spitzenathleten ist extrem dünn und man kann sich fast nichts mehr leisten.» Isler hat während des Sommers einen Sprung mit drei Saltos und vier Schrauben geübt, wird ihn diesen Winter allerdings noch nicht in den Schnee springen. «Der Trainer und ich haben entschieden, zuerst noch die einfacheren Sprünge zu perfektionieren.»

Springen muss gelernt sein

Angefangen hatte die sportliche Laufbahn des Tennwilers mit Kunstturnen. Als er wegen einer Verletzung am Handgelenk pausieren musste, kam er auf die Sportart Freestyle Aerials als Fusion seiner Begeisterung fürs Skifahren mit dem Talent für Sprünge. Die von klein auf eingeübte Orientierung bei Sprüngen ist für einen Skiakrobaten von grossem Vorteil. Und da sein Vater bereits in der Freestyle-Szene versiert war, war ein Sportartwechsel absehbar.

Nun fühlt sich der Naturbursche Isler pudelwohl unter den Freestylern. «Als Skiakrobat hat man ein sehr enges Verhältnis zum Trainer, da er ständig Anweisungen geben muss. Während eines Sprunges hilft er dem Athleten durch Zurufe, die Orientierung während der Rotationen zu behalten. Da es auch immer eine Überwindungssache ist, auf eine so hohe Schanze zu gehen, ist es auch wichtig, dass sich der Athlet rundum wohl fühlt. Auch das ist eine Aufgabe des Trainers. Beim Kunstturnen war das anders. Da war es nicht unüblich, dass der Trainer nach dem zehnten Fehler hintereinander ausflippt.»

Der 21-Jährige schätzt am Skisport, dass man nicht wie im Turnen immer in relativ ähnlich gestalteten Hallen antritt, sondern in der freien Natur ist und gegen die sich stets ändernden Verhältnisse antreten muss. «Man kämpft im Freestyle nicht nur gegen die Konkurrenz, sondern auch mit sich selbst. Die optimale Anpassung an die Wetter- und Schneeverhältnisse ist ein wichtiger Teil, um einen guten Sprung zu landen», sagt Isler.

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