Challenge League
Kein Anlass für Schönrednerei: Aarauer gehen nach Desaster in Schaffhausen hart mit sich ins Gericht

0:2 trotz personeller Überzahl: Nicht zum ersten Mal in dieser Saison gibt der Aufstiegsaspirant einen Vorteil leichtfertig aus der Hand. Das Bedenkliche: Einsatz- und Kampfwille stimmten nur beim Gegner.

Sebastian Wendel
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Schönrednerei? Nein, immerhin diesen Vorwurf kann man den FCA-Akteuren nach dem 0:2-Desaster in Schaffhausen nicht machen (hier gehts zum Matchbericht). Schon direkt nach Spielschluss sparten Simon Enzler und Stephan Keller nicht mit Selbstkritik. «Wir müssen eine bessere Mentalität auf den Platz bringen. Emotional kam zu wenig, das darf nicht sein, so wird es in jedem Spiel schwierig. Das müssen wir innerhalb der Mannschaft ansprechen», sagte der Goalie, der mit zwei starken Interventionen die Kollegen vor einer noch höheren Niederlage bewahrte.

Noch deutlicher die Worte des Trainers: «Unser Auftritt in der zweiten Halbzeit war desaströs und nicht zu entschuldigen. Zahnlos, zahm, ohne Durchschlagskraft - ich bin sehr enttäuscht.»

In der 38. Minute wird der Schaffhauser Axel Müller vom Platz gestellt: Doch der FC Aarau nahm das Geschenk nicht und gab die personelle Überzahl wie schon gegen Vaduz (1:3) aus der Hand.

In der 38. Minute wird der Schaffhauser Axel Müller vom Platz gestellt: Doch der FC Aarau nahm das Geschenk nicht und gab die personelle Überzahl wie schon gegen Vaduz (1:3) aus der Hand.

Claudio Thoma/Freshfocus / freshfocus

Am Tag danach bleibt Keller dabei, er sagt am Telefon: «Das war schlecht und entsprach in keinster Weise unseren Ansprüchen.» Die Ursachenforschung dürfte im Trainerbüro weniger lang gedauert haben als nach vorherigen Niederlagen, denn was schon dem Laien auffiel, bestätigt Keller:

«Der Gegner hat mehr investiert als wir: Sie waren uns in den Zweikämpfen am Boden und in der Luft und im Kampf um die zweiten Bälle überlegen. Ich will meinen Spielern nicht mangelnden Willen vorwerfen - aber wir haben uns nicht genug gegen die Niederlage gewehrt, während der Gegner bis aufs Blut gekämpft hat.»

Was irritiert: Vor zwei Wochen gewann der FC Aarau das Heimspiel gegen Yverdon 1:0. Es war nach zuvor drei unglücklichen Niederlagen ein hart erkämpfter Arbeitssieg - mit der Erkenntnis für die Spieler: Man kann und muss nicht immer glänzen, am wichtigsten ist es, in jeder Partie die Basistugenden zu leben: Kampfbereitschaft, Einsatzwille und Solidarität. Nach dem Motto: Rennen und kämpfen kann man immer - stimmt der Einsatz, ist auch eine Niederlage entschuldbar.

Aarau macht es dem Gegner viel zu einfach

In Schaffhausen ist von alldem jedoch nichts zu sehen. Die Mannschaft zeigt in Rückstand und mit dem Vorteil der nummerischen Überzahl nicht mehr Siegeswillen als in einem Trainingsspiel. Mehr noch: Das Auftreten der Aarauer grenzt phasenweise an Überheblichkeit, während die dezimierten Schaffhauser jeden Zentimeter in ihrer Platzhälfte leidenschaftlich verteidigen. Viel mehr müssen sie nicht tun, die Aarauer machen es mit ihren ideenlosen Angriffsversuchen dem Gegner viel zu einfach.

Für Keller ist die blutleere Darbietung ein Rätsel: «Unter der Woche im Training gehen die Spieler voll zur Sache und wir müssen manchmal aufpassen, dass sich keiner verletzt. Diesen eklatanten Abfall der Emotionen gegen Schaffhausen kann ich mir nicht erklären.»

Enttäuscht vom Auftritt seiner Mannschaft verlässt Trainer Stephan Keller nach Spielschluss den Platz.

Enttäuscht vom Auftritt seiner Mannschaft verlässt Trainer Stephan Keller nach Spielschluss den Platz.

Claudio Thoma/Freshfocus / freshfocus

Wie weiter? Keller: «Ich habe in die Gesichter der Spieler geschaut. Sie sind sich sehr wohl bewusst, dass das in Schaffhausen punkto Leidenschaft viel zu wenig war. Gleichzeitig wäre es falsch, nach einem solchen Auftritt alles in Frage zu stellen. In allen vorherigen Spielen konnte ich der Mannschaft kämpferisch keinen Vorwurf machen. Es ist das erste Mal, dass das Resultat und das Auftreten schwach waren. Bei den Niederlagen zuvor haben wir uns bis zum Schluss gewehrt, aber die Dinge sind gegen uns gelaufen. Ein zweites Mal darf es so einen Auftritt nicht geben - am nächsten Wochenende in Wil müssen wir eine Reaktion zeigen.»

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