Gerlafingen
Wenn die Velofahrt durchs Dorf zur Mutprobe wird

Noch immer rumpelt der Schwerverkehr durchs Dorfzentrum von Gerlafingen – die Umfahrung Nord soll Entlastung bringen. Im Rahmen des Agglomerationsprogramms soll nun das Trassee für die neue Achse in den kantonalen Richtplan aufgenommen werden.

Christof Ramser
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Gemeindepräsident Peter Jordi will den Velofahrern in Gerlafingen eine Alternative zur stark befahrenen Kriegstettenstrasse bieten.

Gemeindepräsident Peter Jordi will den Velofahrern in Gerlafingen eine Alternative zur stark befahrenen Kriegstettenstrasse bieten.

Hanspeter Bärtschi

Wenn Peter Jordi in der morgendlichen Kaffeepause aus dem Fenster schaut, sieht er vor allem eines: Lastwagen. Kolonnenweise schleppen sich die Brummis durch das Gerlafinger Dorfzentrum. «Es ist verrückt, immer noch.» Bis zu 1000 Lastwagen täglich rumpeln vom Autobahnanschluss über die Kriegstettenstrasse. Im Zentrum teilt sich der Schwerverkehr Richtung Wilerstrasse und Biberiststrasse auf. Eines der Hauptziele ist nach wie vor die Stahl Gerlafingen. Seit der Sappi-Schliessung dürfte die Belastung etwas zurückgegangen sein. Trotzdem: Gerlafingen leidet unter dem Schwerverkehr. «Vor allem für Velofahrer ist es eine Mutprobe, durchs Dorf zu fahren», sagt Jordi, der selber oft mit dem Zweirad unterwegs ist.

Dank Geldern aus dem Agglomerationsprogramm Solothurn, das derzeit bei den Gemeinden in der Vernehmlassung ist, sollen die Velos bald möglichst gefahrlos durch Gerlafingen kurven. Ein neuer Veloweg südlich der Kriegstettenstrasse ist in der zweiten Generation des Programms als A-Massnahme eingestuft und geniesst damit Priorität. Bereits hat der Gemeinderat eine mögliche Route vom Bolacker bis ins Zentrum festgelegt. Zwischen 2015 und 2018 soll das Projekt umgesetzt werden.

Eine neue Achse durchs Wasseramt

Nicht ganz so dringlich, aber für Gerlafingen nicht minder wichtig, ist die neu geplante Nord-Süd-Achse durchs Wasseramt. Mit einer Nordumfahrung des Gerlafinger Siedlungsgebiets und als langfristige Option mit einem Tunnel durch den Bleichenberg sollen Biberist und insbesondere auch Gerlafingen vom Durchgangsverkehr entlastet werden. Im Rahmen des Agglomerationsprogramms soll nun das Trassee für die neue Achse in den kantonalen Richtplan aufgenommen und damit raumplanerisch gesichert werden.

Die Nordumfahrung verläuft vom Autobahnanschluss in Kriegstetten via Schwimmbad Eichholz und Eichmatt nach Biberist. Im Bereich der Papieri mündet sie in die Derendingenstrasse. Der Tunnel würde nordwestlich davon 900 Meter durch den Bleichenberg gegraben und führte via Birchi nach Zuchwil, wo die Strasse im Bereich des Autobahnanschlusses A5 Solothurn Ost in die Luzernstrasse mündete.

Allerdings, so wird im Massnahmenbeschrieb festgehalten, dürfte diese Achse aufgrund der sehr hohen Kosten aus Sicht des Kantons erst Priorität haben, wenn die Verkehrsbelastung in den Zentren noch deutlich zunimmt. Jedoch: Nach der Schliessung der Sappi und einer möglichen Ansiedlung von Gewerbe auf dem Papieri-Areal macht sich nun auch Biberist für diese Lösung stark. Die Gewerbezone entlang der Solothurnstrasse hat die Gemeinde Biberist jedenfalls verworfen. Neu liegt der Fokus auf der ehemaligen Papierfabrik.

Projekt bereits einmal gescheitert

Für Gerlafingen indes sei die Umfahrung wichtig. «Wir werden auf diese Massnahme pochen», sagt Peter Jordi. Die Gerlafinger Bevölkerung habe Anspruch darauf, den öffentlichen Raum im Dorf ohne Einschränkungen nutzen zu können. «Das ist derzeit nicht der Fall.» Weil der Schwerverkehr nicht vermieden werden könne, müsse er eben verlagert werden. Er sei dafür auch bereit, die Planungshoheit der Gemeinde teilweise zurückzustellen, sagt Jordi. «Die Verkehrsplanung hört nicht an der Dorfgrenze auf.» Das kommt allerdings nicht von ungefähr: Ein Grossteil der Umfahrung liegt nämlich auf Derendinger und Biberister Gemeindegebiet. Auslöser für die verstärkte Zusammenarbeit unter den Wasserämter Gemeinden im Verkehrsbereich war vor knapp zehn Jahren der Bau des Cargodromes in Wiler. Letzten Sommer wurde der Güterterminal versteigert.

Übrigens: Bereits in den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts bestanden Pläne, eine vierspurige Umfahrung von Gerlafingen via Bleichenberg in die Enge bei Biberist zu bauen. Damals scheiterte das Vorhaben am Widerstand des Dorfgewerbes und der Papierfabrik, deren Areal durchtrennt worden wäre. «Hätte man damals die Verkehrsexplosion vorausgeahnt», glaubt Peter Jordi, «müsste man das Projekt heute nicht wieder aus der Schublade holen.»