Energieeffizienz

Wie spare ich am meisten Energie?

Die Experten erklären, wie und wo die Konsumenten Energie sparen können.

Die Experten erklären, wie und wo die Konsumenten Energie sparen können.

Die Konsumenten versuchen so gut es geht Strom zu sparen. Nun zeigen Experten, wo die Umwelt am effektivsten geschont werden kann.

Stromsparen im eigenen Haushalt und den Klimawandel stoppen? Kein Problem. Ich kaufe mir einfach einen Kühlschrank mit Energieeffizienz A++, und mein Gewissen ist beruhigt. Mitnichten. Das bringt praktisch gar nichts, zeigte Rainer Züst von der Industrieberatungsfirma Züst Engineering AG am Informationsabend «2000-Watt-Gesellschaft auf dem Teller» in der Jugendherberge Solothurn. «Der falsche Inhalt verbraucht viel mehr Energie als der Kühlschrank selber», begründete der frühere ETH-Professor.

Kühlschrank nutzen will gelernt sein

Mit anderen Worten: Will ich Energie sparen, ist entscheidend, wie ich den Kühlschrank nutze und mit was ich ihn fülle. Problem Nummer 1: «Der Kühlschrank wird von vielen Konsumenten als Zwischendeponie genutzt.» Ein Drittel der Lebensmittel wird unbenutzt fortgeworfen. Problem Nummer 2: In vielen Produkten steckt enorm viel «graue Energie».

Energie also, die für Herstellung, Transport, Lagerung, Verkauf und Entsorgung benötigt wird. Als Beispiel nannte Züst Orangen, die in Südafrika produziert und zu uns geflogen werden. Der Hersteller der elektrischen Orangenpresse kann diese also noch so effizient gestalten, dem Ziel der 2000-Watt-Gesellschaft kommen wir trotzdem nicht viel näher.

China ist manchmal besser

Ohnehin zeigte sich Züst skeptisch, ob dieses Ziel weltweit erreicht werden kann. «Der Energieverbrauch wird in den nächsten 50 Jahren weiter zunehmen. Die Chinesen und Inder wollen jetzt auch konsumieren.»

Heute verbraucht ein Schweizer durchschnittlich 6000 Watt (W) pro Jahr. Isst er künftig kein Fleisch mehr, fliegt er nicht und wohnt er in einem Niedrigenergiehaus, dann kommt er laut Ingenieur Züst «locker auf 2500 Watt». «Für weniger wird es kritisch.»

Im Bereich Nahrung lässt sich Energie sparen

Wie einfach im Bereich der Ernährung ein Schritt Richtung 2000-Watt-Gesellschaft gemacht werden kann, zeigte Mariette Fankhauser, Projektleiterin Bildung am Ökozentrum Langenbruck. Von den heute verbrauchten 6000 Watt entfallen 750 (12 Prozent) auf die Ernährung. Am mit Abstand meisten «graue Energie» steckt in Fleisch- und Milchprodukten (400 W, Hauptgrund: Futterproduktion und Kühlung), gefolgt von Gemüse (150 W, Treibhäuser), Getreide (100 W, industrielle Verarbeitung), Früchten und Getränken (75 bzw. 50 W, Transport).

Innerhalb dieser Kategorien gibt es aber massive Unterschiede: Wer Lammfleisch aus der Schweiz verzehrt, verursacht 107 W «graue Energie». Kommt das Fleisch tiefgefroren per Schiff aus Neuseeland, liegt der Wert bei 160 W, wird es frisch von dort eingeflogen, sind wir schon bei 450 W. Ausland heisst aber nicht per se schlecht, zeigt Fankhausers zweites Beispiel: Habe ich Lust auf «energiefreie» Bohnen, kaufe ich am besten frische aus der Schweiz.

So weit keine Überraschung. Am zweitbesten schneiden aber Dörrbohnen aus China ab, die luftgetrocknet und per Schiff in die Schweiz transportiert werden. Erst dann folgen Schweizer Bohnen aus der Gefriertruhe und aus der Dose. Frische Bohnen aus Ägypten sind die grössten Energieschleudern.

Ein Label für versteckte Energie

Zum Schluss der Veranstaltung waren die rund 100 Zuhörerinnen und Zuhörer gefordert: Sie konnten konkrete Ideen vorbringen, wie sie sich und andere zu einem bewussteren Konsum bewegen können. Von «den Haushaltsunterricht in den Schulen aufwerten» war die Rede oder von «Kochkursen für fleischlose Küche». Am meisten Zuspruch fand ein «Label für ‹graue Energie›», damit die Konsumenten beim Einkauf informiert und sensibilisiert werden.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1