Kredit bewilligt

Zwischen Witterswil und Bättwil funkt es

An einer Gemeindeversammlung sprachen sich die Stimmbürger für eine Fusion von Witterswil und Bättwil aus.

An einer Gemeindeversammlung sprachen sich die Stimmbürger für eine Fusion von Witterswil und Bättwil aus.

Die beiden Gemeinden Bättwil und Witterswil dürfen ein Fusionsszenario entwerfen. An einer gemeinsamen Gemeindeversammlung gab es eine deutliche Zustimmung.

Die Sitzreihen in der Mehrzweckhalle Witterswil waren getrennt: auf der einen Seite die Plätze für die Gäste aus Bättwil, auf der andern Seite für die Einheimischen. Vor den Stimmberechtigten sassen die Mitglieder der beiden Gemeinderäte sowie Vertreter des Kantons Solothurn. Traktandiert war lediglich ein Geschäft: ein Kredit, mit dem Abklärungen für die allfällige Fusion der beiden Gemeinden mit zusammen rund 2600 Einwohnern getroffen werden.

Die Gemeindepräsidenten Mark Seelig (Witterswil) und François Sandoz (Bättwil) orientierten ausführlich über die Vor- und Nachteile eines Zusammengehens. Wobei sich beide Magistraten überzeugt zeigten, dass die Vorteile überwiegen werden. Zudem informierte Peter Weber, Gemeindepräsident der Aargauer Gemeinde Mettauertal, die 2008 aus der Fusion von fünf Gemeinden entstanden ist, über deren Erfahrungen.

Auch er zog eine positive Bilanz; vor allem sei die Dorfidentität der fünf Dörfer nicht verloren gegangen. Allerdings empfahl Weber, einen externen, neutralen Coach zuzuziehen, der eine Steuerungsgruppe leiten soll, um zu verhindern, dass die jeweilige Gemeinde den Fokus bloss auf ihr eigenes Wohl legt.

Externer Coach

Die rund 160 Anwesenden folgten aufmerksam den Ausführungen. Die Diskussion verlief sehr ruhig und sachlich. Und die Fragen drehten sich auch nicht um den künftigen Steuerfuss oder um die Aufrechnung allfälliger Schulden. Ein älterer Bättwiler wies auf die unterschiedlichen Mentalitäten der beiden Gemeinden und auf die jahrhundertealte Hassliebe zwischen Bättwil und Witterswil hin: «Aus zwei Dörfern kann man nicht eine Dorfgemeinschaft machen!» Dem hielt ein anderer entgegen, dass dies «ein sehr enges Weltbild» sei.

Noch weiter ging Kantonsrat Mark Winkler: Mittelfristig könne sogar eine Fusion aller fünf solothurnischen Leimental-Gemeinden zum Thema werden. Beide Gemeinden seien zu klein, um die stetig wachsenden Herausforderungen zu meistern. Und die beiden Gemeindepräsidenten wiesen darauf hin, dass es nach der Fusion leichter sei, die verschiedenen Gremien und Kommissionen mit fähigen Leuten zu besetzen.

Vom Kanton Solothurn ist ein Unterstützungsbeitrag von 260 000 Franken zu erwarten (100 Franken pro Einwohner). Allerdings droht diese Unterstützung dem Spardruck des Kantons zum Opfer zu fallen. Deshalb, so die beiden Gemeindepräsidenten, wolle man alles daransetzen, die Verhandlungen zu beschleunigen, «um das Geld beim Kanton abzuholen», solange es überhaupt noch zur Verfügung steht.

Fusion in zwei Jahren möglich

An der Versammlung ging es erst einmal um einen Kredit von 72 000 Franken (je 36 000 Franken für beide Gemeinden). Damit sollen detaillierte Abklärungen für den möglichen Zusammenschluss von Bättwil und Witterswil getroffen werden können. Beide Gemeinden stimmten dem Kredit deutlich zu; Bättwil mit 64 Ja gegen 7 Nein (und einer Enthaltung), Witterswil mit 58 Ja gegen 9 Stimmen (bei zwei Enthaltungen).

Das weitere Vorgehen sieht vor, dass bis Ende 2015 die Fusionsverhandlungen geführt werden. Im Februar 2016 folgt der Schlussbericht, danach die Information der Bevölkerung und Interessengruppen. In zwei Jahren, also im Mai 2016, könnten die Gemeindeversammlungen darüber befinden, bevor im Juni 2016 an der Urne das Volk die definitive Entscheidung fällen kann.

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