Sie sind in Solothurn geboren. Haben Sie heute noch Beziehungen zur Region?

Markus Gygax:Meine Eltern und Grosseltern wohnten in Solothurn, und ich erlebte meine ersten drei Lebensjahre in Luterbach. 1953 zogen wir nach Zürich, weil mein Vater dort als Sportlehrer an einer Mittelschule arbeiten konnte. Ich ging oft zu meinen Grosseltern nach Solothurn in die Ferien und habe schöne Erinnerungen an die Stadt. Wir spazierten an der Aare, besuchten die Voliere, die St.-Ursen-Kathedrale usw. Heute bin ich noch ab und zu bei militärischen Anlässen hier.

Die Armee soll auf 80000 Mann reduziert werden, die Luftwaffe muss auf neue Flieger warten. Macht es so noch Spass, Berufsoffizier zu sein?

Ja, bestimmt. In einem gut organisierten Staat muss es immer ein Machtmittel geben, das dieser als letzten Sicherheitsfaktor einsetzen kann. Und das ist die Armee, insbesondere die Milizarmee, die im Volk verankert ist. Wie gross die Armee ist, ist abhängig von der Bedrohungsanalyse. 1980 hatte die Luftwaffe noch über 400 Flugzeuge, heute sind es 80, wovon 54 bald zu ersetzen sind. Dank der technischen Entwicklung kann heute mit weniger Rüstungsgütern die Sicherheit aufrecht erhalten werden. Darum ist die Mitverantwortung für die Leitung dieser Armee nach wie vor eine interessante Herausforderung.

Warum plädieren Sie gegen eine Berufsarmee?

Ausländische Berufsarmeen rekrutieren ihre Soldaten im Wesentlichen aus der Unterschicht der Vorstädte und müssen sie für spezifische Ziele ausbilden. Ein Milizsoldat in der Schweiz hat aus seinem beruflichen Hintergrund im Vergleich ein phänomenales Wissen, das er polyvalent einsetzen kann. Es wäre der grösste Fehler, wenn die Armee auf diese Erfahrung verzichten müsste.

Wie gut können Sie mit dem Entscheid des Bundesrates leben, die Beschaffung neuer Flugzeuge bis spätesten 2015 aufzuschieben?

Wir müssen damit leben und können es auch. Wir haben mit dem F/A-18 ein Flugzeug, das bis 2020 aktuell ist und das auch danach noch fliegen kann. Der F-5, den wir jetzt ersetzen müssen, kann vorerst tagsüber und bei intakter Sicht für Luftpolizeidienste eingesetzt werden. Das heisst, mit jedem F-5-Einsatz kann ich die F-18-Flotte entlasten und damit auch schonen. Ende des Jahrzehnts ist aber für die F-5 spätestens Schluss. Dann muss ein neues Flugzeug auf der Flightline stehen. Das ist mit dem gegenwärtigen Zeitplan gerade noch möglich. Allenfalls müsste man sich überlegen, ob der neue Flieger dann nicht auch noch gleich den F-18 ablösen muss.

Sind Sie mit allen drei jetzt evaluierten Maschinen geflogen (Eurofighter, Rafale, Gripen)?

Ich habe mit jedem einen Flug gemacht, um einen persönlichen Eindruck zu gewinnen.

Haben Sie einen Favoriten?

Wir haben eine Benchmark gesetzt, die alle drei Maschinen erreicht haben. Jetzt ist die Politik am Drücker. Sie wird nach finanziellen, aussenpolitischen und wirtschaftlichen Kriterien entscheiden. Und das ist auch richtig so.

Kann die Auswahl erweitert werden? Aus den USA kommt die neueste Generation Flieger, die jetzt von Israel beschafft wird.

Grundsätzlich ja. Es wird dann zum Thema, wenn der Beschaffungsentscheid bis gegen 2015 hinausgeschoben wird. Dann ist der Joint Strike Fighter operationell und könnte evaluiert werden. Auch die Super Hornet, die Weiterentwicklung der F-18, könnte wieder aktuell werden. Und vielleicht sogar gute Occasionen.

Sie haben 4900 Flugstunden. Welches Flugzeug sind Sie am liebsten geflogen?

Ich habe auf dem Vampire begonnen, dem ersten Düsenjet – eine Art Triebwerk mit Flügeln, das nach dem 2. Weltkrieg entwickelt wurde. Und weil es danach eine rasante Weiterentwicklung in der Kampfflugzeugtechnik gab, war für uns Piloten jede neue Maschine wieder attraktiv.