Volkskunde
Wie sind sie denn, die Solothurner?

Volkskundlerin Elisabeth Pfluger (92) kennt wie keine andere Land und Leute im Kanton Solothurn. Und doch sagt sie: «Ich weiss nicht, wie die Solothurner sind.»

Fränzi Rütti-saner
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Elisabeth Pfluger kennt die Leute. bar Elisabeth Pfluger kennt die Leute.

Elisabeth Pfluger kennt die Leute. bar Elisabeth Pfluger kennt die Leute.

Solothurner Zeitung

47 Prozent der Solothurner sagen, sie seien fleissig, aber 45 Prozent bezeichnen sich auch als festfreudig. Das sind die herausragenden Merkmale, mit denen sich die 260 befragten Solothurnerinnen und Solothurner selbst in unserer Umfrage bezeichneten.

Den typischen Solothurner gibt es jedoch nicht. Volkskundlerin Elisabeth Pfluger weiss wie die Leute in den verschiedenen Regionen ticken.

Elisabeth Pfluger, was sagen Sie zum Umfrageresultat?

Elisabeth Pfluger: Fleissig? Nein! Festfreudig? Auf jeden Fall! Das sind die Solothurner. Ich kenne keine festfreudigeren Leute. Und sie sind auf keinen Fall langweilig. Da stimmt die Umfrage schon.

Beim Sammeln der Sagen und Geschichten aus dem Kanton Solothurn kamen Sie in so manches Haus. Was haben Sie erfahren? Wie sind denn die Solothurner?

Das kann ich Ihnen nicht sagen. Es gibt grosse Unterschiede zwischen den Leuten in den verschiedenen Gegenden.

Dann gehen wir doch die einzelnen Regionen mal durch. Wie sind denn die Stadt-Solothurner?

So wie es Dichter Josef Reinhart sagte. «Gäng e chly schaffe, trinken und ässe. Dr Herrgott unds Lustigsy nid vergässe.»

Wie sind die Oltner?

Aufgeschlossen. Als Einzige opponierten sie immer wieder mal gegen die Solothurner Regierung. Bundesrat Josef Munzinger war ein typischer Oltner.

Was macht die Grenchner aus?

Die Grenchner sind leichtlebig. Den welschen Einschlag spürt man hier schon deutlich. Doch sie haben ein Minderwertigkeitsgefühl, denn Grenchen ist ein Dorf.

Wie sind die Bucheggberger?

Die Bucheggberger sind eigentlich schon Berner und doch wollen sie lieber Solothurner sein. Sie sind etwas Besonderes und fühlen sich auch so.

Wie sind die Wasserämter?

Das sind heitere, lebensbejahende Menschen.

Wie sind die Thaler?

Das Thal war immer arm. Die Leute sind für sich und zuerst etwas sperrig. Doch jetzt macht das Thal positiv von sich reden. Mit dem Naturpark. Ich finde das grossartig. Sie machen aus ihrer Landschaft das Beste.

Wie sind die Schwarzbuben?

Da gibt es schon Unterschiede. Die Leimentaler sind eigentlich schon Elsässer. Die Schwarzbuben sind schlau, auch liebenswürdig und gastfreundlich.

Wie sind die Niederämter?

Die sind eher streng. In keiner Gegend hatte ich so grosse Schwierigkeiten, an alte Geschichten heranzukommen, wie hier. Sie wollen vom «Alten» nichts mehr wissen.

Und wie sind die Leute in Ihrer Heimat, dem Gäu?

Die Gäuer sind ein gspassiges Völklein. Sie necken gerne sich und andere. Sie sind aber eigenständig und lassen sich weder von den Oltnern noch von den Solothurnern «dreinreden».

Und wie sind die Leberberger?

Sie sind geradeheraus und ziehen das durch, was sie im Kopf haben.

Könnte man denn behaupten, so wie die Sagen in den Regionen sind, so sind die Leute?

Nein, das glaube ich nicht. Die Sagen sind einfach gute, spannende und lebenskluge Geschichten.