Selzach
Zwei tote Rehe innerhalb von vier Stunden waren zu viel

Die Mitglieder der Jagdgesellschaft Selzach-Stallflue machen sich Sorgen um den Wildbestand. Immer mehr Rehe werden überfahren. Ein Duftzaun soll für Abhilfe sorgen.

Rahel Meier
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Ignaz Zumstein (links) und Hansruedi Meister vor den Merktafeln für den Duftzaun. Sie wollen damit die Spaziergänger sensibilisieren. rm

Ignaz Zumstein (links) und Hansruedi Meister vor den Merktafeln für den Duftzaun. Sie wollen damit die Spaziergänger sensibilisieren. rm

Solothurner Zeitung

Die Jagdgesellschaft Selzach-Stallflue betreut ein Gebiet von einer Grösse von total 975 Hektaren. Rund 502 Hektaren sind Feld, 473 Hektaren sind Wald.

Im Revier wurden im letzten Jahr 41 Rehe gezählt – das heisst, dass es zwischen 50 bis 60 Rehe hat. «Der Rehbestand hat in den letzten Jahren stark abgenommen», erklärt Jagdleiter Ignaz Zumstein. «Wir schiessen nur noch etwa ein Drittel so viele Tiere wie vor sechs bis acht Jahren», ergänzt Jagdaufseher Hansruedi Meister.

Der Rückgang des Wildbestandes hat verschiedene Gründe. Einer sei sicher der Luchs, der sein Revier oberhalb von Selzach habe. Er reisst des Öfteren Rehe. Hansruedi Meister kann dies mit Fotos belegen. «Die Rehe werden vom Luchs in die Ebene getrieben.» Und wenn es in der Ebene mehr Rehe habe, würden sich diese ihr Futter immer öfter auch südlich der T5 suchen. Vor allem Raps mögen die Tiere besonders. Ein weiterer «Wildkiller» sei der Zug. Das Rollmaterial werde immer leiser. Stünde ein Reh auf den Geleisen, dann sei es für den Lokführer meist unmöglich, rechtzeitig zu bremsen.

Duftzaun soll abschrecken

Ein anderer Grund ist für Zumstein und Meister klar. «Immer mehr Wildtiere werden überfahren.» Jährlich würden rund sechs Rehe auf der T5 unter die Räder kommen. Aber auch auf der Bettlachstrasse kommt es vermehrt zu Zusammenstössen zwischen Autos und Wild. «Wir haben schon öfter beobachtet, dass auf der Bettlachstrasse zu schnell gefahren wird.» Nachdem vorletzte Woche innerhalb von 24 Stunden gleich zwei Rehe überfahren wurden, hat die Jagdgesellschaft nun reagiert.

Auf einer Länge von 500 Metern wurde entlang der Bettlacherstrasse, zwischen Grabachern und Sagi, ein Duftzaun aufgebaut. 100 selbst hergestellte Metallstecken, an denen Körbchen hängen, wurden montiert. Die Körbchen sind mit einem speziellen Schaumstoff gefüllt und dieser wird mit einem Duftstoff geimpft. «Laut Hersteller duftet es nach Mensch, Bär, Luchs und Wolf. Das schreckt die Rehe ab.

Sie zögern, bleiben stehen, und wenn dann noch das Geräusch eines Fahrzeuges dazu kommt, dann rennen sie nicht über die Strasse und vor das Auto.» In der Region Langenthal hätten die Jäger gute Erfahrungen gemacht. «Die Unfälle konnten um über 80 Prozent vermindert werden.» Der Duftzaun müsse aber unterhalten werden. Das heisst, dass der Duftstoff rund alle drei Monate erneuert werden muss.

Unfall unbedingt melden

Zumstein und Meister machen gleichzeitig darauf aufmerksam, dass ein Zusammenstoss mit einem Wildtier immer bei der Polizei gemeldet werden sollte. «Vor allem wenn das Tier nicht tot ist, sondern sich vielleicht noch verletzt in den Wald gerettet hat, muss es gesucht werden.» Nach jedem Zusammenstoss mit einem Wildtier rückt der Jagdaufseher aus. Dies sei vor allem auch im Frühjahr wichtig. Ein Rehkitz könne ohne Mutter nicht überleben. Denn nicht nur die Rehe, die überfahren werden, würden später im Bestand fehlen, sondern auch deren Nachwuchs. Eines der Tiere, das vor zwei Wochen an der Bettlachstrasse überfahren wurde, war trächtig und hätte zwei Kitze geboren. «Das sind dann insgesamt schon vier Tiere.»