Subingen
Wenn die Anlage (fast) alles selber regelt

Die Firma Paro baut seit 25 Jahren Automationssysteme für unterschiedlichste Branchen – vom Auto über die Kaffeemaschine bis hin zur Zahnbürste.

Christof Ramser
Merken
Drucken
Teilen
Geschäftsführer Martin Frauenfelder blickt optimistisch in die Zukunft der Paro AG. hanspeter bärtschi

Geschäftsführer Martin Frauenfelder blickt optimistisch in die Zukunft der Paro AG. hanspeter bärtschi

Solothurner Zeitung

Wer heute Morgen per Funkschlüssel sein Auto entriegelt und die Scheinwerfer hat aufblinken lassen, hat womöglich gleich zweimal von Know-how aus dem Wasseramt profitiert.

Seit 25 Jahren baut die Paro AG aus Subingen Automationsanlagen für die Produktion und Endmontage von Kleingeräten. Darunter sind neben Funkschlüsseln oder Scheinwerfern für die Autoindustrie auch Teile für die Medizinaltechnik (mit Kunden wie Ypsomed und Straumann), elektrische Zahnbürsten (Trisa) oder, vermeintlich trivial, Nuggi in allen Formen und Farben. Auch die Nespresso-Maschinen der neusten Generation werden laut Geschäftsführer Martin Frauenfelder auf Paro-Anlagen montiert.

Die vielen unterschiedlichen Märkte machten den Anlagenbau denn auch so interessant, sagt Frauenfelder. «Wir passen unsere Systeme stark an die Kundschaft an und können dadurch viele Wünsche aus den unterschiedlichsten Branchen erfüllen.»

Neue Autoschlüssel-Generation

540 Montagesysteme haben die Paro-Produktionshallen seither verlassen. Einige davon sind aber nicht mehr in Betrieb. Gerade bei der Handyproduktion würde vieles nicht mehr auf Montageanlagen, sondern vorwiegend in China von Hand zusammengesetzt.

Der Hauptkundenstamm von Paro setzt sich zur Hälfte aus Firmen aus Deutschland und aus der Schweiz zusammen. Grösste Abnehmerin ist die Georg Fischer Wavin, die Rohrleitungssysteme herstellt und ebenfalls in Subingen zu Hause ist. Dass relativ wenige Kunden den Grossteil des Umsatzes von 15 Millionen Franken generieren, sei durchaus branchenüblich, sagt Frauenfelder.

«Trotzdem wollen wir das Geschäft mit kleineren Kunden ausbauen.» Aktuell liefert Paro Anlagen an den VW-Zulieferbetrieb Hella für die Produktion einer neuen Generation von Funkschlüsseln. Herzstück der Firma ist der Paromat, ein Transfersystem, das komplexe Montage- und Produktionsabläufe automatisiert.

Einiges verspricht man sich von der neuen Montagezelle «Flextreme», wo Werkzeuge und Elemente in nu ausgewechselt werden können. Eine Top-Organisation bei kleinem administrativen Aufwand, das sei noch heute Basis für den wirtschaftlichen Erfolg, sagt Firmengründer Urs Steiner. Bereits 1998 hatte er die papierlose Projektabwicklung eingeführt.

Nach Krise wieder gut im Schuss

Auch in Subingen war die Wirtschaftskrise stark spürbar. Ab April 2009 gingen während zehn Monaten keine neuen Bestellungen mehr ein. Die Folge war ein markanter Umsatzrückgang, Personal wurde entlassen. «Wir sind mit einer grossen Schramme davongekommen», sagt Frauenfelder.

Heute blickt er optimistisch in die Zukunft. «Wir sind wieder in einer guten Verfassung.» Mit dem erwarteten Umsatz von 12 Millionen Franken für 2011 erreiche man das Niveau von vor der Krise. «Schliesslich», sagt der CEO mit einem Augenzwinkern, «wollen wir auch noch den 50. und den 75. Geburtstag feiern.»