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Zecken und Milben – Plagen aus dem Gras

Im Wald, auf Wiesen und selbst in den Bergen drohen unangenehme, in seltenen Fällen sogar gefährliche Infektionen. Wie kann man sich schützen?

Lajos Schöne
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Lange Kleidung und geschlossene Schuhe sind der beste Schutz vor Zecken; Sprays helfen eher wenig.

Lange Kleidung und geschlossene Schuhe sind der beste Schutz vor Zecken; Sprays helfen eher wenig.

Bild: Getty

Naturbegegnungen sind essenziell für den Menschen. Wir brauchen Wildnis. Doch es gibt auch unangenehme Begegnungen – zum Beispiel mit Zecken, die ihren Namen «Gemeiner Holzbock» zu Recht tragen.

Zecke auf der Haut.

Zecke auf der Haut.

Bild: Getty

Zecken (Ixodes ricinus) haben zwischen April und November «Saison». Sie lauern auf Gräsern, Sträuchern und Büschen bis zu einer Höhe von 1,5 Metern auf ihre Opfer. Die Anzahl der Zecken in den verschiedenen Höhenlagen schwankt je nach Wetter von Jahr zu Jahr. In den letzten Jahren scheinen die Zecken aber höher zu steigen – sogar bis 2000 Meter über Meer.

Zecken sind keine Kostverächter: Sie besiedeln mehr als 300 verschiedene Wirtstierspezies, von der Eidechse über Vögel, Kleinnager bis zu Kühen oder Hirschen. Ihr typischer Lebensraum in Europa umfasst Laub und Mischwälder, Waldwege, Parkanlagen und naturnahe Gärten. Zecken benötigen für ihre Entwicklung das Blut von Wirbeltieren. Beim Stechen und Saugen können sie mit ihrem Speichel gefährliche Krankheiten übertragen.

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Die FSME ist die bedeutendste von Zecken übertragbare Virusinfektion in Europa. In der Schweiz wurde im Jahr 2020 mit 455 FSME-Erkrankungen ein neuer Höchstwert an Ansteckungen erreicht – es waren also 0,005 Prozent der Bevölkerung betroffen. Bis Ende Mai des laufenden Jahres wurden vom BAG 45 Fälle von FSME registriert.

Der FSME-Erreger ist ein Virus, das in den Zecken bestimmter Gebiete gehäuft vorkommt. Es zählt wie z. B. Dengue-, Gelbfieber oder Zika-Virus zur Gattung der Flaviviren. Gelangt es beim Stechen mit dem Speichel des Tieres in die Blutbahn, kann es eine Entzündung des zentralen Nervensystems verursachen. Sieben bis vierzehn Tage nach dem Zeckenstich treten Beschwerden auf, die einer Sommergrippe ähneln: Müdigkeit, leichtes Fieber, Kopfschmerzen, Magendrücken. Bei den meisten Betroffenen klingen die Symptome ohne Folgen ab. In jedem zehnten Fall flammt jedoch die Krankheit nach einer Woche Pause wieder auf, und es folgen die spezifischen neurologischen Manifestationen der FSME (Meningitis, Enzephalitis, Myelitis). Schätzungen zufolge verläuft ein hoher Anteil der Infektionen (70 bis 95 Prozent Dunkelziffer) jedoch asymptomatisch, oder die zweite Krankheitsphase bleibt aus. In den seltenen Fällen, in denen sich die Infektion manifestiert, endet sie in 0,5 bis 2 Prozent der Fälle tödlich. Das wäre ungefähr alle zwei bis drei Jahre ein Todesfall in der Schweiz.

Trotz der geringen Gefahr empfiehlt das BAG allen Einwohnern der Schweiz (ausser Genf und Tessin), die im Rahmen von Freizeitaktivitäten oder beruflich zeckenexponiert sind (Wälder, Waldränder, Hecken, Büsche usw.), die FSME-Impfung. Bei Kindern unter sechs Jahren ist laut BAG eine Impfung im Allgemeinen nicht notwendig, da schwere Erkrankungen in dieser Altersgruppe selten sind; sie ist aber ab einem Jahr möglich.

Die Borreliose (Wanderröte)

Die Borreliose wird auch Lyme-Krankheit oder Erythema migrans genannt, zu Deutsch: Wanderröte. Die Erreger sind verschiedene Spezies von Bakterien des Genus Borrelia. Zwischen 5 und 35 Prozent aller Zecken sind mit diesen Er­regern verseucht, und zwar nicht nur in bestimmten Gegenden wie von den FSME-Viren, sondern überall in der Schweiz, in Deutschland und Österreich.

Die monatlichen Arztbesuche wegen Borreliose verlaufen in der Schweiz wellenförmig mit einem Gipfel in der warmen Jahreszeit und liegen zwischen 400 und 2500 pro Jahr. Bis Ende Mai des laufenden Jahres wurden laut BAG 1300 Fälle hochgerechnet.

Die Lyme-Borreliose ist eine entzündliche Multisystemerkrankung. Sie kann verschiedene Organe betreffen, am häufigsten Haut, Nervensystem und Gelenke. Das mit 80 bis 90 Prozent aller Fälle häufigste Symptom ist das Erythema mi­grans, auch Wanderröte genannt. Sie zeigt sich als kreisrunder Hautausschlag, der sich nach einigen Tagen rund um die Einstichstelle bildet und sich nach aussen hin ausbreitet. Das Erythema migrans ist deutlich abgegrenzt und kann bis zu zehn Zentimetern Durchmesser haben.

