Challenge League

Der Torklau vom Brügglifeld: Der FC Aarau verliert im Brügglifeld gegen die Grasshoppers mit 1:2

Der FC Aarau muss sich im Heimspiel gegen den Super-League-Absteiger GC nach einem grossen Kampf mit 1:2 geschlagen geben. Beide Gegentore fielen nach einem Eckball von der rechten Seite.

So hat man Patrick Rahmen in seinen 14 Monaten als Trainer des FC Aarau noch nie erlebt. Der Mann, der sogar nach dem Barrage-Drama gegen Xamax die Fassung gegen aussen wahrte, ist nach dem Heimspiel gegen GC stinksauer. Gerade hat er sich die vielleicht matchentscheidende Szene in seinem Büro nochmals angeschaut, da sagt er: «Ich bin so richtig angepisst. Wie der Schiedsrichter und sein Assistent in diesem Moment auf Abseits entscheiden können, ist mir ein Rätsel, ich kann es nicht nachvollziehen. Schade – die Partie hatte auf und neben dem Spielfeld Super-League-Charakter. Wir waren auf Augenhöhe mit GC, phasenweise klar besser. Dass wir mit leeren Händen dastehen, kann ich gerade nicht akzeptieren.»

Es läuft die 13. Minute, als sich der FC Aarau für seinen stürmischen Beginn zu belohnen scheint – hätten Schiedsrichter Urs Schnyder und sein Assistent nichts dagegen. Und so kommt es zum Torklau vom Brügglifeld: Nach idealem Zuspiel von Gezim Pepsi stürmt Petar Misic seitlich aufs GC-Tor, zieht mit seinem schwächeren rechten Fuss ab und trifft herrlich ins weite Kreuzeck. Das Brügglifeld, seit dem Einmarsch der Mannschaften ein Hexenkessel, kocht über.

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Doch dann, urplötzlich, erstickt der Jubel. In der Totomat-Kurve winkt Schnyders Assistent mit der Fahne – Abseits! Wie bitte? Das Gefühl täuscht nicht: Misic startet bei Pepsis Ballabgabe nicht einmal auf gleicher Höhe wie der hinterste GC-Verteidiger, sondern mindestens einen Meter davor. Der FC Aarau, dessen Verantwortliche vor einem Jahr mit Überzeugung für die Einführung des Videobeweises in der Super League gestimmt haben, wird an dieser Szene noch lange zu kauen haben.

Dabei hätte dieser hochklassige Match trotz dem Torklau am Ende für das Heimteam auch positiv ausgehen können. Marco Schneuwly, schon im Barrage-Rückspiel mit einem Fehlschuss in letzter Minute die tragische Figur, hat nach 38 Minuten den Führungstreffer auf dem Fuss. Doch wie gegen Xamax versagt er auch gegen GC in seiner langjährigen Paradedisziplin, dem Verwerten von Grosschancen: Unfassbar, wie er den auf die Torlinie zurückgeeilten Cvetkovic anschiesst, statt den Ball irgendwo sonst auf den 7,32 Metern zwischen den Torpfosten hinter die Linie zu bugsieren.

Auch nach der Pause viel Pech für den FC Aarau

Dann ist Pause. Zeit zum Durchatmen in einer Partie, die nach dem Seitenwechsel nichts von ihrer Intensität und Spannung verliert. Und dann bestätigt sich, dass das Glück an diesem Abend den Gästen hold ist. Nach einem Eckball, wir sind in der 50. Minute, steigt GC-Verteidiger Basic im Gewühl am höchsten – via Pfosten springt der Ball hinter die Linie. Fast identisch das 2:0 in der 62. Minute: Eckball Pusic, in der Mitte behauptet sich Ben Khalifa und köpfelt ein. Nicht nur Aarau-Verteidiger Jérôme Thiesson, auch Goalie Nicholas Ammeter macht beim letztlich entscheidenden zweiten GC-Tor eine schlechte Figur. Vielleicht fehlt dem 18-Jährigen in dieser Szene der Mut eines Routiniers, aus dem Tor zu eilen und den Ball wegzufausten.

So bitter der Doppelschlag für die Aarauer – sie bäumen sich nochmals auf, getrieben vom Stolz, dass dieses Spiel nicht GC als Sieger verdient. Aber eben – dieses verdammte Schicksal: Zwei Mal scheitern sie in Person von Pepsi und des eingewechselten Yvan Alounga an der Torumrandung. Und so ist das Anschlusstor von Elsad Zverotic (65. Minute) zwischen den beiden Aluminiumtreffern ein zu geringer Lohn für den aufopferungsvollen Kampf.
Das Schlusswort gehört Aarau-Stürmer Stefan Maierhofer: «Über 7000 Zuschauer, Flutlicht, ein attraktives Spiel – so macht Fussball Spass. Das war beste Werbung für die Challenge League. Dem Schiedsrichter wünsche ich, dass er sich die 13. Minute nochmals anschaut und daraus lernt.»

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