Balmberg/Langenbruck
Wie sicher sind die Seilparks?

Ich Tarzan, du Jane. Seit vier Jahren passt dieser Dialog zum Seilpark auf dem Balmberg, seit kurzem auch zu einer neuen Anlage in Langenbruck. Doch wie sicher sind diese Seilparks eigentlich?

Von Hans Peter Schläfli (Text und Bilder)
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Wie sicher sind die Seilparks in Balmberg und Langenbruck
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System Langenbruck: durchlaufendes Sicherungsseil.
Naturnah: Bele Schmid vom Seilpark Balmberg.
System Balmberg: doppelte Karabiner.

Wie sicher sind die Seilparks in Balmberg und Langenbruck

Die Seilparks sind im Kommen, der sportliche Nervenkitzel wird immer beliebter. Das Klettern, Hangeln, Balancieren und am Seil herunterfahren macht viel Spass, und ein Tagesausflug lohnt sich auf jedem Fall. Der Seilpark auf dem Balmberg bekommt also Konkurrenz ganz in der Nähe. Betreiber Bele Schmid nimmt es gelassen: «Ich hoffe, dass sie es in Langenbruck gut machen. Wenn es jemandem dort gefällt, dann besucht er auch einmal unseren Seilpark», sagt er. Auch in Langenbruck hofft man auf gute Nachbarschaft. «Vielleicht ist sogar eine gewisse Kooperation möglich», meint Peter Hammer, Initiant und Mitinhaber des neuen Seilparks. «Indem wir die Leute gegenseitig auf unser Angebot hinweisen, können sicher beide von einer guten Nachbarschaft profitieren.»

Die Unterschiede der beiden Seilparks fallen sofort ins Auge: Auf dem Balmberg sind die Stahlseile zwischen den Bäumen im naturnahen Wald aufgespannt, in Langenbruck wurden für den neuen Seilpark Metallpfosten gesetzt. «Wir bieten ein Naturerlebnis im Wald an, bei uns spürt man auch den Wind in den Bäumen», sagt Bele Schmid. «Die Sicherheit und der Gästeservice stehen bei uns im Vordergrund», erklärt Peter Hammer, warum man in Langenbruck ein ganz anderes Konzept gewählt hat. «Wir setzen als erster Seilpark in der Schweiz ein durchlaufendes Sicherungssystem ein.» Zudem sollte der neue Seilpark gleich neben der bestehenden Solarbobanlage entstehen, um Synergien zu nutzen, und da gab es keine Bäume.

Nachdem im vergangenen Herbst der «Kassensturz» einen kritischen Blick auf die Sicherheit der Seilparks geworfen hatte, sind viele Betreiber über die Bücher gegangen und haben sich einer internen oder externen Prüfung unterzogen. Der Seilpark auf dem Balmberg wird zum Beispiel durch die private Firma Swiss TS zertifiziert, die auch Vergnügungsparks und Spielplätze auf ihre Sicherheit überprüft.

Unterschiedliche Sicherheitssysteme

Vor etwa fünf Jahren sei die Idee entstanden, in Langenbruck zum Solarbob noch einen Seilpark zu erstellen, erzählt Peter Hammer von der Entstehungsgeschichte. «Für einen Seilpark mit einer herkömmlichen Sicherung über Karabinerhaken wollte ich die Verantwortung nicht übernehmen. Als ich vor etwa zwei Jahren von einem durchlaufenden Sicherungssystem hörte, fand ich das sehr interessant. Mit dieser neuen Technik war die Zeit reif für einen Seilpark in Langenbruck.» Tatsächlich sind die Sicherheitssysteme der beiden Anlagen total unterschiedlich.

Während man sich auf dem Balmberg mit zwei Karabinerhaken von Hand selber doppelt sichert, läuft in Langenbruck das Sicherungsseil auf vier Rollen immer automatisch mit. An den Verzweigungen gibt es spezielle Weichen, und das System kann nicht ausgehängt werden. Erst nach der Rückkehr auf die zentrale Plattform, wenn die Türe hinter dem Gast geschlossen wurde, kann er das Sicherungsseil wieder aushängen.

«Unser System ist auch sicher», sagt Bele Schmid. «Bei der Schulung auf dem Balmberg erklären wir, dass immer mindestens ein Karabinerhaken eingehängt bleiben muss. Dann kann wirklich nichts passieren.» Er gibt aber zu, dass ein Minimum an gesundem Menschenverstand vorausgesetzt wird. «Es müsste jemand schon beide Sicherungen vorsätzlich aushängen und sich absichtlich in Gefahr bringen. Aber das würde wirklich keinen Sinn machen.»

Was passiert, wenn jemand nicht mehr weiterkommt? «Unsere Helfer, die die Gäste vom Boden aus begleiten, sprechen ihnen Mut zu und motivieren», sagt Schmid. «Nur wenn jemand wirklich Angst hat, so dass gutes Zureden nichts mehr hilft, dann leiten wir die so genannte Rettung ein», sagt Bele Schmid. Er gesteht etwas verschmitzt, dass ihm persönlich die Rettungen am meisten Spass machen.

Fünf Parcours auf drei Höhenstufen

Auch in Langenbruck kann jeder Gast innert höchstens 15 Minuten auf den sicheren Boden zurückgebracht werden. «Wir werden immer genügend bestens ausgebildetes und durch den europäischen Verband Erca lizenziertes Personal da haben, um gleichzeitig zwei Rettungen durchführen zu können», verspricht Peter Hammer.

Gerade bei der Rettung werde der Unterschied zwischen einem durchlaufenden Sicherungssystem und den doppelten Karabinerhaken relativiert. «Es muss immer einen Weg geben, um einen Gast mitten im Parcours auszuhängen», erklärt Bele Schmid. «Wenn jemand gerettet werden muss, kann man auch in Langenbruck die Rollen mit einem Trick vom Rettungsseil lösen. Auch dort könnte also theoretisch ein Gast am Sicherungssystem herummanipulieren und einen Unfall produzieren. Aber warum sollte das jemand machen?»

In Langenbruck gibt es fünf Parcours auf drei Höhenstufen und in drei Schwierigkeitsgraden. Auf dem Balmberg werden neun Parcours mit sechs Schwierigkeitsgraden angeboten. In beiden Seilparks dürften die Kräfte nach zwei, spätestens drei Stunden aufgebraucht sein. Wer dann noch weitere Abenteuer erleben will, kann in Langenbruck eine Fahrt auf dem Solarbob riskieren. Und auf dem Balmberg? «Ich denke, ein Spaziergang auf den Stierenberg, wo man schön einkehren kann, rundet den Tag ab», empfiehlt Bele Schmid.

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