Exklusiv-Umfrage
Wichtige Solothurner? Frauen figurieren unter «ferner liefen»

Regierungsrat Christian Wanner ist «wichtigster Solothurner» – vor Ständerat Roberto Zanetti und Literat Peter Bichsel. Männliche Politiker und Literaten haben den Damen klar die Show gestohlen.

Urs Mathys
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Der wichtigste Solothurner: Christian Wanner

Der wichtigste Solothurner: Christian Wanner

Solothurner Zeitung

«Weiss nicht», so heisst die aktuell mit Abstand wichtigste Solothurner Persönlichkeit: 55 Prozent der Befragten gaben in unserer Umfrage diese ernüchternde Antwort. Für jene, die einen Namen nannten, ist Solothurn der Kanton der Politiker, Schriftsteller – und der Männer. Frauen fristen ein Mauerblümchendasein.

Offenbar hat keine der vielen in Firmen, Räten, Parteien oder anderen Gremien aktiven Frauen derart viel Gewicht, dass ihr Name von mehr als nur einer befragten Personen spontan genannt worden wäre. Dass es Barbara Wyss (Kantonsrätin Grüne, Solothurn), Bea Heim (Nationalrätin SP), Esther Gassler (Regierungsrätin FDP) und Heimatkundlerin Elisabeth Pfluger (Solothurn) immerhin zu einer Nennung brachten, dürfte diese umso mehr mit Stolz erfüllen.

Solothurner mögen keine «Könige»

Den Damen die Show gestohlen haben männliche Politiker und Literaten. Allerdings: Während bei der gleichen Frage im Aargau eine Bundesrätin oder im Baselbiet ein Tennisstar weit vor dem Feld liegen, fehlt bei uns ein wirklicher Spitzenreiter. Dies mag daran liegen, dass den Solothurnern sogar kleine «Könige» suspekt sind und sie auch personell die Bäume lieber nicht allzu hoch in den Himmel wachsen lassen wollen.

Mit immerhin 6 Prozent der Nennungen knapp die Nase vorn hat Finanzdirektor Christian Wanner. Der FDP-Regierungsrat gilt als Sanierer der Kantonsfinanzen und tritt als Präsident der Finanzdirektorenkonferenz auch auf nationaler Ebene immer wieder in Erscheinung. Dass sich der gelernte Meisterlandwirt und Hobby-Bienenzüchter in den letzten Wochen und Monaten mit Händen und Füssen gegen weitere Steuersenkungen gewehrt hat, dürfte ihn bei unserer Umfrage möglicherweise noch die eine oder andere zusätzliche Stimme gekostet haben. Bei Wanners «Anhängern» fällt auf, dass sich diese schwergewichtig aus der Altersgruppe 55 plus rekrutieren.

Hochs und Tiefs in seiner politischen Karriere verdankt der mit 5 Prozent der Stimmen Zweitplatzierte seinen Bekanntheitsgrad: SP-Ständerat Roberto Zanetti. Als Regierungsrat 2005 nach einer Schlammschlacht in der Folge des «Pro Facile»-Debakels abgewählt, schaffte der Gerlafinger 2010 den Sprung ins «Stöckli». Bemerkenswert: Der 57-Jährige erhielt aus der Altersgruppe der 15- bis 34-Jährigen am meisten Nennungen, doch auch in der Gruppe 55 plus schneidet er gut ab.

Schriftsteller und Bundesrat

Bereits auf Platz 3 liegt der erste Schriftsteller: Peter Bichsel (4 Prozent). Dessen Ehrenplatz unterstreicht, dass der Solothurner Literaturpreis jüngst an einen Mann verliehen worden ist, der auch in der breiteren Bevölkerung verankert ist.

Mit je 3 Prozent Nennungen folgt ein äusserst heterogenes Trio: Erstens der bereits zu seinen Lebzeiten populäre SP-Bundesrat Willi Ritschard. Der 1983 verstorbene Luterbacher verfügt offensichtlich auch heute noch über mehr Strahlkraft als so mancher lebender Solothurner Politiker. Zweitens der abtretende FDP-Ständerat Rolf Büttiker. Er hat sich nicht nur als «Retter des Cervelats» einen Namen gemacht, sondern ist in den letzten Wochen auch in der AKW-Frage aufgefallen. Drittens der Krokus-Musiker Chris von Rohr. Als «Meh Dräck»-Prediger und mit grossen Sprüchen zu Gott und der Welt ist er auch jüngeren Zeitgenossen zum Begriff geworden. Kein Wunder, dass der Haupt-
teil seiner Stimmen aus dem Kreis der 15- bis 34-Jährigen stammt.

Sogar der Ex-Filmtage-Direktor ...

Mit je 2 Prozent folgen ebenfalls zwei Persönlichkeiten unterschiedlichster Art: der Oltner Literat Alex Capus (Kolumnist dieser Zeitung) sowie Solothurns Stadtpräsident und FDP-Nationalrat Kurt Fluri. Je 1 Prozent nannten schliesslich CVP-Nationalrat Pirmin Bischof, den abgetretenen Filmtage-Direktor Ivo Kummer sowie Grenchens immer mal wieder für dicke Schlagzeilen besorgten Stadtpräsidenten Boris Banga (SP).