Bucheggberg
Wo die wilden Räuber durchs Unterholz streiften

Lesen Sie hier von drei Eidgenossen, springenden Kräutern und Monokulturen – so war die dritte und letzte Etappe der Waldwanderung.

Christof Ramser
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Wanderung Bucheggberg
6 Bilder
Immer wieder lädt ein Bank zum Verweilen ein
Wald im Bucheggberg
Aussicht vom Wolftürli
Spinnennetze
Erdbeere und Esche auf einem Kirschbaum

Wanderung Bucheggberg

Solothurner Zeitung

Toni Andres biegt scharf rechts ab vom schmalen Pfad, bahnt sich den Weg durchs dichte Gestrüpp, vorbei an einigen mächtigen Buchen. Immer mit dem Blick zum Boden, damit er mit den schweren Schuhen die Pilze nicht zertrampelt. «Das sind Steinpilze. Die wachsen sonst fast nirgends mehr.» Vor einem steilen Abhang bleibt er kurz stehen und schlittert dann hinunter. Kurz bevor der Grund unter den Füssen verschwindet, verkantet er die schweren Schuhe und reisst eine Bremsspur in den feuchten Waldboden. Er zeigt in die Tiefe. «Das dort unten ist das Marmeliloch.»

Wir sind im Quellgebiet von Unterramsern. Toni Andres kennt die Gegend, kennt die Bäume in den Bucheggberger Wäldern. Manche von der Wurzel bis zum Wipfel. Schon als Bub streifte er nach der Schule hier durch, später als Forstwart-Lehrling, und nach einem Intermezzo in der Zuchwiler Sulzer seit über 20 Jahren wieder als Forstwart. Nächstes Jahr wird Toni Andres pensioniert.

Panoramatafel schafft Abhilfe

Die erste Station auf dieser dritten und letzten Etappe des Waldwanderwegs, die von Aetigkofen zurück zum Schloss Buchegg führt, ist das Alpenpanorama auf dem Weg zum Gebiet Egg, südlich von Aetigkofen. Dort hat Thomas Andres, Anton Andres Sohn, auf einer Metallplatte die Schneegipfel vom Titlis bis zum Widdergalm aufgemalt. Wenn der Nebel das natürliche Panorama verhüllt, wie so oft in diesen Tagen, bietet diese Tafel zumindest einen Ersatz.

Ostwärts verlassen wir die Teerstrasse in den Wald hinein in Richtung «Rüteli», wo sich die hohle Gasse bei starkem Regen in einen Bach verwandelt. Rechts abseits dieses Pfades, der die Hauptstrasse nach Brittern überquert und dann zum «Wolftürli» führt, liegt etwas versteckt das «Marmeliloch». Unübersehbar sind auf dem ganzen Weg die zahlreichen Sitzbänke, die in unregelmässigen Abständen am Wegrand stehen. Die meisten davon hat Toni Andres gebaut. «Einmal haben mich zwei Spaziergängerinnen gefragt, ob ich nicht auch im Mülitäli, auf ihrem ‹Lieblingskehr›, eine Sitzgelegenheit hinstellen könnte. Eine Woche später stand das Bänkli dort.» Eine Art Heinzelmännchen im Bucheggberger Wald also? Andres winkt ab. «Das ist ein Hobby. Ich habe zu Hause eine kleine Schreinerei eingerichtet.»

Dauerwald und Neophyten

Toni Andres bereitet anderen gerne Freude. Aber manchmal wird seine Grosszügigkeit auch ausgenützt. So haben kürzlich Jugendliche, die im Mülitäli ein Lager durchgeführt haben, bei einem Grillplatz randaliert. «Sie haben mein selbst gebautes Cheminéee kaputtgemacht und die Steinplatten in den Bach geworfen.» Aber eigentlich erzählt er lieber von den schönen Seiten des Waldes. Von den «drei Eidgenossen» etwa, die oberhalb von Brittern aus einem Strunk gewachsen sind und 150 Jahre Wind und Wetter getrotzt haben. Oder von der mächtigen Eiche, die beim «Wolftürli» als eine der höchsten Bäume in der Gegend alle anderen überragt. Der Forstwart ist ein Befürworter des naturnahen Dauerwaldes, in dem sich strukturreiche Baumbestände entwickeln können. «Wir haben in den letzten Jahren den Wald stark verjüngt. Alle Baumgenerationen sollen vertreten sein.» Früher wurden Monokulturen gepflegt. Davon zeugen noch ausgeprägte, alte Fichtenbestände. Doch wo der Jungwuchs fehlt, fangen die Förster nach einem Sturm bei Null an.

Weniger gut gefallen im die Neophyten, die auf dem Weg Richtung «Öfeli» am Wegrand stehen. «Bis zu drei Meter hoch schiesst dieses Springkraut zuweilen», weiss Toni Andres. Zusammen mit Helfern wie Hans Neeracher oder Willy Stuber, die sich um den Zustand des Waldwanderwegs kümmern, reisst er die Pflanzen schon mal aus, um die weitere Verbreitung zu verhindern. Weiter führt der Weg zum Chibberghölzli und zu einem alten Kirschbaum. «Hier sind wir als Buben oft draufgesessen», sagt Toni Andres. Er schaut den alten Baum genauer an und sieht, dass mitten auf dem Stamm Erdbeeren und eine junge Esche wachsen.

Nur eine von vielen kleinen und grossen Besonderheiten, die der Bucheggberger Wald für den bietet, der die Augen aufmacht und die Ohren spitzt. Nach rund zwei Stunden kommen wir zurück zum «Buechischlössli», den Ausgangspunkt, und damit zum Ende des Waldwanderwegs.

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