NLA-Handball
Die Krux mit der zweiten Halbzeit: Warum der TV Endingen nach der Pause so viele Punkte verliert

Acht statt der jetzigen vier Punkte hätte der TV Endingen auf seinem Konto, wenn jeweils nur die erste Halbzeit gewertet worden wär. Trainer Zoltan Majeri sucht nach Erklärungen, weshalb seiner Mannschaft nach der Halbzeitpause häufig die Puste ausgeht.

Frederic Härri
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Zoltan Majeri will an der Mentalität seines Teams arbeiten: «Es muss unser Ziel sein, jede Partie zu gewinnen. Egal, ob der Gegner Pfadi oder Kadetten heisst.»

Zoltan Majeri will an der Mentalität seines Teams arbeiten: «Es muss unser Ziel sein, jede Partie zu gewinnen. Egal, ob der Gegner Pfadi oder Kadetten heisst.»

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Es war eine Mischung aus Schalk, Zynismus und halb ernst gemeintem Vorschlag, die Zoltan Majeri vor wenigen Wochen wählte. Vor dem Heimspiel gegen GC Amicitia sagte der Trainer des TV Endingen: «Eine Partie dauert nun einmal 60 Minuten. So lange wir den Verband also nicht dazu bringen, Punkte pro Halbzeit zu vergeben, müssen wir einen anderen Weg finden.» Majeri spielte darauf an, dass es seiner Mannschaft allzu häufig misslang, ihre herausgespielten Führungen über die volle Spielzeit zu retten.

Majeri sagte den Satz vor dem 8. Spieltag, jetzt ist die 13. Runde vorbei. Der Kern der Aussage aber bewahrheitet sich auch heute noch. Denn würde man lediglich die Resultate der ersten Halbzeiten werten, hätte der TV Endingen vier Punkte mehr auf dem Konto. Zum ersten Mal verspielte die Mannschaft ihre Pausenführung im Spiel gegen den BSV Bern am 6. Spieltag. Der TVE führte zur Halbzeit mit drei Toren, am Ende musste er sich mit sieben Toren Differenz geschlagen geben. Auch in Basel (Pause: 14:14, Schlussresultat: 28:30), gegen den HSC Suhr Aarau (Pause: 9:8, Schlussresultat: 14:20) und jüngst bei Wacker Thun, als man sich nach 17:16-Führung zur Pause noch mit einem Unentschieden begnügen musste, verlor die Majeri-Equipe wertvolle Punkte. Ausreisser in dieser Auflistung ist die Partie gegen GC vom 10. Oktober, als die Endinger einen Pausenrückstand von vier Toren noch in einen Sieg ummünzten.

Mit acht Punkten stünden sie vor Konkurrent Basel

Vier Punkte mehr, das wären gleich doppelt so viele wie der TV Endingen vor dem Auswärtsspiel am Mittwochabend gegen Pfadi Winterthur (Anpfiff: 19.30 Uhr) tatsächlich gesammelt hat. Mit acht Punkten stünden die Endinger in der Tabelle auch vor dem RTV Basel, einem der ärgsten Konkurrenten im Abstiegskampf. Und natürlich sind das alles hypothetische Szenarien und Handball ist kein Spiel des Konjunktivs, das weiss auch Majeri. Doch ihm ist nicht entgangen: In der «Crunchtime», wenn die Spiele gegen Schluss eng werden, fehlt seinen Spielern oft die letzte Konsequenz.

Geht es nach Majeri, hat das mit drei Faktoren zu tun: Dem knappen Kader, mangelnder Erfahrung und der körperlichen Unterschiede zum Gegner – «fehlende Kilos und Zentimeter», wie es Majeri nennt. Besonders an der Mentalität seines Teams will der Coach feilen: «Die Mannschaft soll nicht damit zufrieden sein, wenn sie Unentschieden spielt oder gut ausgesehen hat», sagt Majeri. «Es muss unser Ziel sein, jede Partie zu gewinnen. Egal, wie der Gegner heisst.» Vielleicht dringt Majeri mit seinem Appell ja schon gegen Pfadi bis in die Köpfe der Spieler vor.