Eishockey
Der Aargauer «Made in USA» träumt von einer Medaille

Mit Cédric Fiedler schaffte es auch ein Aargauer ins WM-Aufgebot der Schweizer U20-Eishockey-Nationalmannschaft. Der 19-jährige Verteidiger aus Untersiggenthal spielt in den USA - und wurde auch dort geboren.

Alexander Wagner
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Cédric Fiedler im Jersey der Western Michigan University.

Cédric Fiedler im Jersey der Western Michigan University.

Pressedienst

Cédric Fiedler kam in Boca Raton (Florida) zur Welt und zog mit seiner Familie bald nach Sacramento (Kalifornien). Bei beiden Destinationen denkt man als Sportart nicht unbedingt zuerst an Eishockey. «Es war so heiss, so gingen wir in die Eishalle, um uns abzukühlen», erinnert sich sein Vater Marcel Fiedler schmunzelnd. «Und so habe ich schon sehr früh mit Eishockey begonnen und ging mit drei Jahren in die Hockeyschule», ergänzt Sohnemann Cédric lachend. Und es war sofort klar: Das ist sein Sport. «Ich wollte immer ins Training», erinnert er sich an die Anfänge.

Und das ist heute noch so. Mit dem Beginn des Kindergartens kam die Familie von Cédric mit den jüngeren Geschwistern Kilian und Chantal zurück in die Schweiz, nach Untersiggenthal, wo sein Vater aufgewachsen ist. Und er wollte weiter seiner Leidenschaft auf dem Eis frönen. Das hiess ab der Oberstufe jeden Tag sehr früh aufstehen, Pasta essen und um 5.45 Uhr losfahren nach Zug zum Morgentraining mit dem EV Zug. «Meine Eltern haben mich jeden Tag gefahren. Wirklich jeden Tag», betont der Sohnemann und man hört die Dankbarkeit aus seiner Stimme. Danach war er erst kurz vor 10 Uhr zurück in Untersiggenthal und musste nachholen: «Ich musste immer rausfinden, was ich verpasst habe.»

Über die Argovia Stars nach Zug

Bis zu den Mini A spielte der junge Aargauer für die Argovia Stars, um danach seine Karriere beim EV Zug voranzutreiben. Nach der Primarschule und der Sek in Untersiggenthal ging es um den weiteren Weg des Talentes – beruflich und sportlich. «Wenn ich eine normale Lehre absolviert hätte, dann wäre es nicht mehr Leistungssport gewesen», blickt er zurück. Das kam jedoch für das zielorientierte Talent nicht in Frage: Er wollte an die Hockey Academy nach Zug. Fiedler hat während zweier Jahre die Ausbildung zum Büroassistenten absolviert und fleissig weitertrainiert.

Danach wären weitere zwei Jahre möglich gewesen, um das KV zu machen. Doch Cédric Fiedler hatte andere Pläne: Er wollte zurück in die USA, um Hockey zu spielen. «Das war schon immer ein Thema», erklärt der 1,91 Meter grosse Verteidiger. Und die Eltern unterstützten ihn dabei, dass er mit knapp 17 alleine in die USA ging. So landete er mit 300 anderen Spielern in einem Camp für Fargo Force (North Dakota) in der USHL, die als einer der besten Juniorenligen gilt. Fiedler schaffte als einer von 28 Talenten den Cut und konnte seinen grossen Traum weiterleben und besuchte die High School.

Inzwischen in der NCAA gelandet

Dieses Jahr folgte der nächste Karriereschritt und der Aargauer wechselte an die Western Michigan University in die NCAA, welche qualitativ als beste Ausbildungsliga in Nordamerika gilt. Sowohl auf als auch neben dem Eis. Zudem weiss Cheftrainer Andy Murray, eine Trainerlegende mit grosser NHL-Erfahrung und einer erfolgreichen Schweizer Vergangenheit, natürlich genau, was für eine gute Ausbildung Fiedler beim EVZ genossen hat.

Seit der U16 ist Fiedler ein fester Bestandteil der Junioren-Nationalmannschaften. Vor zwei Jahren war er an der U18-WM in Schweden dabei. Jetzt ist er in Edmonton und wartet auf den Beginn der WM. Warten ist der richtige Ausdruck, denn zuerst mussten alle Spieler und Trainer vier Tage komplett alleine im Zimmer verbringen. Das heisst essen, Krafttrainings und Einheiten für die Beweglichkeit sowie Sitzungen und schlafen ohne jeglichen Kontakt zur Mannschaft.

Virtuelles singen der Nationalhymne

Doch der Teamspirit wurde trotzdem gefördert: Um 7.30 Uhr ging es los mit der Tagwache und dem «gemeinsamen» Singen – digital verbunden – der Schweizer Nationalhymne. Obwohl er in den USA zur Welt kam, einige Jahre dort lebte und jetzt wieder zurück ist, fühlt er sich voll als Schweizer: «Meine engen Kollegen aus der Schule und dem Hockey kommen alle aus dem Aargau.» Die hochgesteckten Ziele: «Eine Medaille» Und er scheint auch diese besondere Situation locker wegzustecken: «Wenn man mental stark ist, geht das gut. Und wir als Sportler sind auch in diesem Bereich stark», erklärt der 93 Kilo schwere Abwehrchef selbstbewusst.

Genauso hochgesteckt sind seine Ziele: «Eine Medaille», sagt er, ohne zu zögern. Schwierig wird’s für die Schweizer allemal. Am 25. Dezember wartet die Slowakei als erster Vorrunden-Gegner. Aber nichts ist unmöglich. Schon gar nicht für einen Kämpfer wie Cédric Fiedler.