Rotweiss Wettingen
Das Wettinger Vorzeigebeispiel: Der Schweizer-Meister-Titel ist realisierbar

Nach dem Exploit im Europacup in Russland kann Rotweiss Wettingen den Schweizer-Meister-Titel gewinnen.

Fabio Baranzini
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Das Wettinger Eigengewächs Jan Hödle ist ein Leistungsträger im Fanionteam von Rotweiss Wettingen.

Das Wettinger Eigengewächs Jan Hödle ist ein Leistungsträger im Fanionteam von Rotweiss Wettingen.

Fabio Baranzini

Jan Hödle ist so etwas wie das Vorzeigebeispiel des Erfolgsmodells von Rotweiss Wettingen. Ein Spieler aus der Region – im Fall von Hödle gar aus Wettingen selber –, der die Juniorenabteilung des Vereins durchlaufen und sich zum Leistungsträger in der ersten Mannschaft entwickelt hat. Genau solche Spieler wollen die Wettinger, die konsequent darauf verzichten, ausländische Akteure zu verpflichten.

Im Alter von 15 Jahren griff Hödle, der sich vorher als Handballer versucht hatte, erstmals zum Krummstock. Sein Nachbar Kudi Müller, heute Teammanager der ersten Männermannschaft, hat ihn zum Training mitgenommen. Hödle fand sofort Gefallen am Landhockey und blieb dem Sport treu.

Mit ein Grund dafür ist der Zusammenhalt in der Mannschaft von Rotweiss Wettingen, den Hödle im Gespräch immer wieder herausstreicht. «Dass wir seit vielen Jahren zusammenspielen, ist unsere grösste Stärke. Alle Spieler der ersten Mannschaft haben in Wettingen Landhockey spielen gelernt, mehrere davon haben gemeinsam mit mir begonnen. Dass wir uns so gut kennen, ist ein riesiger Vorteil im Vergleich zu unserer Konkurrenz», ist der Stürmer überzeugt.

Ein Vorteil, der in den letzten Jahren dazu geführt hat, dass die Dominanz von Rotweiss Wettingen beeindruckende Züge angenommen hat. Acht Meistertitel und vier Cupsiege in den letzten neun Jahren sprechen eine deutliche Sprache.

Historischer Erfolg in Russland

Vor wenigen Wochen haben die Wettinger auch auf internationalem Parkett ein Ausrufezeichen gesetzt. Im Europacup in Russland – vergleichbar mit der Europa League im Fussball – haben die Wettinger Landhockeyaner gleich mehrere höher eingestufte Teams, die meisten davon gespickt mit Halbprofis, hinter sich gelassen und sensationell den Titel geholt.

Frauen greifen nach dem 7. Titel in Folge

Nicht nur die Männer von Rotweiss Wettingen können am Sonntag den Schweizer-Meister-Titel gewinnen, sondern auch die Frauen. Die Wettingerinnen duellieren sich im Endspiel mit den Black Boys aus Genf. Mit der Mannschaft also, gegen die sie überraschend den Cupfinal verloren haben. «Die Genferinnen haben ein Team mit vielen ausländischen Spielerinnen. Insbesondere die drei Argentinierinnen sind sehr stark und können uns das Leben schwer machen», sagt Philipp Ehrler, Coach der NLA-
Frauen von Rotweiss Wettingen. Er glaubt jedoch, dass seine Spielerinnen als Mannschaft stärker sind. Ein gutes Omen für das Hin- und Rückspiel der Finalserie ist, dass die Wettingerinnen am letzten Sonntag gegen die Black Boys klar mit 5:1 gewinnen konnten. «Dieser Sieg war wichtig für uns. Nach drei Unentschieden in Folge haben wir gezeigt, dass wir auch hoch gewinnen können. Das war – auch wenn es nicht gezählt hat – das erste Spiel der Finalserie», so Ehrler, der mit den NLA-Frauen von Rotweiss Wettingen den siebten Meistertitel in Serie anstrebt. «Alles
andere wäre eine brutale Enttäuschung», sagt er. (fba)

«Wir hatten uns eigentlich zum Ziel gesetzt, den Ligaerhalt zu schaffen. Aber nach dem Sieg gegen den russischen Meister zum Auftakt haben wir uns in einen richtigen Rausch gespielt», so Hödle, der den Exploit in Russland als grössten Erfolg seiner Karriere bezeichnet. Auch für den Verein ist der Erfolg historisch. Es war das erste Mal überhaupt, dass Rotweiss den Europacup gewonnen hat.

Auch in der Meisterschaft läuft es den Wettingern nach Wunsch. In der Qualifikationsphase haben sie sich überlegen mit 11 Punkten Vorsprung den ersten Platz gesichert und haben das Halbfinalduell gegen Lugano mit einem Gesamtskore von 6:4 gewonnen, ohne dabei an die Grenzen gehen zu müssen.

Das wird sich im finalen Kräftemessen um den Schweizer Meistertitel am kommenden Wochenende ändern. Der Gegner ist Servette, der Erzrivale von Rotweiss Wettingen und die einzige Mannschaft in der Schweiz, die es schaffen kann, den Ligakrösus aus dem Aargau zu schlagen. Das haben die Westschweizer im letztjährigen Cup-Halbfinal und vor zwei Jahre im Meisterschaftsfinale bewiesen.

«Es wird nicht einfach gegen Servette, aber für uns gibt es immer nur ein Ziel: Wir wollen den Titel – egal ob im Cup oder in der Meisterschaft», sagt Hödle, der im Februar sein Studium als Maschinenbauer erfolgreich abgeschlossen hat. Auch wenn es von Aussen so aussieht, als ob die Erfolge der Wettinger selbstverständlich seien und die Mannschaft fast schon zum Siegen verdammt sei, sehen die Spieler das anders. «Mit jedem Sieg und jedem Titel wird der Druck für uns grösser. Daher wird es für uns nie selbstverständlich, zu gewinnen», sagt Hödle. Entsprechend gross wäre die Freude der Wettinger, wenn sie am Sonntag auf der heimischen Bernau den Titel verteidigen könnten.

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