Diese Überlegungen machten sich Marianne Herzig und ihr Mann Roland. Vor einiger Zeit hatten sie einen ehemaligen Landwirtschaftsbetrieb im Erlenmoos in Thunstetten erworben unter anderem mit dem Ziel, Tiere zu halten. «Viele junge Mädchen schwärmen von Pferden, ich dagegen war immer fasziniert von Eseln. Hier konnte ich nun meinen Wunsch erfüllen», erzählt Marianne Herzig und zeigt auf die beiden Esel-Wallache Alfonso und Cosimo auf der Weide, die umrandet ist mit einem recht ungewöhnlichen Zaun. Er besteht nämlich aus verzinkten Güllenrohren. «Das hat mehrere Vorteile. Erstens knabbern die Esel nicht daran. Und zweitens war der Zaun einfach zu montieren. Die Rohre sind stabil und lassen sich mit Schellen verbinden.»

Auf die Idee mit den Rohren sei ihr Mann gekommen, als sie gemeinsam im Internet nach alten Stalltüren und Trennelementen für die Stallungen suchten. «Da sahen wir eben auch diese Rohre, die früher von den Bauern zum Austragen von Gülle gebraucht wurden. Auf einmal machte es klick, und die Idee für den Zaun war da.» Schnell war der Handel gemacht für 80 Rohre zu sechs Meter Länge. Und zu welchem Preis? «Sagen wir: ein Schäppchen», antwortet Marianne Herzig. Das Montieren erfolgte in Eigenarbeit, und so entstand im Erlenmoos ein preisgünstiger Zaun von etwa 180 Laufmetern. Ein Produkt von ebenbürtiger Qualität von einem Fachbetrieb käme ungleich teurer zu stehen, einfachere Ausführungen werden ab etwa 40 Franken pro Laufmeter angeboten.

Während Marianne Herzig vom Entstehen des Zaunes berichtet, trotten Alfonso und Cosimo hinzu und holen sich einige Streicheleinheiten ab. «Eigentlich ist es nicht fair, wenn man jemanden als dummen Esel bezeichnet», sagt die Frau dann. «Er ist nämlich ein intelligentes Tier. Man unterschätzt ihn. Er ist nicht stur, er wirkt nur so, wenn man sein Naturell und sein Wesen nicht kennt. Zudem ist er geduldig und sensibel. Das sind Fähigkeiten, die sich dazu eignen, einen Esel für therapeutische Zwecke einzusetzen.»

Ein Ziel, das Marianne Herzig, Pflegefachfrau und Therapeutin, vor Augen hat. Sie lasse sich aber Zeit damit, die Schritte wollen gut überlegt sein, erklärt sie. «Alfonso und Cosimo machen mir vor, wie das geht.»