Challenge League

Die Bankrotterklärung: Beim FC Aarau spielen die Resultate nur noch die zweite Geige

Der Zustand des FC Aarau (hier Patrick Rossini) ist nur noch zum Wegschauen.

Der Zustand des FC Aarau (hier Patrick Rossini) ist nur noch zum Wegschauen.

Warum die Entlassung von Trainer Marinko Jurendic beim FC Aarau momentan kein Thema ist und was dem Präsidenten wichtiger ist als der schlechte Tabellenplatz.

Nichts deckt den Zustand einer Mannschaft so schonungslos auf wie die nackten Zahlen. Im Fall des FC Aarau lauten sie folgendermassen: Nach 14 Spielen hat der selbst ernannte Spitzenklub der Challenge League 13 Punkte auf dem Konto. Macht gigantische 23 Zähler Rückstand auf Tabellenführer Xamax. Vom Minimalziel Rang 3 ist der FCA ebenfalls bereits eine Weltreise entfernt: 17 Punkte.

Mit 25 Gegentoren verfügen die Aarauer hinter dem FC Wohlen über die zweitschlechteste Abwehr aller zehn Klubs. Nach drei Siegen, vier Unentschieden und sieben Niederlagen findet sich der stolze Klub vom Brügglifeld im hinteren Mittelfeld wieder. Der Abstieg in die Promotion League ist näher als Tabellenplatz 4.

FC Vaduz - FC Aarau 4:1 (05.11.2017, Stimmen zum Spiel)

FC Vaduz-FC Aarau 4:1 – Stimmen zum Spiel

Interviews mit Ivan Audino sowie mit Cheftrainer Marinko Jurendic

Schlechteste Bilanz in der Challenge League

Zuletzt setzt es in Schaffhausen und in Vaduz zwei auch in dieser Höhe verdiente 1:4-Pleiten ab. Die Aufzählung des Grauens wird abgerundet vom Fakt: In den bisherigen fünf Spielzeiten in der Challenge League war die FCA-Bilanz nach 14 Spieltagen noch nie schlechter als in dieser Saison.

Der sportliche Absturz ist im vollen Gang. Von der Anfang Saison angekündigten Spielfreude, von Begeisterung und von Leidenschaft ist nichts zu sehen. Das Schlimmste: Mehrere Spieler lassen es ganz offensichtlich an der professionellen Einstellung vermissen. Statt sich gegen die wöchentlichen Demütigungen zu wehren und Stolz zu markieren, gehen sie den Weg des geringsten Widerstands.

«Zwei, drei Punkte mehr oder weniger spielen derzeit keine grosse Rolle.»Alfred Schmid, Präsident FC Aarau

«Zwei, drei Punkte mehr oder weniger spielen derzeit keine grosse Rolle.»Alfred Schmid, Präsident FC Aarau

Protestieren die FCA-Profis so gegen ihren Trainer? Denn alles, was der fleissige Marinko Jurendic der Mannschaft auf den Weg gibt, verpufft innert Kürze. Statt nach den Siegen gegen Xamax (2:0) und Wil (3:1) weiter demütig zu sein, fallen die Spieler in die altbekannte Bequemlichkeit zurück. Als würden sie gar nicht wollen, dass es mit Jurendic aufwärtsgeht und dieser so Argumente für eine Weiterbeschäftigung sammeln kann.

Jurendic selber scheint dies erkannt zu haben und geht auf Distanz zu den Spielern. Nach dem Debakel am Sonntag in Vaduz stellt er die Mannschaft öffentlich an den Pranger, verlangt von ihr mehr Professionalität und nimmt speziell die Führungsspieler in die Pflicht. Da scheint sich ein Graben aufzutun zwischen Trainer und Team.

FC Schaffhausen - FC Aarau 4:1 (28.10.2017, Stimmen zum Spiel)

FC Schaffhausen - FC Aarau 4:1 (28.10.2017, Stimmen zum Spiel)

Interviews mit Gianluca Frontino sowie mit Cheftrainer Marinko Jurendic

Keine Frage: Der FC Aarau ist im Elend. Und nun ist zwei Wochen Länderspielpause. Was tun vor den restlichen vier Spielen der Hinrunde gegen Servette, Wohlen, Chiasso und Rapperswil-Jona? Soll der FC Aarau Jurendic entlassen? Soll er am erfolglosen Trainer festhalten? Für die «Aargauer Zeitung» gibt es vier denkbare Szenarien.

Die vier Szenarien

Szenario 1: Jurendic bekommt eine Jobgarantie bis zur Winterpause. Dann wird die Situation neu analysiert.

Szenario 2: Jurendic wird in den nächsten Tagen entlassen, auf ihn folgt Sven Christ. Der frühere FCA-Trainer und jetzige technische Leiter des Team Aargau übernimmt interimistisch bis zur Winterpause. Mit der Aussicht auf die Beförderung zum Chefcoach.

Szenario 3: Jurendic wird entlassen und Sportchef Sandro Burki präsentiert bis zum Heimspiel gegen Servette am 17. November den bereits gefundenen Nachfolger. Mögliche Kandidaten: Patrick Rahmen, aktuell Assistenzcoach in Luzern. Urs Fischer, zweifacher FCB-Meistertrainer und der Challenge League nicht abgeneigt. Carlos Bernegger, erprobter Feuerwehrmann bei GC und Luzern.

Szenario 4: Jurendic wirft entnervt hin und Burki muss auf die Schnelle eine Nachfolge-Lösung ausarbeiten.

Die «Aargauer Zeitung» hat sich am Montag beim FCA-Präsidenten Alfred Schmid nach dem wahrscheinlichsten Szenario erkundigt. Und dieser macht postwendend klar: Eine Entlassung von Jurendic ist aktuell kein Thema.

Schmid: «Wir haben grössere Probleme als die Trainerfrage. Zwei, drei Punkte mehr oder weniger spielen derzeit keine grosse Rolle. In den nächsten Wochen dreht sich sowieso alles um die Stadionfrage. Wir müssen endlich wissen, wie es weitergeht. Der sportliche Aspekt ist in den Hintergrund gerückt.»

Wenn Schmid das so sagt, dann wird es auch so kommen. Denn bei der Besetzung des Trainerpostens hat beim FC Aarau der sechsköpfige Verwaltungsrat das letzte Wort – und nicht der Sportchef. Wenn also Sandro Burki, der sich zur Angelegenheit bedeckt hält, den Trainer wechseln möchte, würde sein Wunsch an Schmid abprallen. Anders gesagt: Das ungelöste Stadionproblem ist der Strohhalm, der Jurendic im Amt hält.

«Orientierung im November»

Dass die Resultate, das Wesentlichste im Fussball, beim FC Aarau in den Hintergrund rücken, ist eine Bankrotterklärung. Andererseits: Es ist die logische Folge dessen, dass der Verwaltungsrat das Schicksal des Vereins so eng an das neue Stadion geknüpft hat. Sein oder Nichtsein!

Nochmals zu Alfred Schmid: Wie ist denn der Stand in Sachen Stadion im Torfeld Süd? Gibt es Hoffnung? «Ich kann nichts Konkretes sagen», erklärt Schmid und fügt hinzu: «Ich weiss nur, dass die Bauherrin HRS und die Stadt Aarau bis Ende November über die neueste Entwicklung orientieren werden.» 

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