Jürg Tucci war der treibende Motor hinter der Fusion der beiden Gemeinden Niederwil und Riedholz. Nachdem die Fusion zwischen Günsberg, Hubersdorf, Niederwil und Balm bei Günsberg scheiterte und sich der damalige Niederwiler Gemeindepräsident Willy Tschannen nach vielen Jahren im Amt zurückzog, stellte sich Tucci als Gemeindepräsident zur Verfügung.

Schon bevor er gewählt wurde, sagte er klar, dass die Fusion Niederwils mit einer anderen Gemeinde sein Legislaturziel sei.

«Erstaunlich unproblematisch»

Der Fusionsprozess lief erstaunlich unproblematisch, sagt Jürg Tucci heute. Erleichtert wurde der Übergang sicher dadurch, dass die Zustimmung in Niederwil gross war. Zudem arbeiteten Niederwil und Riedholz schon in diversen Bereichen zusammen. «Es war eine Zweckehe, keine Liebesheirat», erklärt der ehemalige Riedholzer Gemeindepräsident Peter Kohler.

Auch er sagt, dass die Fusion ohne grosse Probleme über die Bühne ging. «Entscheidend war dabei auch, dass Niederwil sich Riedholz fast ohne Bedingungen anschloss und damit beispielsweise auch alle Riedholzer Reglemente übernahm.» Nur so ist es auch zu erklären, dass der Fusionsprozess nur gerade ein Jahr dauerte und die Fusion per 1. Januar 2011 beschlossene Sache war. «Wir hatten in Riedholz keine Not, in Niederwil gab es aber Probleme, genügend Leute für die Mitarbeit in den Gremien zu finden», so Peter Kohler.

Ausserdem gab es gute Grundlagen, die es erlaubten, schnell zu entscheiden, und die auch aufzeigten, welche Probleme eine Fusion mit sich bringt. «Wir wussten beispielsweise, dass es in Niederwil keine Überraschungen oder Altlasten gibt», so Kohler.

Auch die Übergabe innerhalb der Verwaltung verlief reibungslos. Einzig die Übernahme des Einwohnerregisters war schwieriger, als man sich dies vorgestellt hatte. «Wir in Riedholz hatten bereits alle Daten elektronisch erfasst, während in Niederwil noch mit Papier gearbeitet wurde», so Kohler. So mussten viele Details nachgefragt werden, was zeitaufwendig war.

Während zweier Jahre wurden die Kommissionen und der Gemeinderat vergrössert. «So war sichergestellt, dass die Niederwiler Bevölkerung in allen Gremien vertreten war», erklärt Jürg Tucci. Damit war auch sichergestellt, dass das Niederwil-spezifische Wissen in der Konsolidierungsphase weitergegeben wurde.

Heute ist die Vertretung weniger gut, wie Tucci zugibt. Im Gemeinderat sitzt ein Niederwiler, in den Kommissionen sind es nur wenige. «Das Problem liegt auch darin, dass es im Dorfteil Riedholz aktive Parteien gibt, in Niederwil schon lange nicht mehr.» Es sei nun an den Parteien auch in Niederwil Leute zu suchen. Das wiederum scheint nicht so einfach, wie Peter Kohler meint. «Die Riedholzer Parteien haben sich redlich bemüht und haben ihre Versammlungen teilweise extra in Niederwil abgehalten. Aber die Niederwiler kamen nicht.»

Eine Fusion sei dann halt auch «eine Sache des Bauches», so Kohler. Alles, was die organisatorische Seite der Fusion betraf, verlief reibungslos. Aber die beiden Gemeinden müssten nun auch noch als Einwohner zusammenwachsen. «Das geht sicher noch eine Generation lang.»

Knatsch bei der Feuerwehr

Ärger gab es einzig, als es um die Feuerwehr ging. «Eigentlich wollte man Zusammenarbeiten mindestens am Anfang belassen», so Tucci. Bei der Feuerwehr wurde aber vorgeprescht und der Vertrag mit Günsberg aufgelöst. «Die Feuerwehr in Günsberg zu belassen, kostet uns jährlich 30 000 Franken», meinte Kohler.

In der Zwischenzeit sei es aber so, dass man schon über eine Zusammenarbeit von Riedholz mit Günsberg diskutiere, wissen Tucci und Kohler. Belassen wurden die Gemeinschaftsantennen und die Abwasserzweckverbände. Diese sind für die beiden Dorfteile anders. Auch die Diskussion um den Verkauf des alten Schulhausgebäudes in Niederwil brachte einige in Rage. Andere waren ganz froh, dass die Sache angepackt und «von etwas weiter weg» nüchtern angesehen wurde. Tucci ist sich zudem sicher, dass es noch zu weiteren Gemeindefusionen kommen wird. «Die Geschäfte werden immer komplexer.»

Kein Sparpotenzial

Und was meint Jasmine Huber, die das Gemeindepräsidium letzten Sommer übernommen hat und vorher bereits eine Legislatur lang im Gemeinderat sass? Auch sie spricht von einer Zweckehe und davon, dass die Einwohner der beiden Gemeinden noch zusammenwachsen müssen. «Einsparungen gab es kaum», so Huber.

Der Fusionsbeitrag des Kantons habe die Unkosten gerade eben gedeckt. Im Grossen und Ganzen sei die Fusion aber tatsächlich gut über die Bühne gegangen. «Ich kann mich heute den Alltagsgeschäften zuwenden. Es ist nicht so, dass ich die Folgen der Fusion aufarbeiten müsste.»