Biberist
Wenn bei Ordensschwestern der Nachwuchs fehlt

Im Biberister Elisabethenheim werden neben Ingenbohler Schwestern zunehmend Frauen und Männer ohne Gelübde betreut. Grund: Es fehlt der Nachwuchs.

silvia rietz (text und foto)
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Oberin Edelina Uhr, Schwester Therese Stäuble, Feriengast Alice Hochwald, Pflegerin Yvonne Aeschlimann (v.l.).

Oberin Edelina Uhr, Schwester Therese Stäuble, Feriengast Alice Hochwald, Pflegerin Yvonne Aeschlimann (v.l.).

Solothurner Zeitung

«Aha, ihr nehmt jetzt auch andere.» Diesen Satz hat Oberin Schwester Edelina oft zu hören bekommen, seit bekannt wurde, dass das Elisabethenheim auch Pensionärinnen ohne Habit beherbergt. Seit etwas mehr als hundert Jahre dient der Landsitz Hinter-Bleichenberg, Zweigniederlassung des Klosters Ingenbohl, als Alters- und Pflegeheim.

Vor zwanzig Jahren wurde ein Neubau erstellt, in dem mehrheitlich Ingenbohler Schwestern leben. Dies ändert sich nun langsam, da vermehrt auch Frauen und Männer ohne Gelübde aufgenommen werden. Dabei war das Heim seit jeher für alte, pflegebedürftige Menschen offen: Zunächst von den umliegenden Gemeinden, sowie für ehemalige Angestellte des Klosters und zunehmend für pflegebedürftige Ingenbohler Schwestern und Schwestern anderer Orden.

Spiegelbild der Kloster-Realität

Wie allen Klöstern fehlt auch in Ingenbohl der Nachwuchs. Zudem brauchen nicht mehr so viele einen Altersplatz im Mutterhaus. So ist die gemischte Gemeinschaft im Elisabethenheim Bleichenberg auch ein Spiegelbild der heutigen Kloster-Realität. Den Pflegedienst für die 40 Zimmer teilen sich Nonnen und zivile Kräfte. Die diplomierten Kranken-Schwestern in der weissen Tracht unterscheiden sich nur durch die Kopfbedeckung und das grosse Kreuz von den Kolleginnen.

Ausserhalb der Arbeit ist das Ordenskleid des 1856 von Kapuzinerpater Theodosius Florentini und Maria Theresia Scherer gegründeten Konvents der «Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz» grau und der Schleier schwarz. Als Provinzoberin war Schwester Edelina Uhr bis vor drei Jahren in der Ordensleitung aktiv, davor leitete sie die Krankenpflegeschule des ordenseigenen Claraspitals in Basel. Nun ist sie als Heimleiterin und als Oberin der Gemeinschaft für das geistliche und das physische Wohl sowohl der jüngeren als auch der älteren Ordensfrauen verantwortlich.

Neben den Aufgaben in der Pflege, der Hauswirtschaft und der Pforte gelten für die aktiven Schwestern das Leben in Gemeinschaft, die Ordensregel und das Gebet: Der Tag beginnt mit dem Morgenlob (Laudes) und endet mit dem Abendlob (Vesper). Eine spirituelle Atmosphäre, die sich auch auf die Bewohner überträgt. «In der Kapelle finden selbst verwirrte Patientinnen innere Ruhe», beobachtet Schwester Edelina. Wer ins Elisabethenheim übersiedelt, ist sich bewusst, bis zur letzten Stunde dort zu verweilen. «Wie man stirbt, beschäftigt jeden.

Auch Ordensfrauen», sagt Sr. Edelina. «Doch uns trägt die Freude, nach dem Tode Gott zu begegnen.» Eingehüllt in die Zuversicht des Glaubens, halten sich die Hochbetagten erstaunlich fit. «Dieses Jahr feiern drei den 90. Geburtstag, eine 98-jährige liest noch ohne Brille und hört alles,» freut sich die Oberin.

«Wohl und geborgen»

Das rüstige Wesen und hellwache Gemüt ihrer Schützlinge bewundert auch Yvonne Aeschlimann. Die Pflegerin aus Solothurn schreibt dies dem Leben in einer Gemeinschaft, der geistigen Anregung im Gebet und dem gleichmässigen Tagesablauf zu. «Und guten Genen», lacht sie. Neben Pflegedienstleiter Udo Staudenmaier ist Küchenchef Peter Zubler der zweite Mann im Haus. «Ich bin zwar reformiert, koche aber katholisch», witzelt er.

Das «feine Essen» mundet der 97-jährigen Schwester Maria Fernanda. Nach Stationen als Kindergärtnerin in Ingenbohl und in Basel ist die gebürtige Solothurnerin auf den Bleichenberg gekommen. «Hier besorgte ich die Wäsche, nähte, flickte und hielt die Ordenstrachten in Ordnung», erzählt sie. Heute darf sie ausruhen und sich umsorgen lassen. Wie Feriengast Alice Howald, die den Haushalt in Rüttenen und das Büsi noch selbst versorgt. Doch für die 95-Jährige steht fest: «Wenn es nicht mehr geht, ziehe ich hierher, wo ich mich wohl und geborgen fühle.»

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