Eine echte Chance können sich die vier verbleibenden Kandidaten, Brigit Wyss (Grüne), Roland Heim (CVP), Roland Fürst (CVP) und Remo Ankli (FDP) nämlich nur ausrechnen, wenn es ihnen gelingt, über die eigene Partei hinaus, tüchtig Stimmen zu sammeln. Wie die Panaschierstatistik zeigt, haben dies alle vier – die alle neben dem Regierungsrat auch für den Kantonsrat kandidierten – geschafft. Gerade auch aufgrund ihrer Doppelkandidatur liegen sie bei der Anzahl Fremdstimmen unter den ersten fünf Plätzen aller Kantonsratskandidaten.

Roland Heim: Kandidat der Mitte

Brigit Wyss und Roland Heim positionieren sich mit einem Fremdstimmenanteil von 31,3 Prozent bzw. 29,3 Prozent dabei doch recht deutlich vor Roland Fürst (23,3 Prozent) und Remo Ankli (22,8 Prozent). In absoluten Zahlen am meisten Fremdstimmen holte indes Roland Fürst, dessen Name in seinem Wahlkreis Olten-Gösgen 2079-mal auf den Listen anderer Parteien stand. In ihrem etwas kleineren Wahlkreis Solothurn-Lebern kommen Brigit Wyss und Roland Heim auf 1598 bzw. 1431 Fremdstimmen. Und im kleinsten Wahlkreis Dorneck-Thierstein holte der Schwarzbube Remo Ankli immerhin stolze 1370 Fremdstimmen. Knapp vor ihm liegt nur noch FDP-Mann Kuno Tschumi, der in der Amtei Bucheggberg-Wasseramt 1384 Stimmen erzielte.

Analysiert man die Herkunft der Fremdstimmen, springt bei der grünen Brigit Wyss vor allem ihre hohe Beliebtheit bei der SP ins Auge – ein Wählersegment, auf das sie im zweiten Regierungsratswahlgang keineswegs verzichten kann. Roland Heim verfügt – im Vergleich zu seinen drei Herausforderern – in allen politischen Lagern über eine stattliche Zahl an Sympathisanten und empfiehlt sich dadurch als Kandidat der Mitte. Sein Parteikollege Roland Fürst spricht indes deutlich die Wählenden aus dem rechts-bürgerlichen Lager an. Ebenfalls in diesen Kreisen holt auch FDP-Mann Remo Ankli einen beachtlichen Teil seiner Fremdstimmen. Auffallend ist zudem der hohe Anteil der CVP-Stimmen – eine Reverenz an den katholischen Theologen und den in konservativen Kreisen verankerten Politiker.

SVP setzt vor allem auf FDP

Im Hinblick auf den zweiten Regierungsratswahlgang ist weiter auch interessant, die Wählerströme zwischen den Parteien zu analysieren. Auffallend ist hier etwa, dass die Grünen ganze 19 845 Stimmen von anderen Parteien erhalten, was einem Anteil von 16,5 Prozent der erzielten Parteistimmen entspricht. Und: Deutlich mehr als die Hälfte der Fremdstimmen (11170 Stimmen) erhalten die Grünen von den Sozialdemokraten. Bei den SP-Wählerinnen und -Wählern stehen FDP und CVP wesentlich weniger, aber gleich hoch im Kurs.

FDP und CVP wiederum neutralisieren sich mit je rund 10 200 Fremdstimmen, schenken sich also gegenseitig gleich viele Stimmen. Die FDP verliert weniger als einen Drittel ihrer Stimmen an die CVP, während diese gut zwei Fünftel ihrer Stimmen an die FDP abgibt. Der Freisinn holt bei der SVP doppelt so viele Stimmen wie die CVP. Und auch die Grünliberalen und die BDP verschenken an die FDP mehr Stimmen als an die «Schwarzen».

GLP bevorzugt SP und FDP

Die CVP will im Kantonsrat wieder mit der GLP und EVP sowie neu mit der BDP eine Fraktionsgemeinschaft bilden. Mit 29 Mandaten wäre dies im 100-köpfigen Parlament die stärkste Fraktion. Auswertungen zeigen, dass sich die Parteien in vielen Belangen inhaltlich nahestehen. Offenbar jedoch kommt dies bei den Wählern nicht an. So wandern wie schon bei den letzten Kantonsratswahlen vor vier Jahren mehr grünliberale Stimmen zur SP. Und wie gesagt, steht die FDP den GLP-Wählern näher als die CVP. BDP und EVP holen bei den Grünliberalen weniger Stimmen als die SVP. Umgekehrt wird die GLP mehr von der FDP und der SP unterstützt als von der CVP.

Die BDP holt beim Freisinn ebenfalls mehr Stimmen als bei der CVP. Und der EVP-Wähler? Ihm steht die CVP nach der SP am Zweitnächsten. Dann kommen die FDP, die Grünen und dann erst die Grünliberalen. Deutlich zeigt sich in Hinblick auf eine Fraktionsgemeinschaft der Graben zur BDP, die von der EVP sogar noch weniger Stimmen erhält, als die SVP.

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