Handball Schweizer Cup
Aufgeheizt eingeheizt: Der TV Möhlin verliert gegen Ligakrösus Kadetten Schaffhausen 22:34

Nach den Cup-Siegen gegen Endingen und GC ist die Hürde Kadetten Schaffhausen dann doch zu hoch. Die Fricktaler unterliegen Kadetten deutlich mit 22:34 – doch das ist nebensächlich.

Martin Probst
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Möhlin unterliegt im Schweizer Cup Kadetten Schaffhausen
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Möhlin unterliegt im Schweizer Cup Kadetten Schaffhausen

Michi Mahrer

Das grösste Lob für den TV Möhlin gab es schon vor dem Spiel. Wer gedacht hatte, der Trainer der Schweizer Handballgrossmacht Kadetten Schaffhausen würde gegen den Underdog aus dem Kanton Aargau seinen Routiniers in der strengen Woche mit drei Spielen in Champions League, Meisterschaft und Cup eine Pause gönnen, irrte sich.

Zu gross war beim achtfachen Cupsieger und zehnfachen Schweizer Meister der Respekt vor dem Cupschreck aus der NLB.

Und so standen sie alle auf dem Feld, die Stars um Manuel Liniger und Co., damit nach dem TV Endingen und GC Amicitia nicht ein dritter NLA-Vertreter im Cup am Aargauer B-Ligisten scheitert. Was für eine Ehre.

So verwunderte es auch nicht weiter, dass das Saisonhighlight in Möhlin mehr Menschen sehen wollten als die Polizei erlaubt. Bei 1000 Zuschauern ist im «Steinli» die Türe zu. Der Rest schaute die Partie auf der TV-Leinwand im Stadionrestaurant – und verpasste somit unfreiwillig eine von Beginn an aufgeheizte und stimmungsvolle Atmosphäre, in der das Heimpublikum die Spieler frenetisch nach vorne trieb. Oder wie es Möhlin-Captain Sebastian Kaiser vor dem Spiel sagte: «Wir werden versuchen, Kadetten Schaffhausen das Leben schwer zu machen.»

Das gelang teilweise so gut, dass selbst gestandene Profis wie Liniger, der in seiner Karriere als Handballer im Klub und mit der Schweizer Nationalmannschaft schon fast alles erlebt hat, genervt den Kopf schüttelte, oder dass sich die kroatischen Landsmänner und Leistungsträger Nik Tominec und Goalie Ivan Stevanovic mitten im Spiel gehörig und lautstark die Meinung geigten.

Psychologische Betreuung

Und als dann Christoffer Brännberger ob der kämpferischen und stets angriffigen Leistung des Heimteams die Nerven verlor und mit Rot des Feldes verwiesen wurde, beachtete ihn Schaffhausen-Trainer Peter Kukucka keines Blicks.

Die Stimmung im Team der Schweizer Handballgrossmacht war am Tiefpunkt angelangt. Die des Heimpublikums umso euphorisierter. Was für eine Ehre.

Ein Teil der Möhliner Spieler bereitete sich im Mental-Training speziell auf das Spiel gegen die vermeintliche Übermacht vor. Gut möglich also, dass sich nach der Partie trotz des klaren Siegs einige Schaffhauser psychologisch betreuen lassen mussten. So viel Aufmüpfigkeit hinterlässt sogar bei Profis spuren.

Die Niederlage der tapfer kämpfenden Möhliner, die in der NLB-Meisterschaft sechs von sechs Spielen gewinnen konnten und somit gestern die erste Saisonniederlage einstecken mussten, fiel mit 22:34 (8:15) zumindest auf dem Papier deutlich aus.

Etwas zu gross war der Unterschied zumindest bei der spielerischen Klasse, was sich besonders im Abschluss immer wieder offenbarte.

Mit Leib und Seele dabei

In Sachen Leidenschaft, Einsatzwille und Teamgeist musste sich die Heimmannschaft aber nie verstecken. Im Gegenteil: Als aufgrund des deutlichen Spielstandes Möhlin-Trainer Zoltan Cordas in der Schlussphase jungen Nachwuchsspielern die Chance gab, sich gegen die besten des Fachs wichtige Erfahrungen anzueignen, applaudierte das gesamte Team inklusive Ersatzbank, als dem erst 16-jährigen Fabian Ceppi ein Siebenmeter-Treffer gelang.

Standing Ovations gab es nach dem Spiel auch von den Zuschauern in der Halle. Und als Möhlin-Goalie Nicolas Bamert, der in der Schlussphase zu einem Kurzeinsatz kam, weit nach Spielschluss noch immer die Helfer dabei unterstützte, die Tribüne zu säubern, war klar: Die Kadetten gewannen zwar das Spiel, die Möhliner aber die Herzen. Sie haben dem Favoriten in einer aufgeheizten Partie so richtig eingeheizt.

3 Platzverweise in einem Spiel

Die Stimmung während des Cup-Spiels zwischen Möhlin und den Kadetten Schaffhausen war nicht nur auf den Zuschauerrängen aufgeheizt. Christoffer Brännberger und Johan Koch bei den Gästen und Florian Wirthlin, der sich mit Koch in eine waschechte Rangelei verstrickte, vom Heimteam mussten vorzeitig unter die Dusche. Wirhtlin nach dem Spiel: «Ja, was ist passiert. Ich würde sagen, wir sind kurz ins Sägemehl gestiegen.» Quasi Schwingen in der Handballhalle also. (mpr)