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Die Region im Weinglas

Hiesiges Weinhandwerk ist angesagt. Heute bewirtschaften die Zentralschweizer Weinbauern rund 100 Hektaren Land. Dahinter stecken viel Wissen und Leidenschaft. Und auch eine veritable Renaissance des Schweizer Weinbaus.

Angel Gonzalo
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Inländische Weine erfreuen sich grosser Beliebtheit.

Inländische Weine erfreuen sich grosser Beliebtheit.

Bild: Getty

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war der Weinbau in der Schweiz stark verbreitet. Allein im Gebiet rund um Hitzkirch war die Jahresproduktion mit über 1,3 Millionen Litern beeindruckend gross. Wenige Jahrzehnte später war es aber schnell vorbei mit dem Weinsegen aus heimischer Provenienz. Die Reblaus brachte in dieser Zeit europaweit die Winzer zur Verzweiflung, so auch in der Schweiz. Kurioserweise wurde das Luzerner Seetal, das traditionsreichste und grösste Weinbaugebiet der Zentralschweiz, davon weitgehend verschont. Doch auch hier wurde die Weinproduktion stark gedrosselt, wenn auch aus zwei anderen Gründen: Mit der Fertigstellung des Gotthardtunnels wurde der Weinimport aus Italien schnell und günstig, worunter die heimische Produktion litt.

Die zunehmende Industrialisierung zog zahlreiche Arbeitsplätze weg von den Feldern, hin zu den Fabriken. Bis zum Jahr 1960 ging die gesamte landesweite Rebfläche von rund 33 000 auf 12 500 Hektaren zurück. Erst nach und nach verlagerte sich der Markt wieder in Richtung heimische Produktion. Die Entwicklung des Zentralschweizer Weinbaus ist eindrücklich. Die Anbaufläche hat sich in den letzten 30 Jahren auf rund 100 Hektaren vervielfacht. Der Klimawandel ist für diese Tendenz mitverantwortlich: Der Blütezeitpunkt der Reben hat sich um 14 Tage nach vorne verschoben. Heute herrschen in unserer Gegend bezüglich Sonnenscheindauer und Temperatursumme ähnliche klimatische Bedingungen wie vor 30 Jahren in Bellinzona. Das ist mitunter ein Grund, warum etwa die sonnenverwöhnte Merlot- Traube nun auch in unseren Breitengraden gut gedeiht. Die Produktepalette in der Zentralschweiz ist reichhaltig und umfasst über 40 Sorten mit der Bezeichnung AOC Luzern, die zu rund 200 verschiedenen Lageweinen verarbeitet werden. Dabei dominieren die beiden Rebsorten Pinot Noir und Risling-Sylvaner. Die Vielfalt ist gross, die Menge respektabel und die Qualität ist heute aufgrund einer zunehmenden Professionalisierung deutlich gestiegen.

Gut organisierte Winzer

Heute sind über 150 Einzel-, Paar- und Kollektivmitglieder im Zentralschweizer Weinbauverein ZWV organisiert. Hier sind die beruflichen Weinproduzenten und die Bewirtschafter von Kleinläden bis 400 Quadratmetern aus den Kantonen Luzern, Zug, Uri, Nidwalden, Obwalden und Schwyz (ohne March und Höfe) zusammengeschlossen. Bislang haben die Produzenten der Zentralschweiz zahlreiche Erfolge an verschiedenen Weinprämierungen errungen – ihre Weine bestehen nationale und internationale Vergleiche. Toni Ottiger, der Zentralschweizer Weindoyen, hat es als einziger Luzerner Vertreter in die renommierte Vereinigung «Mémoire des Vins Suisses» geschafft. Dahinter steckt eine Institution, die das Ansehen hochwertiger Schweizer Weine international gezielt fördert. So weist die Vereinigung etwa auf das vielfach noch verkannte Alterungspotenzials hin, das grosse Weine auszeichnet. Die Mitglieder – derzeit sind es über fünfzig – sind anerkannte, repräsentative Produzenten von Schweizer Weinen, die aufgrund der Qualität und des Potenzials ihrer Weine ausgewählt werden. Der Erfolg des erfahrenen Winzers Toni Ottiger ist repräsentativ für die Zentralschweiz, die nach dem Motto «klein, aber fein» herausragende Weine produziert. Na dann, zum Wohl!

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