Frisch abgeduschte Kälbchen, Sonnenblumen und Dahlien in schönen Gestecken, vergnügte Ferkel, Kaffeeduft und schon früh viele Besucherinnen und Besucher – so begann gestern der 15. Wallierhoftag, der ganz im Olma-Fieber stand.

So nahmen auch Pfarrer Samuel Stucki und Theologe Karl-Heinz Scholz im ökumenischen Gottesdienst das Thema auf: Wallierhoftag, Olma, das Schwingfest in Burgdorf – heimatverbundene Anlässe. Doch was ist Heimat? Ist das die Kindheit als Ort, an dem alles gut ist? Ein Ort, nach dem man sich als Erwachsener sehnt und den man verklärt? Liegt Heimat in der Stille wie im Zen-Buddhismus? Liegt sie hinter allem Sichtbaren der Welt wie bei Jeremias Gotthelf?

Beide kamen gemeinsam zum Schluss, dass Heimat nicht aussen zu finden sei, sondern nur in einem selbst. «Sie gehört ins Handgepäck meines Herzens», so Samuel Stucki. Der Jodlerklub Alpenglühn Etziken, der den Gottesdienst wunderbar begleitete, wusste von Heimat und Sehnsucht zu singen: Von dem «Blangen» in einem drinnen, das doch einen tieferen Grund haben muss, vom Frieden in einem drinnen …

Wie gehts dem Wallierhof?

Pfarrer Samuel Stucki machte im Anschluss ein Kurzinterview mit Robert Flückiger, Direktor des Bildungszentrums Wallierhof und Vorsteher des Amts für Landwirtschaft: Was bedeutet ihm Heimat? «Heimat ist für mich zuerst der Buechibärg, dann der Wallierhof», sagte Flückiger, da sei er ganz bodenständig. Ende Jahr geht er in Pension.

Was war prägend in seiner Wallierhof-Zeit? «Die Menschen, die Angestellten. Wir haben viel gemacht.» Aber auch die gelungene Anpassung der Ausbildung an die Entwicklung der Landwirtschaft und die Tatsache, dass der Wallierhof heute – im Gegensatz zu den Jahren Ende des letzten Jahrhunderts – «stabil aufgestellt» ist.

Brot und Volksweisheit

Weizen gerät im Gegensatz zur Milch selten in die Schlagzeilen. An der Vergabe des Unternehmerpreises Solothurner Landwirtschaft, «Sola-Prix», der dieses Jahr wirtschaftlichen Getreideanbau als Thema hatte, hielt Frau Landammann Esther Gassler fest: «Brot ist noch heute das wichtigste Lebensmittel.»

Sie verwies darauf, dass der Weizenanbau eine mit 7000 bis 10 000 Jahren sehr alte Kultur sei. Auch heute noch komme Brot in der Volksweisheit oft vor: «Der hat kein Brot; altes Brot ist nicht hart, hart ist es, kein Brot zu haben; wes Brot ich ess, des Lied ich sing.» Durch Überbauungen und Preiseinbussen habe der Getreideanbau an Bedeutung verloren.

Bewerber sind gleichwertig

Dies war vielleicht der Grund, dass sich nur vier Landwirte – alle aus dem Bucheggberg – dem Wettbewerb stellten: zwei Bio- und zwei IP-Betriebe. Wie Bauernsekretär Peter Brügger erklärte, habe die Jury ob dieser Tatsache den Preis in zwei Kategorien – biologischer und konventioneller Anbau – eingeteilt.

Jury-Mitglied Esther Gassler vergab in letzterer Kategorie zwei erste Preise – da gleichwertige Bewerber – an Fritz Pfister, Küttigkofen, und an Andreas Ramser, Schnottwil. Den ersten Preis in der Kategorie Biobetrieb erhielt Felix Jaggi und seine Familie, Gossliwil, und den zweiten Preis Stefan Hueter, Biezwil.

Speckli, Babe und Victoria

Solothurn ist Gastkanton an der diesjährigen Olma in St. Gallen. Am Wallierhof zeigten gestern Mensch und Tier, was sie im Bereich Olma schon alles können. Während die Rennsäuli mit so schönen Namen wie Speckli, Babe und Victoria sich noch vor dem Start – freiwillig parallel ausgerichtet – einem «Power-Nap» hingaben, begann der Alpabzug, der dann auch durch die St. Galler Innenstadt führen wird.

«Jetzt goht si ab»: Schön geschmückt, mit glänzendem Fell legte die eine und andere Kuh einen temperamentvollen Probegalopp ein. Die Kälbchen und Geissen – «jöh!» – zeigten sich manierlicher, anmutig waren die stolzen Pferde vor der Kutsche – «die träbälet denn schön!». Souverän nach rechts und links blickend schritt der Hofhund seinen Weg ab, so als wollte er mitteilen: «Der Wallierhof ist meine Heimat. Dänk!»