Sex-Pfarrer
«Wir unterstützen ihn – egal, was der Bischof sagt»

Der Kirchgemeindepräsident Max Nützi und der Rat der römisch-katholischen Kirchgemeinde Kappel-Boningen wollen den von Bischof Gmür wegen einer Affäre zur Demission aufgeforderten Pfarrer Paul Okeke behalten.

Karin Schmid
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Sex-Pfarrer Paul Okeke

Sex-Pfarrer Paul Okeke

AZ

Die Rücktrittsaufforderung von Bischof Felix Gmür an Pfarrer Paul Okeke, nachdem dessen seinerzeitiges sexuelles Verhältnis mit der Pfarreisekretärin öffentlich wurde, ist Balsam in deren Ohren und denen ihres Ehemanns. Dieser lässt in ihrer Abwesenheit ausrichten: «Der Bischof hat die Sache so gesehen wie wir und genau das gesagt, was wir wollten.»

Beim von Max Nützi präsidierten Rat der römisch-katholischen Kirchgemeinde Kappel-Boningen stösst der Entscheid des Bischofs hingegen auf gar keine Gegenliebe. Pfarrer Paul Okeke sei «weit herum in der Region bekannt und hat seine Arbeit von pastoraler Seite her gut gemacht», so Nützi, Der Kirchgemeinderat will, dass der Geistliche aus Nigeria weiterhin Pfarrer in Kappel und Boningen bleibt.

Nach Bischof Felix Gmürs Aufforderung, bis zum 14. April zu demissionieren, hat Paul Okeke am Donnerstagabend eine zweiwöchige Auszeit genommen. «Wenn er sich entscheidet zu bleiben, stehen wir hinter ihm und unterstützen ihn voll, egal was der Bischof sagt», hält Nützi fest.

«... sonst tritt der Rat zurück»

Ihm gegenüber habe der Bischof gesagt, er werde die Rücktrittsforderung nicht nicht zurücknehmen, erzählt Max Nützi. Felix Gmür habe ihm jedoch versprochen, dass er für ein Gespräch mit dem Kirchgemeinderat Kappel-Boningen bereit sei, wenn Paul Okeke bleiben wolle. Der Kirchgemeindepräsident gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass der Bischof «die Sympathiewelle, die in der Kirchgemeinde momentan für den Pfarrer zu spüren ist, berücksichtigt».

Allerdings liegt die Entscheidung nicht bei der Kirchgemeinde, sondern beim Bistum Basel. Die Verantwortlichen der Kirchgemeinde können dem Bistumsvertretern nur «melden, wenn in der Pfarrei «etwas nicht stimmt», so Nützi. Was ihm und den Mitgliedern des Kirchgemeinderats sauer aufstösst, ist der Umstand, dass «wir vor dem 22. Februar vom Bistum nicht eingeladen wurden, unsere Meinung zum Fall darzulegen, die Frau aber schon. An dieser Sitzung bekamen wir zu hören, was sie Paul Okeke vorwirft».

Das sei im Kirchgemeinderat etwas missverstanden worden, sagt Max Nützi. Er gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass «wir den Rank mit dem Bistum finden, denn sonst zieht der Kirchgemeinderat in Erwägung zurückzutreten». Einige Mitglieder machen sich nach Aussagen des Präsidenten nämlich Gedanken darüber, ob sie zurücktreten wollen, «wenn sie nur noch darüber entscheiden dürfen, ob der Rasen gemäht werden soll».

«Paul Okeke bis 2013 bleiben lassen»

Dem Zölibat steht Max Nützi kritisch gegenüber: «Damit sollte man endlich etwas wagen. Wenn es daran scheitert, einen Pfarrer zu finden, dann stimmt etwas nicht.»

Zurück zur Seelsorge in Kappel und Boningen: Pfarrer Paul Okekes Stellvertretung am kommenden Wochenende hingegen ist geregelt. Laut dem Kirchgemeindepräsidenten übernimmt diese Aufgabe der Pfarrverantwortliche von Niedergösgen, Jürg Schmid. Max Nützis Ziel wäre, dass «Paul Okeke bis zum Ende der Amtsperiode 2013 bleiben kann». Er kündigte gestern an, den Fall nötigenfalls bis nach Rom weiterzuziehen, sollte Bischof Felix Gmür Okeke nicht bleiben lassen. «Damit würde sich die Sache um zwei Jahre verzögern.» Womit der Zeitplan des Kirchgemeindepräsidenten aufginge.