Begibt man sich in Gefahr, wenn man sich in Spitalpflege begibt? Zu diesem Thema brachte SP-Nationalrätin Bea Heim drei ausgewiesene Mediziner zu einem Diskussionsabend zusammen. Heim hat in Bundesbern mehrere erfolgreiche parlamentarische Vorstösse eingereicht und bereits viel Arbeit hinter den Kulissen für die Patientensicherheit oder für eine nationale Krebsstatistik geleistet.

Rund 60 Personen folgten der Einladung der Gesundheitspolitikerin, um sich darüber zu informieren, wie es mit der Patientensicherheit und der Qualität der medizinischen Versorgung in der Schweiz und insbesondere in Olten bestellt ist.

Fehler sind menschlich

«Das Schweizer Gesundheitswesen ist eines der besten und teuersten der Welt», stellte Heim einleitend fest. Wo gearbeitet wird, passieren auch Fehler – das ist menschlich. Angesichts des Kostendrucks wächst auch der Druck auf das Personal; das Fehlerrisiko steigt. Deshalb ist die Frage aktueller denn je, ob die Spitäler genügend Sicherheitsmassnahmen treffen, um Fehler zu vermeiden.

Konkrete Zahlen lieferte Dieter Conen, Präsident der Schweizerischen Stiftung für Patientensicherheit. Diese Stiftung besteht seit 2003 und wird von den Kantonen mit sechs bis neun Rappen pro Einwohner finanziert.

In der Schweiz werden jährlich 1,2 Mio. Menschen in Spitälern behandelt, jeder zehnte Patient erleidet ein unerwartetes Ereignis. Man rechnet, dass von den Fehlern drei bis vier Prozent vermeidbar gewesen wären. Rund 0,1 Prozent sind krasse Fehler, die tödlich enden. Dies entspricht 1200 Todesfällen pro Jahr. Fehler kommen also auch in vorbildlichen Gesundheitssystemen vor.

«Jeder Todesfall ist einer zu viel»

«Aber jeder Todesfall ist einer zu viel», betonte Conen. Deshalb arbeite die Stiftung mit den Spitälern daran, Sicherheitsprobleme zu erkennen, um dann entsprechend zu handeln. Die Frage sei immer: «Warum ist ein Fehler passiert?»

Die Stiftung erarbeitet beispielsweise Checklisten, um Eingriffsverwechslungen zu vermeiden oder hilft, technische Systeme zu entwickeln, um Ampullenfehler zu verunmöglichen. Anstatt «meistens geht es gut» müsse die Philosophie lauten: «Bei allen Patienten geht es gut».

Und: «Helfen Sie als Patienten mit, Fehler zu verhüten», rief Conen den Zuhörerinnen und Zuhörern zu. In diesem Punkt erhielt Conen Unterstützung von Walter Mingrone, Facharzt für Onkologie und Leitender Arzt im Kantonsspital Olten (KSO). Seine Krebspatienten bekämen beispielsweise immer die Etikette der Infusion zu lesen. «Oft haben die Patienten Hemmungen, auf Auffälligkeiten hinzuweisen», stellte Mingrone fest. Es wäre ihm ein Anliegen, die Patienten vermehrt darauf zu schulen, dass sie bei der Fehlervermeidung mithelfen können.

Kritische Zwischenfälle vermeiden

Stefano Bassetti wies darauf hin, dass meist mehrere Sicherheitsbarrieren nicht funktioniert hätten, wenn ein Fehler geschehe. Bassetti ist Chefarzt der Medizinischen Klinik des KSO und Professor für innere Medizin, speziell Infektiologie, der Universität Basel.

Beim Auftreten eines Fehlers sei deshalb das System so zu korrigieren, dass kritische Zwischenfälle nicht mehr vorkommen. Dies geschehe unter anderem mit standardisierten Abläufen, etwa mit strikter Händehygiene, Hautdesinfektion und täglicher Kontrolle der Einstichstelle bei Infusionen.

In der Praxis bedeute dies, dass das Personal einer Abteilung zusammengezählt 16 Stunden pro Tag am Händewaschen sei. Der 5. Mai sei übrigens der Tag der Händehygiene. Heim stimmte ihm zu, als er sagte: «Investitionen in die Personalausbildung, Qualität und Sicherheit in der Gesundheitsversorgung kostet zwar Geld, helfen auf lange Sicht jedoch, Kosten zu sparen». Unbesehen vom Vermeiden menschlichen Leids.