In gut zwei Wochen beginnt in Solothurn eine neue Ära. Die Erwartungen an Sie, die neue Direktorin der Filmtage, sind gross. Steigt Ihre Nervosität?

Seraina Rohrer: Nervös bin ich noch nicht, vielmehr plange ich auf meine erste Festivalausgabe und freue mich auf die Begegnungen mit dem Publikum und den Filmschaffenden.

Keine Angst, dass Sie die Erwartungen nicht erfüllen könnten?

Ich habe grossen Respekt von der Herausforderung. Ich durfte aber von Ivo Kummer ein eingespieltes und erfahrenes Team übernehmen. Ein Festival steht und fällt mit dem Team.

Wie waren die Reaktionen auf Ihr erstes Programm?

Bis jetzt habe ich viele positive Rückmeldungen erhalten. Es gibt aber immer auch Leute, die enttäuscht sind. Vor allem diejenigen, deren Film abgelehnt wurde – was ja verständlich ist.

Was ist der Unterschied zwischen Ihnen und Vorgänger Ivo Kummer?

Ivo hat die Filmtage 20 Jahre lang geprägt. Ich war bisher Besucherin und bin rund 20 Jahre jünger. Das hat Vor- und Nachteile. Einerseits bringe ich einen frischen Blick und neue Ideen mit, anderseits habe ich weniger Routine. Auch ich werde an den Solothurner Filmtagen Wert darauf legen, die Vielfalt des Schweizer Films zu zeigen und Diskussionen auszulösen.

Sie haben 700 Filme gesehen. Tun Sie sich das auch im kommenden Jahr an?

Auf jeden Fall! Die Sichtung der Filme war ein Highlight, und ich freue mich schon jetzt auf die nächste Runde.

Dann wollen Sie Direktorin bleiben?

Mein Credo ist: Plane nie zu weit voraus, denn es kommt immer anders. Trotzdem ist für mich klar, dass ich mindestens fünf Jahre brauche, um meine Ziele umzusetzen.

Was macht den Schweizer Film einzigartig? Was die Solothurner Filmtage?

Filme sind Spiegel unserer Gesellschaft. Besonders gelungen finde ich sie dann, wenn sie Diskussionen anregen. Diese Filme machen die Solothurner Filmtage aus. Solothurn ist seit über 45 Jahren ein Ort der Begegnungen und Debatten über Schweizer Identitäten.

Wo stehen die Filmtage in zehn Jahren?

Ich bin überzeugt, dass die Filmbranche und die Auswertung in zehn Jahren an einem ganz neuen Punkt stehen werden. Die Solothurner Filmtage werden als Werkschau des Schweizer Films wichtiger denn je. Und da ich eine Optimistin bin, gehe ich davon aus, dass nebst vielen Schweizer Gästen in zehn Jahren auch viele internationale Gäste nach Solothurn pilgern werden, um hier das neue, aufregende und radikale Schweizer Filmschaffen zu entdecken.