Am Samstag wurde im Räberstöckli in Niederbipp eine Ausstellung eröffnet, die für das Jahresprogramm eher unüblich ist. «Die Geschichte der Kirchen in Niederbipp» heisst sie ganz nüchtern, doch was es hier zu entdecken gibt, ist eine eigentliche Geschichte dieses Dorfes – und zwar ab dem 14. Jahrhundert bis heute.

Dabei haben die Dorfbewohner tatkräftig mitgeholfen. Die Idee, die Reformierte und die Katholische Kirche, deren Leben und Wirken im Lauf der Jahre bis heute zu beleuchten, hatte Christine Schlup. «Ich belegte vor einiger Zeit einen Kurs für Kirchenführungen. Als ich solche Führungen in unserer Kirche anbieten wollte, merkte ich, dass das Interesse nicht sehr gross war. Also hatte ich die Idee, eine Ausstellung über die Kirchen von Niederbipp zu organisieren.

Ich fragte Peter Brotschi, der in der Katholischen Kirche mitmacht und historisch bewandert ist, ob er mithilft. Und so kam es.» Peter Brotschi meint: «Ich habe mal angefangen zu recherchieren, und da hat es mir doch glatt den ‹Ärmel inegnoh›.»

Aus dem Chorgerichtsmanual

Die Ausstellung ist chronologisch geordnet. Man erfährt im Parterre einiges über die Anfänge der Kirche von Niederbipp und bekommt im obersten Stock Angaben über das heutige reformierte kirchliche Leben. Hier oben beginnt dann auch erst die Geschichte der katholischen Kirche von Niederbipp, die exakt vor 40 Jahren gebaut wurde. Zurück zu den ersten Stationen: Man erfährt, dass es im 14. Jahrhundert die Froburger waren, die wahrscheinlich in Niederbipp eine Kapelle bauen liessen.

1320 ging das Gemeindegebiet ans Kloster St. Urban, welches dann für die Seelen von Niederbipp und Wangen an der Aare zuständig war. Das Kloster stiftete einen goldenen Messkelch, der dann aber nach der Reformation im Kanton Bern 1528 zum Abendmahl-Kelch erklärt wurde. Christine Schlup hat aus dem Chorgerichtsmanual einige Anekdoten transkribiert und diese zum Lesen aufgehängt. Es waren harte Sitten damals, insbesondere für Frauen, welche uneheliche Kinder zur Welt brachten.

Löcher im Kirchenhahn?

Im zweiten Stock befasst sich die Ausstellung mit den Gebäulichkeiten der jetzt reformierten Kirche. Orgelpfeifen können durch die Besucher zum Tönen gebracht werden, die Glocken und deren Herstellung werden beschrieben. In einem Film kann auch mitverfolgt werden, wie eine Kirchenglocke gegossen wird. Die Zeiger der Kirchenuhr und der von drei Schüssen durchlöcherte Kirchenhahn sind zu entdecken.

«Wie die Löcher in den Hahn gekommen sind, weiss niemand. Vielleicht kann ein Ausstellungsbesucher etwas darüber sagen», sagt Christine Schlup. An einer Hörstation kann auch einem Gedicht des Niederbipper Dichters Gerhard Meier gelauscht werden. «Er war ein treuer Kirchgänger», weiss Christine Schlup. «Jeden Sonntag sass er zusammen mit seiner Frau auf dem gleichen Platz und lauschte der Predigt.»

Wie erwähnt, wird im obersten Stock das heutige kirchliche Leben dargestellt. Da gibt es Fotos und Dokumente zu Hochzeiten, Taufen oder Konfirmationen. «Viele Niederbipper haben uns ihre Familienfotos zur Verfügung gestellt und damit aktiv zur Ausstellung beigetragen, freuen sich Schlup und Brotschi.

«Die Katholiken leben ja im protestantischen Bern in der Diaspora», sagt Peter Brotschi und führt durch den «Katholischen Teil» im oberen Stock. Bis zur Reformation 1528 gehörte die Pfarrei dem Kloster St. Urban und bis 1576 hat sogar der Abt über den jetzt reformierten Pfarrer bestimmt und ihn besoldet.

Erst ab 1909 ist in Niederbipp wieder katholisches Pfarreileben nachzuweisen, und mit dem Zuzug italienischer Gastarbeiter stieg die Zahl der Katholiken, die mit Wangen eine Pfarrei bildeten, vermehrt an. Es wurde ein ehemaliges Möbellager im Dorf gekauft und als Gotteshaus genutzt. Schliesslich konnte 1976 der Neubau der katholischen Kirche eingeweiht werden.

«Wir erinnern uns noch gut an den Festzug, welcher die drei Glocken durch das Dorf in Richtung Kirche begleitete», erzählen Schlup und Brotschi. «Da war das ganze Dorf beteiligt. Die reformierten Frauen haben aktiv am Basar mitgemacht.