NLA-Handball
Die Neuverpflichtung des TV Endingen: Warum Justin Larouche Handballer und nicht Eishockeyspieler wurde

Der 24-jährige Kanadier verliess seine Heimat 2015, um sich in Europa als Handballer zu versuchen. Heute kann er von seinem Sport leben – und er strebt mit seinem neuen Arbeitgeber TV Endingen den Ligaerhalt in der NLA an.

Dean Fuss
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Justin Larouche hat auf die neue Saison hin aus Frankreich zum TV Endingen gewechselt.

Justin Larouche hat auf die neue Saison hin aus Frankreich zum TV Endingen gewechselt.

Sandra Ardizzone

Im Schweizer Eishockey wäre er nur einer von vielen, in der hiesigen Handballszene hingegen ist er der einzige: Die Rede ist vom 24-jährigen Kanadier Justin Larouche, der auf die neue Saison hin zum TV Endingen gewechselt hat.

Im Alter von 19 Jahren hat sich der Linkshänder entschieden, seine Heimat zu verlassen und sich in Europa als Handballer zu versuchen. «Sonst hätte ich später bereut, es nicht getan zu haben», sagt Larouche beim Treffen in der Badener Fussgängerzone. Es war im Jahr 2015, als er den Job als Zimmermann kündigte, das Auto verkaufte, sich von seiner Freundin trennte und in Strassburg anheuerte.

«Dort bin ich zum ersten Mal in meinem Leben mit dem ‹european way of life› (der europäischen Lebensart, d.Red.) in Kontakt gekommen. Ich bin Tram gefahren und war viel zu Fuss unterwegs», sagt er.

«Erster Eindruck vom ‹richtigen› Handball»

Auch sportlich lief in Frankreich so einiges anders, als er sich das aus Kanada gewohnt gewesen war: «In Strassburg habe ich ‹a taste of the real handball› (einen Eindruck vom richtigen Handball, d.Red.) erhalten. Der Niveauunterschied zu meiner Heimat ist enorm – das ist wie Tag und Nacht», sagt Larouche.

Im Gegensatz zu heute war er zu dieser Zeit noch weit davon entfernt, vom Handballsport Leben zu können. Tagsüber arbeitete er an fünf Tagen die Woche auf dem Bau, abends standen wöchentlich sechs Trainings auf dem Programm. «Das war ein harter Alltag, der an die Substanz ging. Ich war neidisch auf die Profis im Team», sagt er.

Das schwarze Schaf der Familie

Vielleicht auch aufgrund dieser Umstände brachte Larouches persönliches Umfeld in Kanada nur begrenzt Verständnis für seinen Entscheid, sich ennet des Atlantiks als Handballer zu versuchen, auf. «Ich war in der Familie immer ein wenig das schwarze Schaf», erinnert er sich schmunzelnd.

Schule, Job, Hauskauf, Familie – so stellt man sich in seiner eher traditionell geprägten Familie den idealtypischen Lauf des Lebens vor. Der in der Provinz Quebec mit drei jüngeren Schwestern aufgewachsene Larouche hingegen liebt das Abenteuer und geht seinen ganz eigenen Weg.

Justin Larouche    

Justin Larouche    

Sandra Ardizzone

Genau dieser Wesenszug dürfte auch erklären, weshalb sich diese Geschichte trotz Gardemassen von 1,94 m und 95 kg nicht um einen Eishockey- sondern um einen Handballspieler dreht. «Ich habe schon auch Eishockey gespielt, aber nur zum Plausch», sagt Larouche, der als Kind unter anderem auch Baseball gespielt und geturnt hat.

In der Highschool hätte er eigentlich American Football spielen wollen. Weil es an seiner Schule allerdings kein entsprechendes Feld gab, entschied er sich für Handball – der Sport, den bereits sein Vater betrieben hatte. Larouche wurde bald für die Regionalauswahl von Quebec aufgeboten, später dann für das Nationalteam Kanadas.

