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Der FC Luzern kann Meister werden

Die erste Saisonhälfte ist um. Wintermeister ist der FC Luzern. Eine Analyse der az zeigt: Das Team von Rolf Fringer kann den Pott holen.

François Schmid-Bechtel
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FC Luzern

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Keystone

«Meister 2011. Auf Ciri und den Schiri ist Verlass!», schrieb mir gestern ein Fan des FC Luzern. Mit Ciri ist GC-Trainer Ciriaco Sforza gemeint, der seinem Ex-Klub Luzern dank einem 2:1-Sieg gegen Basel den unbedeutenden Titel des Wintermeisters beschert hat.

Schiri bezieht sich auf Alain Bieri, der bei Luzerns Ausgleichstreffer zum 1:1 gegen den FC Zürich übersehen hatte, dass gleich vier Innerschweizer offside gestanden sind. Die Innerschweizer sind begeisterungsfähige Menschen.

Luzern hat Yakin

Aber reicht die Klasse für den zweiten Meistertitel nach 1989? Es kann reichen. Auch wenn der FC Basel mächtiger, reicher, erfahrener und talentierter ist. Aber Luzern hat mit Hakan Yakin den alles überragenden Spieler der bisherigen Super-League-Saison.

Es sind nicht nur die neun Tore und elf Assists, die Yakin so wertvoll machen. Nein. Yakin offenbart im Spätherbst seiner Karriere Leaderqualitäten, die man ihm jahrelang abgesprochen hat. Mit seiner Gelassenheit nimmt er den zum Teil unerfahrenen Spielern die Angst vor grossen Spielen. Und mit seiner Lauf- und Leistungsbereitschaft ist er ein Vorbild für alle. Kurz: Yakin macht seine Mitspieler stärker. Was essenziell ist für einen Leader.

Luzern hat Fringer

Ein weiterer Punkt, der für Luzern spricht, ist Trainer Rolf Fringer. Über die Fachkompetenz des einstigen Aarauer- und GC-Meister-Machers bestanden nie Zweifel. Doch auf private Probleme Ende der 90er folgte zwangsläufig der berufliche Abstieg. Fringer hatte den Kopf für seinen Job nicht mehr frei, krallte sich aber hartnäckig an diesen, was ihm Engagements bei Klubs eingebracht hatte, die auf dem absteigenden Ast waren.

Fringer wurde zum Verlierer. Unterdessen hat er die ihm eigene Lockerheit wiedergefunden. Die Unaufgeregtheit Fringers kontrastiert mit der Emotionalität der Innerschweizer. Im Tollhaus Gersag der wohl entscheidende Faktor, um den Aussenseiter weiter in der Erfolgsspur zu halten.

Erster Favorit auf den Meistertitel bleibt aber der FC Basel. Auch wenn die Bebbi wie zuletzt beim 1:2 gegen die Grasshoppers eine gewisse Genügsamkeit offenbaren. Doch mit Thorsten Fink steht einer an der Linie, der diesem Schlendrian keine Chance zur Nachhaltigkeit gibt. Auch wenn Basel in der Europa League noch einige Runden überstehen sollte, verfügt man doch über genügend Qualität, um den Titel zu verteidigen.

FC Zürich in Lauerstellung

Lachender Dritter könnte der FC Zürich werden, der an Konstanz gewonnen hat und mit Alphonse einen Stürmer hat, der weiss, wo das gegnerische Tor steht. Denn eine gute Rolle spielt in dieser Liga nur, wer mindestens einen Spieler mit überdurchschnittlichen Skorerqualitäten hat.

Das spüren YB, Sion und vor allem die Grasshoppers. Niemand hatte erwartet, dass es den Bernern gelingen würde, die 30 Tore von Seydou Doumbia zu kompensieren. Dass aber Moreno Costanzo mit vier Treffern der beste YB-Skorer ist, lässt auf eklatante Fehler im Transfergeschäft schliessen. Um die YB-Führungsetage mit mehr Fussball-Kompetenz auszustatten, wurde Stefan Niedermaier durch Ilja Kaenzig ersetzt. Doch die bisherigen Amtshandlungen des neuen starken Mannes lösen bei der Konkurrenz keine Schweissperlen, sondern höchstens ein müdes Lächeln aus.

Verteidiger Alain Nef hätte wohl in keiner anderen Schweizer Spitzenmannschaft einen Stammplatz. Doch Kaenzig hat dessen Vertrag bis 2015 verlängert. Ebenfalls bis 2015 verlängerte Torhüter Marco Wölfli. Den Beweis, dass er eine Mannschaft zum Titel hexen kann, bleibt er immer noch schuldig. Noch stützt Kaenzig seinen Trainer – zumindest nach aussen. Doch in seiner persönlichen Wahrnehmung ist der Bosnier mit Schweizer Pass bloss eine lahme Ente. Trotzdem scheut sich Kaenzig davor, den Trainer zu entlassen, weil dies auf ihn selbst zurückfallen könnte, falls der Nachfolger den lange ersehnten Titelgewinn nicht realisiert.

Welcher Trainer muss gehen?

Apropos Trainerentlassung. Nur einer hat in der Vorrunde seinen Job verloren: Jean-Michel Aeby bei Xamax. Das ist der tiefste Wert der letzten acht Jahre. Das erstaunt. Erst recht, wenn man den Fokus auf Sion oder Rekordmeister GC legt, der am Tabellenende steht. Die Walliser absolvierten eine relativ erfolgreiche Vorrunde.

Ausserdem ist Trainer Bernard Challandes schlau genug, dem exzentrischen Präsidenten Christian Constantin genügend Freiraum zu bieten, um während eines Spiels Einfluss zu nehmen und so sein Ego zu befriedigen. Bei GC hingegen lässt man Sforza trotz bedrohlicher Tabellensituation in Ruhe arbeiten.

Denn man ist sich bewusst, dass es nicht der Fehler des Trainers ist, wenn vom 16-Millionen-Franken-Budget zu wenig Geld in die erste Mannschaft fliesst. Trotzdem: Die vielen jungen Spieler werden unter Sforza in der Rückrunde einen weiteren Leistungssprung machen. Und mit Boris Smiljanic und Ricardo Cabanas kehren zwei Routiniers nach Verletzungen zurück. Sforza wird mit den Grasshoppers nicht absteigen.

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