Radsport
Die Gippinger Christen-Brüder stellen sich neuen Herausforderungen

Die Aargauer Brüder Fabio (18) und Jan (16) Christen gehören zu den hoffnungsvollsten Talenten des Schweizer Radsports. Das neue (Velo-)Jahr begann für beide aufregend, aber nicht so, wie sie das eigentlich geplant hatten.

Marcel Kuchta
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Frischgebackener U19-Junioren-Meister im Radquer: Jan Christen.

Frischgebackener U19-Junioren-Meister im Radquer: Jan Christen.

Zur Verfügung gestellt

Würde alles nach Plan laufen, dann würde Jan Christen unterwegs sein Richtung Belgien, wo am Wochenende die Radquer-Weltmeisterschaft stattfindet. Und Fabio Christen würde vielleicht im Flugzeug Richtung Mallorca sitzen, wo in Europa die ersten Strassenradrennen der neuen Saison angestanden wären.

So dominiert aber, wie es inzwischen schon fast an der Tagesordnung ist in der Welt des Sports, der Konjunktiv. Corona hat einmal mehr zugeschlagen. Die Junioren-Rennen der Radquer-WM wurden kurzerhand gestrichen. Dasselbe Schicksal ereilte die Wettkämpfe auf der spanischen Ferieninsel.

Die niederschmetternde Nachricht im Trainingslager

Während Fabio Christen mit seinem neu gegründeten Team Nippo-Provence-PTS Conti, welches unter anderem vom Aargauer Olivier Senn gemanagt wird, im Trainingslager in Südfrankreich weilte, erfuhr Bruder Jan von der Absage, während er mit dem Schweizer Nationalteam auf Gran Canaria trainierte. Für den frischgebackenen U19-Schweizer-Meister war das eine niederschmetternde Nachricht: «Ich bin in einer hervorragenden Form. Ich hätte mir am WM-Rennen eine Spitzenklassierung ausgerechnet. Darum war es schon hart, als ich von der Absage hörte.»

Etwas gelassener konnte Fabio mit dem veränderten Programm umgehen. «Wir haben kurzerhand unser Trainingslager um zwei Tage verlängert», erzählt er am Telefon aus Südfrankreich. Die Bedingungen seien sehr gut. «Und wir kommen gerade noch rechtzeitig zurück in die Schweiz, um nicht in Quarantäne zu müssen», fügt er lachend an. Ein nicht ganz unwesentliches Detail. Denn Fabio Christen macht zwar bei einem Aargauer Bauunternehmer eine KV-Sportlerlehre und hat entsprechend viele Freiheiten bei seiner Planung. Aber strapazieren möchte man das Abwesenheitsbudget natürlich auch nicht unnötig. «Das war auch ein wichtiger Punkt bei meiner Auswahl des Teams», betont Fabio Christen.

Fabio Christen: «Gippingen wäre ein Highlight»

Immerhin: In den kommenden Wochen ist das Programm überschaubar, da viele Rennen bereits abgesagt wurden. Am 6./7. Februar fliegt Christen mit seinen neuen Teamkollegen in die Türkei für zwei Wettkämpfe. Dann folgen im Februar noch die Bahn-Schweizer-Meisterschaften in Grenchen. «Gegen Ende Jahr wird der Rennkalender dann aber umso gedrängter», sagt Fabio, der sein erstes Jahr auf U23-Level bestreiten wird. Für ihn geht es deshalb in dieser Saison (und vermutlich auch noch in der nächsten) primär darum, Erfahrung zu sammeln. Ein grosses Ziel von ihm ist es, den «Grossen Preis des Kantons Aargau», das Elite-Rennen in Gippingen, vor seiner Haustüre, bestreiten zu dürfen. «Das wäre natürlich ein Highlight.»

Bruder Jan wird während des Elite-Rennens als Zuschauer am Strassenrand stehen – sein Rennen wird am Sonntag stattfinden. Der Jüngere der Christens, der wie Fabio eine sportfreundliche KV-Lehre - im Asana Spital Leuggern - macht, hat sich erst kürzlich dem belgischen Team IKO-Crelan angeschlossenn (das Ausbildungsteam von Alpecin-Fenix, wo Silvan Dillier unter Vertrag steht). Die Belgier wurden im vergangenen September beim Cross-Event auf der Baldegg aufmerksam auf das Aargauer Talent. Dort fuhr Jan trotz starker, internationaler Konkurrenz (vor allem aus Belgien) auf Platz zwei und unterstrich eindrücklich sein grosses Potenzial.

Jan Christen und der ausgiebige Wunschzettel

Entsprechend ambitioniert geht Jan Christen in die neue Radsaison. Paris-Roubaix, der GP Rüebliand sowie die EM- und WM-Teilnahme auf der Stufe Junioren (U19) stehen auf seinem Wunschzettel. Es gibt für den 16-Jährigen also viel zu tun – so Corona will. Letztlich gilt es für beide Christen-Brüder, das grosse Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Irgendwann soll der Einstieg in den Profisport gelingen. Da darf man sich durch kurzfristige Störfeuer nicht aus der Bahn werfen lassen.

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