WM-Fieber

Das argentinische FCA-Duo Garat und Senger fieberte im Trainingslager mit

Eines ist sicher: Beim FC Aarau wurde nach dem Schlusspfiff von Schweiz gegen Argentinien trotzdem gejubelt. Das argentinische Duo Juan-Pablo Garat fieberte für die Schweiz im Trainingslager in Losone.

Der FC Aarau ist am Dienstagabend um 17.30 Uhr, gerade rechtzeitig auf Schweiz – Argentinien im Hotel Albergo in Losone angekommen. Bis am Samstag werden sich die Schützlinge von Cheftrainer Sven Christ im Tessin intensiv auf die kommende Super-League-Saison vorbereiten. Zum Abschluss des fünftägigen Trainingslagers ist am Samstag auch ein Testspiel gegen den FC Lugano vorgesehen.

Verlängerung! Essen oder Fussball? Das Dinner muss warten. Der Koch verzweifelt vor den Pfannen, die FCA-Gauchos vor dem Fernseher. Wann endlich entscheiden ihre Landsleute dieses Spiel? 

Das Matchprotokoll:

Die beiden "Gauchos" Juan Pablo Garat und Dante Senger öffnen die Türe zu ihrem Hotelzimmer. Die Nervosität ist ihnen anzusehen. Und die ersten 15 Spielminuten beruhigen die beiden Argentinier kaum. „Vielleicht ist die Mannschaft nervös“, analysiert Garat den mehr als gehemmten Start der Argentinier.

Die beiden diskutieren angeregt in spanischer Sprache. Man hätte sie glatt als Co-Kommentatoren für das argentinische TV anheuern können. Dort sei der TV-Reporter übrigens während eines solchen Spiels praktisch pausenlos am Sprechen, sagen die beiden Südamerikaner und schmunzeln über den emotionalen Ausruf am Tessiner TV beim ersten vielversprechenden Angriff der Schweizer Nationalmannschaft.

Dante Senger leidet mit seinen Landsleuten mit. Der 31-jährige verwirft die Hände, wenn die Gauchos wieder mal einen Fehlpass produzieren und erhebt sich von seinem Sessel, wenn es nur ansatzweise nach Gefahr riecht. Ist Messi am Ball, ist auch Senger nicht zu halten. Für den Schweizer Verteidiger, der sich gegen den argentinischen Fussball-Gott nur mit einem Foul zu helfen weiss, gibt es einen Kraftausdruck.

Derweil zieht Juan Pablo Garat ein erstes Zwischenfazit: Er bemängelt die tiefe Intensität im Spiel Argentiniens. „Die Spieler bewegen sich viel zu wenig“. Vom Auftritt der Schweizer ist er nicht überrascht. „Die Schweizer spielen ihr Spiel – kontrolliert von hinten heraus und geduldig auf ihre Chancen wartend. Eine solche kommt nach 25 Minuten für Xhaka. Für einen kurzen Moment ist es im Zimmer der beiden FCA-Argentinier mucksmäuschenstill. 

In der Pause telefoniert Juan Pablo Garat mit seiner Frau. Auch in diesem Gespräch geht es um das Spiel gegen die Schweiz. Die beiden sind sich schnell einig, das Urteil über die Qualität des argentinischen Auftritts fällt einstimmig aus. „Meine Frau sieht es wie ich“, sagt der 1.87 m lange Verteidiger – zumindest was die Leistung der Landsleute betrifft. „Wir Argentinier erwarten sehr viel von unserer Nationalmannschaft. Sie so spielen zu sehen, ist deshalb sehr frustrierend.“

Zweite Halbzeit

Immerhin ist der Auftakt in die zweite Halbzeit ein kleiner Lichtblick. Messi und Co. kommen zu zwei, drei vielversprechenden Strafraumaktionen. Die Stimmen der beiden FCA-Gauchos tönen auf einmal lieblicher, versöhnlicher. Lange dauert die Herrlichkeit nicht. Schon sind wieder die Schweizer am Drücker. Auch wer kein spanisch verspricht, erkennt den Sinn der ausgestossenen Kommentare. Wo ist der Notausgang aus dem Hotelzimmer? Spätestens bei einem Schweizer Tor könnte es gefährlich werden.

Grosschance für Argentinien nach 58 Minuten. Senger schiesst aus seinem Sessel und schlägt die Hände vor dem Kopf zusammen. Wieder nichts. Es klopft an der Türe. Ein Hotelangestellter fragt nach, ob alles in Ordnung sei. Das mitfiebernde Argentinier-Duo nimmt man auch jenseits der Türe noch wahr. Higuain zwingt mit seinem Kopfball den Schweizer Torhüter zu einer Glanztat. Diesmal stürmt Senger bis zum TV-Gerät nach vorne. Als wolle er beim Kopfball nachhelfen.    

Nach 80 Minuten

Argentinien dreht auf. Im Gaucho-Hotelzimmer wird wieder gelacht. Verhaltene Zuversicht macht sich breit. Noch traut man dem argentinischen Fussball-Frühling in Sao Paulo nicht uneingeschränkt. Die Kadenz der blau-weissen Offensivaktionen nimmt zu, doch den Schluss macht weiterhin mit grosser Zuverlässigkeit ein „Sengerischer“ Kraftausdruck. Achtung Messi! Ein trockener Antritt, ein satter Schuss und Senger „klebt“ praktisch am Bildschirm. Er ist Angreifer, Zimmerkollege Garat Abwehrspieler. Er bleibt im Hintergrund, wagt sich kaum über die Stuhlkante. Er lacht ob dem Vergleich der beiden unterschiedlichen Reaktionen. Immerhin klammert sich Garat jetzt auch ab und zu an die Stuhllehne. Er seufzt. Die Zeit verrinnt, die Anspannung wird grösser. Noch acht Minuten. 

Senger und Garat werden zunehmend unruhiger.

Das Spiel kostet Substanz. Ein Argentinier muss von Krämpfen geplagt ausgewechselt werden. Rein kommt Basanta. Kaum hören Sie den Namen, reagieren Garate und Senger. Der FCA-Stürmer spielte in Argentinien einst mit dem eingewechselten Aussenverteidiger in der gleichen Mannschaft. Er ist nicht unbedingt von dessen Fähigkeiten überzeugt. 

Das Ende naht

Noch sechs Minuten in der Verlängerung. Garat und Senger zählen Namen auf. Sie „bestimmen“ die argentinischen Elfmeterschützen. Das Problem: Higuain, Di Maria, Messi – auch bei der vierten Wiederholung bleibt es bei drei Namen. Gesucht sind deren fünf. Schiessen die beiden FCA-Gauchos selber auch Penaltys? „Ich nicht, er schon“, sagt Garat. Ist Senger ein guter Schütze? „Ja“ sagt Garat, „Nein“ antwortet der Stürmer.

Das Lachen wird unterbrochen vom ultimativen Sturmlauf Messis. Pass zu Di Maria: 1:0 für Argentinien. Senger stürmt auf den Fernseher zu und umarmt das Gerät. Danach öffnet er die Türe in den Garten und schreit seine ganze Freude hinaus, dass es wohl der letzte Bergbauer im Maggia-Tal noch mitgekriegt. Noch eine letzte Reaktion der Eidgenossen. Auf dem Platz durch den Pfostenkopfball von Dzemaili, im FCA-Camp aus dem Nachbarzimmer der beiden Gauchos. Dort leiden die Schweizer Mitspieler von Senger und Garat um die Wette. Das Hoffen bleibt unbeantwortet. Senger und Garat gehen zum Nachtessen. Guten Appetit!

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