Den Kontakt vermittelte ein ehemaliger TVE-Torhüter

Nach fünf Jahren in Europa ist der Rückraumspieler nun via Strassburg, Sélestat und Cherbourg beim TV Endingen gelandet. Nicht ganz zufällig. Den Kontakt von TVE-Trainer Zoltan Majeri zu Larouche hat Gabor Busa vermittelt. Der ehemalige Torhüter der Surbtaler hatte in der vorletzten Saison mit Larouche zusammen gespielt.

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Seit ein paar Wochen wohnt Larouche zusammen mit seinen neuen Teamkollegen Kilian Hirsbrunner und Maxime Bardet in einer Wohnung in Baden. Der Kanadier ist froh, dass die Trainings in der GoEasy-Arena und nicht irgendwo gleich um die Ecke stattfinden. So kommt er endlich wieder mehr zum Autofahren. «Ich liebe es. Das hat mir in den vergangenen Jahren etwas gefehlt», sagt er, der ganz offensichtlich hinter dem Steuer seines Autos ein kleines Stück Heimat fühlt. Trotz seines sehr eigenen Lebenswegs: Larouche vermisst Kanada, irgendwann einmal will er zurück.

Doch nun dreht sich sein Leben erst einmal um den TVE. «Ich will meinen Beitrag dazu leisten, dass wir den Ligaerhalt schaffen. Das wäre ein grosser Erfolg für uns», sagt Larouche, der das fast schon traditionelle NLA-Saisonziel seines neuen Arbeitgebers bereits tief verinnerlicht hat.

Und wenn das tatsächlich gelingen sollte? Wer weiss, vielleicht wird Larouche dann zum Wegbereiter und kanadische Handballer gehören künftig ebenso zum Schweizer Sport wie kanadische Eishockeyspieler.

«Aargauer Cup»: Derbys vor maximal 1000 Zuschauern in 100er-Sektoren

Die Vorbereitung der Handballteams auf die neue Saison 2020/21 geht langsam in die finale Phase. Anderthalb Wochen vor dem Saisonstart in der NLA messen sich mit dem TV Endingen, dem HSC Suhr Aarau (beide NLA), dem STV Baden und dem TV Möhlin (beide NLB) die vier besten Klubs aus dem Kanton am erstmals durchgeführten Aargauer Cup in der GoEasy-Arena in Siggenthal Station.

Das Turnier wurde vom TVE ins Leben gerufen, weil bald einmal absehbar war, dass die international besetzte und seit 2018 ausgetragene 4 Nations Trophy angesichts der Corona-Pandemie kaum würde stattfinden können. Zwar ist noch nichts geregelt, aber der Aargauer Cup könnte durchaus eine Zukunft haben, wie TVE-Geschäftsführer Christian Villiger sagt: «Ich wünsche mir, dass sich die Entscheidungsträger der vier Vereine an diesem Wochenende zusammensetzen und gemeinsam entscheiden, wie es mit dem Aargauer Cup weitergehen könnte.»

Der Aargauer Cup ist aber nicht nur in spielerischer Hinsicht interessant. Das Turnier dient dem Veranstalter aus dem Surbtal auch gleich als Hauptprobe für den Heimspielbetrieb in der Meisterschaft unter Anwendung eines Schutzkonzepts.

Aufgrund der behördlichen Bestimmungen dürfen bis mindestens Ende September maximal 1000 Personen in die GoEasy-Arena eingelassen werden. So auch an diesem Wochenende. Die Zuschauer müssen auf der Tribüne ausserdem in Sektoren à 100 Personen aufgeteilt werden. Ausserhalb dieser Sektoren gilt Maskenpflicht und der TVE ist dazu verpflichtet, die Kontaktdaten aller Personen in der Halle aufzunehmen.

«Die Vorfreude ist trotz aller angeordneten Massnahmen riesig», sagt Villiger. Er rechnet mit bis zu 600 Zuschauern am Freitag und am Samstag gar mit einem ausverkauften Haus. (dfs)

Spielplan «Aargauer Cup»

Freitag, 18.30 Uhr: Halbfinal, Endingen - Möhlin

Freitag, 20.30 Uhr: Halbfinal, Suhr Aarau - Baden

Samstag, 16.30 Uhr: Kleiner Final

Samstag, 18.30 Uhr: Final