Schwingen
Abtretender Schwinger-Leiter: «Gewisse Talente betreiben zu wenig Aufwand»

Matthäus Huber wechselte nach Abschluss seiner Karriere auf die Funktionärsebene. Nach elfjähriger Amtszeit als Technischer Leiter im Aargauer Verband tritt er am Samstag an der DV in Unterkulm ab. Nachfolgend erzählt er von seinen Erfahrungen.

Wolfgang Rytz
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Gute Laune bei Matthäus Huber und seinem potenziellen Nachfolger, Sohn Elias. Rytz

Gute Laune bei Matthäus Huber und seinem potenziellen Nachfolger, Sohn Elias. Rytz

Matthäus Huber, was waren Ihre Höhepunkte als Technischer Leiter im Aargauer Schwingerverband?

Matthäus Huber: Da erinnere ich mich gerne an die beiden Eidgenössischen Schwingfeste 2007 in Aarau und 2010 in Frauenfeld mit je drei Aargauer Kränzen.

Was war die grösste Enttäuschung in den vergangenen elf Jahren?

Das «Eidgenössische» 2004 in Luzern, als wir Aargauer das vorhandene Potenzial nicht ausschöpften.

War der direkte Übergang vom Sägemehlring auf die Stufe Technischer Leiter schwierig?

Nein, das war sogar gut. Ich war nahe am Schwingen und an den Schwingern dran. Zuvor hatte ich einen sauberen Abschluss.

Sie erlebten aber zu Beginn harsche Kritik als Einteilungschef.

Ja, das war eine neue, nicht sehr angenehme Erfahrung. Ich bemühte mich in der Einteilung immer um eine neutrale Haltung und schonte niemanden. Der Überraschungssieg des Solothurners Ueli Emch 2006 in Zetzwil, als der Aargauer Verband sein 100-Jahr-Jubiläum feierte, war ein Lapsus.

Was ist die wichtigste Aufgabe des Technischen Leiters in einem Kantonalverband?

Die Gewichtung hat sich in den letzten Jahren verschoben. Inzwischen werden Kadertrainings für alle Schwinger verlangt. Das ist eine schwierige Aufgabe, weil das Leistungsvermögen auseinandergeht.

Wird ein Technischer Leiter nicht am sportlichen Erfolg gemessen?

Nein, der Technische Leiter ist zu weit entfernt von den Schwingern.

Wie stehts zurzeit um die Aargauer Schwinger?

Die Anzahl der Aktiven ist rückläufig, obwohl wir seit Jahren beim Nachwuchs gute Zahlen und auch viele Talente haben.

Warum musste sich der Aargau in den letzten Jahren von den Baselbietern überholen lassen?

Dort sorgten Zugpferde wie beispielsweise Andreas Henzer für Schwung. Bei den Aargauer Schwingern fehlt teilweise die richtige Einstellung, wie ich jüngst bei der Beschickung des Niklausschwingets in Dietikon wieder feststellen musste.

Warum ist das Loch zu den Spitzenschwingern so gross?

Gewisse Talente betreiben zu wenig Aufwand. Wie ich aus eigener Erfahrung weiss, muss man selber etwas unternehmen, um vorwärtszukommen. An den Wettkämpfen die Schuld der Einteilung zuzuschieben, ist zu bequem.

Was muss Ihr Nachfolger Guido Thürig anders machen?

Er vertritt eine neue Schwingergeneration, die sich gewöhnt ist, professioneller zu trainieren. Ich rate ihm, seine Erfahrungen einzubringen.

Wen sehen Sie als nächsten Aargauer Leader nach Christoph Bieri?

Da hats einige Kandidaten. Vielleicht Nik Alpiger, Tobias Widmer oder einer der jungen Freiämter.

Was sind Ihre schwingerischen Erinnerungen an Guido Thürig?

Bei meinem letzten Nordwestschweizerischen 2002 in Solothurn verlor ich gegen ihn im vierten Gang, besiegte ihn dann aber im Schlussgang.

Auch Guido Thürig kritisierte Ihre Einteilung. Welchen Rat geben Sie ihm als Nachfolger auf den Weg?

(Schmunzelt.) Ja, jetzt kommt er in dieselbe Situation. Ich rate ihm, Kritik an der Einteilung nicht persönlich zu nehmen. Eine Einteilung kann man immer anders machen.

Hat Guido Thürigs Bruder Mario nun an den nächsten Aargauer Kantonalfesten einen Vorteil?

Nein. Wenn er gewinnen will, muss er die stärksten Gegner besiegen. Wenn ihm Guido diese nicht zuteilt, schneidet er sich ins eigene Fleisch.

Ihr Sohn Elias ist vier Jahre alt. Werden Sie nun sein Privattrainer?

Dazu ists wohl noch etwas früh. Aber ich würde mich freuen, wenn er den Weg zum Schwingen findet.

Der einzige Aargauer Schwingerkönigstitel durch Max Widmer liegt 55 Jahre zurück ...

(Lacht.) Vielleicht gibts auch einen anderen Aargauer König. Der aktuelle Aargauer Präsident Markus Birchmeier hat auch einen vierjährigen Sohn.