Elektrizität
Zuerst bezahlen, erst dann fliesst der Strom

Vor wenigen Tagen gab das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich eine «Neuerung» bekannt: Säumigen Stromrechnungszahlern wird ab Sommer 2011 ein Prepaid-Zähler montiert. Ab dann wird es heissen: erst Kohle, dann Strom.

Franz Schaible
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Steckdose: Nur wer bezahlt, bekommt den Strom geliefert

Steckdose: Nur wer bezahlt, bekommt den Strom geliefert

Keystone

«Alter Wein in neuen Schläuchen», sagt dazu Ulrich Münch, Leiter Bereich Strom bei der AEK Energie AG in Solothurn. Der Stromversorger von überb 30 Gemeinden in der Region habe solche Vorauszahlungszähler schon vor längerer Zeit eingeführt. Ebenfalls die Regio Energie Solothurn (RES) betreibt seit fünf Jahren das Inkasso bei säumigen Zahlern mit diesem System.

Wie in Zürich, in Bern und in vielen weiteren Gemeinden und Städten verschlechtert sich auch in der Region Solothurn die Zahlungsmoral unter den Strombezügern. Ein Grund kann sein, dass die Energiekosten das Haushaltbudget aufgrund der generell gestiegenen Preise stärker belasten. So heisst es etwa im Geschäftsbericht 2009 der Regio Energie: «Im Berichtsjahr mussten vermehrte Inkassobemühungen im Privatkundensektor verzeichnet werden.»

Zahl der Mahnungen nimmt zu

Die Zahl der Mahnungen nehme stetig zu, bestätigt RES-Sprecherin Sandra Hungerbühler. Dies führe dann dazu, dass bei einzelnen Stromkunden Prepaid-Zähler montiert werden. «Die grosse Mehrheit unserer Kunden zahlt aber die Rechnung fristgerecht», betont Hungerbühler. So seien aktuell nur gerade zwei Prepaid-Systeme aktiv. Die RES beliefert aber insgesamt über 12000 Kunden in der Stadt Solothurn mit Elektrizität.

Auch bei der AEK sind solche Vorauszahlsysteme nicht «courant normal». Nach Angaben von Ulrich Münch sind aktuell 70 solcher Zähler installiert. Insgesamt beliefert der Versorger 38000 Kunden mit Strom. Zuerst werde aber immer das persönliche Gespräch mit den säumigen Stromrechnungszahlern gesucht, um die Gründe zu erfahren, umschreibt Münch die Geschäftsphilosophie. Wer nur einmalig ein Zahlungsproblem habe, dem werde eine individuelle Lösung angeboten. Wenn aber etwa aus reiner Nachlässigkeit und nicht aus finanziellen Gründen die Rechnungen regelmässig zu spät oder gar nicht bezahlt werden, dann sei ein PrepaidZähler angezeigt.

Stromkreditkarte aufladen

Ein solcher Zähler liefert nur noch dann Strom, wenn der Kunde vorgängig beim Stromversorger genügend Energie «eingekauft» hat. Dazu kann er die «Stromkreditkarte» beim Versorger aufladen. Wenn das Guthaben aufgebraucht ist, stellt der Stromfluss automatisch ab. Die Kosten für die Installation und allfällige Mehraufwendungen sind vom säumigen Kunden zu bezahlen.

Wenn Mahnungen, Gespräche und alternative Zahlungsmöglichkeiten nichts fruchten, kann es zur «extremsten Massnahme, jene des Stromabschaltens», führen, erklärt RES-Sprecherin Sandra Hungerbühler. «Diese Massnahme müssen wir rund 100-mal im Jahr ergreifen.» Bei Gewerbekunden werde in der Regel aber auf die Prepaid-Karte gesetzt. Die Folgen einer Stromabschaltung wären beispielsweise bei einem Gastronomiebetrieb massiv.

Rund in zehn Fällen pro Monat muss die AEK bei Kunden den Strom abstellen, wie Ulrich Münch meldet. «Schliesslich müssen wir niemandem Strom liefern, wenn er die Rechnungen dafür nicht bezahlt.» Auch er spricht vom «letzten Schritt», wenn alle anderen Massnahmen nichts bringen. «Die Wirkung ist mit dieser Massnahme eindeutig am grössten.»

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