Borreliose gilt als eine effizient therapierbare Erkrankung mit einer guten Prognose. Wird die Krankheit jedoch nicht frühzeitig mit Antibiotika behandelt, kann es noch nach Jahren chronisch verlaufende Spätsymptome geben: lang andauernde, schmerzhafte Gehirn- und Nervenentzündungen, Gelenks- und Herzentzündungen und Lähmungen.

Eine Impfung gegen Borreliose gibt es bislang nicht. Die FSME-Impfung wirkt nur gegen die FSME-Viren, nicht jedoch gegen die bakteriellen Erreger der Wanderröte.

Milben – das grosse Kratzen nach dem Wandern

Je nach Unterart, Standort und Witterung können Milben von März bis November die Haut befallen. Gemeint sind verschiedene Arten von Laufmilben, medizinisch Trombikuliden, lateinisch Trombiculidae. Die in Mitteleuropa häufigste Art ist die Herbstmilbe (Neotrombicula autumnalis).

Milben durchlaufen in ihrer Entwicklung mehrere Stadien. Zur stechenden Plage zwischen Juli bis Oktober werden nur ihre winzigen, rot-orangen Larven, die auf Gräsern, Sträuchern, Buchenhecken nicht höher als 20 Zentimeter über dem Boden hausen. An warmen Tagen werden sie besonders aktiv, vor allem am Spätnachmittag, etwa zwischen 16 und 18 Uhr.

Normalerweise leben die Milbenlarven auf Mäusen, Maulwürfen, bodenbrütenden Vögeln und Haustieren. Oft findet man sie zu Hunderten auf einer einzigen Maus. Wenn sie sich auf den Menschen verirren, suchen sie zur Nahrungsaufnahme vor allem Falten und Anliegeflächen enger Kleidung auf.

Die Milben sind im Grunde harmlos, da sie keine Krankheiten übertragen. Sie laben sich nicht direkt am Blut, sondern lösen mit ihrem Speichel das Gewebe punktuell auf, so dass sie die entstehende Gewebsflüssigkeit und Lymphe aufnehmen können. Nach dem Saugen, was einige Stunden dauern kann, lassen sie sich abfallen. An der Stichstelle entsteht durch eine ausgeprägte Immunreaktion ein flaches Hautknötchen.

Etwa 36 Stunden nach dem Stich fängt der Juckreiz an. Durch das Kratzen wird die Milbe, wenn sie noch saugt, in der Regel zerstört. Die winzigen Mundwerkzeuge bleiben jedoch meist in der Haut zurück und verursachen eine Fremdkörperreaktion. Dadurch verlängert sich der Juckreiz auf die Dauer von zehn bis 14 Tage, bis durch die Erneuerung der obersten Hautschicht auch die letzten Milbenreste abgestossen werden.

Antihistaminika zeigen meist nur sehr wenig Wirkung. Linderung bringen intensives abendliches Waschen oder Duschen und der tägliche Wechsel der Unterwäsche.

Lange Hosen und feste Schuhe schützen

Theoretisch könnte man Zeckenstiche und Milbenbefall durch vollkommen geschlossene Kleidung, z. B. lange Hosen, langärmelige Hemden und festes Schuhwerk, weitgehend verhindern. Praktisch ist dies in den heissen Monaten kaum möglich. Repellentien sind hilfreich, ihre Wirksamkeit ist jedoch begrenzt.

Deshalb ist es besonders wichtig, den Körper nach einem Aufenthalt auf verdächtigen Flächen gründlich nach Zecken abzusuchen. Besonders häufig verkriechen sich die Blutsauger in Knie- und Achselhöhle und in die Leistenbeuge. Bei Kindern finden sie sich auch oft am Haaransatz hinter den Ohren und im Genitalbereich. Auch Haustiere sollten abgesucht werden. Speziell Hauskatzen scheinen aufgenommene Zecken an ihre Besitzer weiterzugeben.

Entdeckt man eine Zecke, so sollte man sie mit einer Zeckenzange, einer Pinzette oder den Fingernägeln so nahe wie möglich an der Haut greifen und mit einem Ruck herausziehen. Nicht quetschen und auch nicht drehen – Zecken haben kein Gewinde: Ihr beissendes Mundwerkzeug enthält sägeblattartige Widerhaken. Beim Herumdrehen könnte zusätzlich infektiöser Speichel in die Haut gelangen und so die Infektionsgefahr erhöhen. Werden Zecken früh entfernt, ist das Infektionsrisiko sehr gering.

Hat jemand beim Wandern oder beim Sitzen oder Liegen im Gras Herbstmilben eingefangen, ist schnelles Handeln geboten. Es empfiehlt sich, nach der Heimkehr zu Duschen und die Kleider zu wechseln. Zur Linderung des Juckreizes und Verhinderung von Sekundärinfektionen, die meistens für länger anhaltende Reaktionen verantwortlich sind, empfiehlt sich das sofortige Einreiben der Stichstellen mit 70-prozentigem Alkohol oder speziellen, Juckreiz stillenden Mitteln aus der Apotheke.

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