Genossenschaft Mitte
«Wir betreiben keine Strukturerhaltung»

Nicht nur auf dem Arbeitsmarkt und in den Auftragsbüchern der Firmen ist die Erholung der Konjunktur sichtbar: Auch Liquiditätslage bei den Solothurner und Berner KMUs hat sich entspannt.

Franz Schaible
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Die Maschinen laufen wieder unter Hochdruck - auch dank verbürgter Kredite der BG Mitte.

Die Maschinen laufen wieder unter Hochdruck - auch dank verbürgter Kredite der BG Mitte.

Solothurner Zeitung

Nicht nur auf dem Arbeitsmarkt und in den Auftragsbüchern der Firmen ist die Erholung der Konjunktur sichtbar. Auch bei der Finanzierung der Geschäftstätigkeit zeichnet sich eine Entspannung ab. Das spürt die Bürgschaftsgenossenschaft Mitte (BG Mitte), die zum Ziel hat, den KMUs den Fremdkapitalzugang zu erleichtern. «2010 haben wir 88 Bürgschaften im Umfang von 22,4 Millionen Franken gewährt», erklärt auf Anfrage Direktor André Kormann. Dies entspricht gegenüber dem Vorjahr einem Rückgang von 22 respektive 15 Prozent. Ähnlich stark sank die Zahl der Gesuche. Auf das Pult von Kormann flatterten 204 (Vorjahr: 254) Gesuche für 51 (60,6) Millionen Franken. Er spricht von einer Konsolidierung, nachdem die schwere Krise im Vorjahr «voll durchgeschlagen» habe. Zudem hänge die Zahl der Gesuche auch von der Kreditpolitik der Banken ab.

Weniger Liquiditätsengpässe

Ebenso bestätigt die Entwicklung beim Verwendungszweck der Bürgschaften, dass es den Unternehmen wieder besser geht. 2009 ist der Anteil der gewährten Bürgschaften zur Finanzierung von Investitionen von 43 auf 30 Prozent gesunken, jener für die Bereitstellung von Betriebsmitteln und Liquidität dagegen von 35 auf 46 Prozent gestiegen. Im vergangenen Jahr haben sich die Gewichte nun wieder verschoben: 50 Prozent für Investitionen und 39 Prozent für Liquidität. «Das zeigt, dass es 2010 bei den Firmen nicht bloss um eine Überlebenshilfe ging,
sondern dass die Bürgschaften für die Modernisierung der Produktion oder die Neuentwicklung von Produkten eingesetzt werden», analysiert Kormann.

Unverändert hält die BG Mitte an ihrer bewährten und eher restriktiven Bewilligungspraxis fest, so Kormann. Dies zeige auch die gleichbleibende Quote von 36 Prozent bewilligter Bürgschaften. «Wir betreiben kein Volumenbolzen und winken nicht einfach alle Gesuche durch.» Gerade in schwierigeren Zeiten nehme die Qualität der Anfragen ab. Es gebe immer wieder Gesuche, wo man den KMU-Besitzer klipp und klar sagen müsse, «lass Dich wieder anstellen oder es ist besser, den Betrieb zu schliessen». Die BG Mitte beurteile Gesuche primär nach der Überlebensfähigkeit der Firmen. «Wir begehen keinen ordnungspolitischen Sündenfall, indem wir Strukturerhaltung betreiben.»

Ausfälle sind deutlich gestiegen

Trotz restriktiver Praxis ist das Ausfallrisiko nicht null, auch bei der BG Mitte nicht. «Wir sind schliesslich keine Wahrsager.» Nach zwölf Verlustdossiers mit einem Gesamtbetrag von 703000 Franken im 2009 waren es im vergangenen Jahr 14 Fälle mit einer Schadensumme von 2,1 Millionen Franken. Sie entspricht 4,4 (Vorjahr: 1,6) Prozent des Bürgschaftsbestandes Ende Jahr. «Diese Zunahme haben wir erwartet. Sie ist auch Ausdruck der schwierigen Lage der Firmen während der Rezession». Damit sei die kalkulatorische Ausfallquote von fünf Prozent aber noch nicht erreicht, beruhigt Kormann. Er geht davon aus, dass die Verlustfälle nach der Wirtschaftserholung im laufenden Jahr wieder abnehmen werden.

Obwohl die Risiken gestiegen sind, könne die Bürgschaftsgenossenschaften «ihre Hauptaufgabe, bestehende Arbeitsplätze zu erhalten und neue zu schaffen», nach wie vor erfüllen. Ende 2010 zählte die Institution einen Bürgschaftsbestand von 350 Firmen mit einem verbürgten Volumen von 46,1 Millionen Franken; davon entfallen auf den Kanton Solothurn 41 und auf den Kanton Bern 139 Betriebe. Gemäss den Erfahrungswerten der BG Mitte sind pro Bürgschaftsdossier 14 Arbeitsplätze involviert. Kormann rechnet vor: «Wir sichern so rund 1900 Stellen im Kanton Bern und fast 600 im Kanton Solothurn.»